Awareness 2.0 - Ein Anwenderbeispiel von Microblogging im Unternehmen
Available from
Michael Koch's profile on Mendeley.
Page 1
Awareness 2.0 - Ein Anwenderbeispiel von Microblogging im Unternehmen
60(2009)4, ??-200 275
1 Einführung
Microblogging, d.h. das Verbreiten von
öffentlichen Kurznachrichten, ist eines
der aktuellen Trendthemen im World
Wide Web. Obwohl die Funktionsweise
von Microblogging aus technischer Sicht
sehr simpel ist, trifft die Art und Weise,
wie es zwischen seinen Anwendern In-
teraktion ermöglicht, den Nerv der Zeit.
Seitdem der Microblogging-Dienst „Twit-
ter“ eine nicht unerhebliche Rolle in den
Kampagnen des amerikanischen Präsi-
dentschaftswahlkampf 2008 gespielt hat,
kann er zumindest in den Vereinigten
Staaten als Mainstream bezeichnet wer-
den und nimmt stetig an Bedeutung zu
(Meerman Scott 2008). Die Frage „Was
machst du gerade“, um die sich die Twit-
ter-Welt dreht, ist der neue Leitspruch
der digitalen Gesellschaft.
Dabei ist der Einsatz von Microblogging
nicht nur aus Sichtweise des Marketings
interessant, sondern auch in innerbe-
trieblichen Domänen wie dem Wissens-
management relevant. Als kritischer
Punkt von Systemen, die vorhandene
Informationen bzw. Wissen universell
zugänglich oder diese zumindest zugäng-
lich speicherbar machen sollten, hat sich
dabei zunehmend die intrinsisch moti-
vierte freiwillige Nutzung herausgestellt.
Diese freiwillige Beteiligung ist eines
der zentralen Merkmale des als Web 2.0
(O’Reilly 2005) bezeichneten Phänomens,
zu dem auch Microblogging gezählt wer-
den kann.
Wie aktuelle Studien zeigen, tragen Inter-
netnutzer ihr Wissen in Web 2.0-Anwen-
dungen wie Wikis, Weblogs und Social
Networking Services bei, ohne direkte
Anreize zu haben. Der Treiber für das
Engagement der Nutzer ist dabei oft die
intrinsische Motivation. Wie beispiels-
weise eine Studie zur Nutzung der Platt-
form Wikipedia zeigt, werden die Schrei-
ber v.a. durch Faktoren wie die subjektiv
wahrgenommene Eigenständigkeit (der
Benutzung), die Bedeutsamkeit der Auf-
gabe (für andere Benutzer), die Vielfalt
der Anforderungen und die Rückmeldun-
gen von anderen Benutzern motiviert
(Schroer/Hertel 2009). Die Integration
von Web 2.0-Ansätzen im Unternehmen-
sumfeld bietet großartige Möglichkeiten,
(implizites) Wissen im ganzen Unterneh-
men zu verteilen. Aus diesem Grund fra-
gen sich aktuell viele Unternehmen, wie
sie die Benutzung solcher Werkzeuge
im unternehmerischen Kontext etablie-
ren können. Für den internen Einsatz in
Unternehmen werden diese Instrumente
an den Kontext des Unternehmens ange-
passt und zusätzlich verbessert durch die
Erfahrungen mit bereits existierenden
Werkzeugen zur internen Zusammenar-
beit (Back et al. 2008, Koch/Richter 2008,
McAffee 2006). Zu dieser Entwicklung
kann auch der Einsatz von Enterprise Mi-
croblogging gezählt werden.
Der nächste Abschnitt gibt eine Ein-
führung zu Microblogging und einen
Einblick in die bestehende Forschung.
Im dritten Teil beschreiben wir die For-
schungsmethodik, woraufhin wir im
anschließenden Kapitel unsere Erkennt-
nisse in Form einer Fallstudie präsentie-
ren. Den Abschluss dieser Arbeit bilden
eine Diskussion und die Zusammenfas-
sung der Ergebnisse.
2 Microblogging – Status quo
Im November 2008 bot die Social Networ-
king Plattform Facebook 500 Millionen
US-Dollar (in Unternehmensanteilen) für
den bekanntesten Microblogging-Dienst
Twitter (Kazeniac 2009). Dies ist ein be-
merkenswerter Betrag für einen Dienst
mit geschätzten sechs Millionen Benut-
zern weltweit inmitten einer Rezession.
Es sieht so aus als ob Facebook, jahre-
lang der Star im weltweiten Netz, dem
Thema Microblogging wachsende Bedeu-
tung beimisst. Was sind die Gründe für
diese Erwartungshaltung?
Microblogs können als kleinere Ausga-
ben von Weblogs gesehen werden, die
es den Nutzern darüber hinaus möglich
machen, sich zu vernetzen. Auch die Nut-
zung solcher Dienste in mobilen Kontex-
ten spielt eine große Rolle. Nutzer haben
ihren eigenen öffentlichen Microblog, wo
sie kurze neue Meldungen eintragen kön-
nen. Meldungen anderer Mitglieder kön-
nen ‚verfolgt’ werden, indem sie zu den
Kontakten des persönlichen Netzwerks
hinzugefügt werden. Wie bei einem Web-
log erscheinen die Nachrichten in zeitli-
cher Reihenfolge auf der Startseite des
Benutzers. Die Meldungen, sogenannte
tweets, können beispielsweise per SMS,
Desktop Client oder über zahlreiche an-
dere Programme von Drittanbietern, wie
etwa tweetdeck (www.tweetdeck.com),
verschickt werden.
In Abgrenzung zu Weblogs liegt der Nut-
zen von Microblogs besonders auf der
fast synchronen Kommunikation und der
Microblogging ist eines der gegen-
wärtig am stärksten diskutierten
Themen im Internet. Die zunehmende
Verbreitung von Diensten wie z.B.
Twitter zur Teilung von Informati-
onen mit anderen Anwendern, lässt
die Frage aufkommen, welchen po-
tentiellen Nutzen Unternehmen da-
raus ziehen können. In der vorlie-
genden Fallstudie stellen wir einen
Early Adopter vor, der ein eigenes
Unternehmens-Microblogging Sy-
stem eingeführt hat. Dabei beschrei-
ben wir, wie Microblogging im pro-
fessionellen Kontext zur Anwendung
kommen kann. Zusätzlich gehen wir
allgemein auf die (zunehmende) Be-
deutung von Enterprise Microblog-
ging ein.
Awareness 2.0 – A Case Study on Micro-
blogging for the Enterprise
Microblogging is one of the most dis-
cussed topics in the Internet. The ri-
sing success of services like Twitter
raises questions about their poten-
tial for the internal use in organisa-
tions. In this case study we provide
insights from an early adopter who
implemented an own microblogging
system. The paper explains what use
cases in professional contexts can
look like and discusses implications
of the presented case for the future
development of enterprise microblog-
ging.
Awareness 2.0 –
Ein Anwenderbeispiel von Microblogging im Unternehmen
W
issensmanagement mit Social Softw
are
1 Einführung
Microblogging, d.h. das Verbreiten von
öffentlichen Kurznachrichten, ist eines
der aktuellen Trendthemen im World
Wide Web. Obwohl die Funktionsweise
von Microblogging aus technischer Sicht
sehr simpel ist, trifft die Art und Weise,
wie es zwischen seinen Anwendern In-
teraktion ermöglicht, den Nerv der Zeit.
Seitdem der Microblogging-Dienst „Twit-
ter“ eine nicht unerhebliche Rolle in den
Kampagnen des amerikanischen Präsi-
dentschaftswahlkampf 2008 gespielt hat,
kann er zumindest in den Vereinigten
Staaten als Mainstream bezeichnet wer-
den und nimmt stetig an Bedeutung zu
(Meerman Scott 2008). Die Frage „Was
machst du gerade“, um die sich die Twit-
ter-Welt dreht, ist der neue Leitspruch
der digitalen Gesellschaft.
Dabei ist der Einsatz von Microblogging
nicht nur aus Sichtweise des Marketings
interessant, sondern auch in innerbe-
trieblichen Domänen wie dem Wissens-
management relevant. Als kritischer
Punkt von Systemen, die vorhandene
Informationen bzw. Wissen universell
zugänglich oder diese zumindest zugäng-
lich speicherbar machen sollten, hat sich
dabei zunehmend die intrinsisch moti-
vierte freiwillige Nutzung herausgestellt.
Diese freiwillige Beteiligung ist eines
der zentralen Merkmale des als Web 2.0
(O’Reilly 2005) bezeichneten Phänomens,
zu dem auch Microblogging gezählt wer-
den kann.
Wie aktuelle Studien zeigen, tragen Inter-
netnutzer ihr Wissen in Web 2.0-Anwen-
dungen wie Wikis, Weblogs und Social
Networking Services bei, ohne direkte
Anreize zu haben. Der Treiber für das
Engagement der Nutzer ist dabei oft die
intrinsische Motivation. Wie beispiels-
weise eine Studie zur Nutzung der Platt-
form Wikipedia zeigt, werden die Schrei-
ber v.a. durch Faktoren wie die subjektiv
wahrgenommene Eigenständigkeit (der
Benutzung), die Bedeutsamkeit der Auf-
gabe (für andere Benutzer), die Vielfalt
der Anforderungen und die Rückmeldun-
gen von anderen Benutzern motiviert
(Schroer/Hertel 2009). Die Integration
von Web 2.0-Ansätzen im Unternehmen-
sumfeld bietet großartige Möglichkeiten,
(implizites) Wissen im ganzen Unterneh-
men zu verteilen. Aus diesem Grund fra-
gen sich aktuell viele Unternehmen, wie
sie die Benutzung solcher Werkzeuge
im unternehmerischen Kontext etablie-
ren können. Für den internen Einsatz in
Unternehmen werden diese Instrumente
an den Kontext des Unternehmens ange-
passt und zusätzlich verbessert durch die
Erfahrungen mit bereits existierenden
Werkzeugen zur internen Zusammenar-
beit (Back et al. 2008, Koch/Richter 2008,
McAffee 2006). Zu dieser Entwicklung
kann auch der Einsatz von Enterprise Mi-
croblogging gezählt werden.
Der nächste Abschnitt gibt eine Ein-
führung zu Microblogging und einen
Einblick in die bestehende Forschung.
Im dritten Teil beschreiben wir die For-
schungsmethodik, woraufhin wir im
anschließenden Kapitel unsere Erkennt-
nisse in Form einer Fallstudie präsentie-
ren. Den Abschluss dieser Arbeit bilden
eine Diskussion und die Zusammenfas-
sung der Ergebnisse.
2 Microblogging – Status quo
Im November 2008 bot die Social Networ-
king Plattform Facebook 500 Millionen
US-Dollar (in Unternehmensanteilen) für
den bekanntesten Microblogging-Dienst
Twitter (Kazeniac 2009). Dies ist ein be-
merkenswerter Betrag für einen Dienst
mit geschätzten sechs Millionen Benut-
zern weltweit inmitten einer Rezession.
Es sieht so aus als ob Facebook, jahre-
lang der Star im weltweiten Netz, dem
Thema Microblogging wachsende Bedeu-
tung beimisst. Was sind die Gründe für
diese Erwartungshaltung?
Microblogs können als kleinere Ausga-
ben von Weblogs gesehen werden, die
es den Nutzern darüber hinaus möglich
machen, sich zu vernetzen. Auch die Nut-
zung solcher Dienste in mobilen Kontex-
ten spielt eine große Rolle. Nutzer haben
ihren eigenen öffentlichen Microblog, wo
sie kurze neue Meldungen eintragen kön-
nen. Meldungen anderer Mitglieder kön-
nen ‚verfolgt’ werden, indem sie zu den
Kontakten des persönlichen Netzwerks
hinzugefügt werden. Wie bei einem Web-
log erscheinen die Nachrichten in zeitli-
cher Reihenfolge auf der Startseite des
Benutzers. Die Meldungen, sogenannte
tweets, können beispielsweise per SMS,
Desktop Client oder über zahlreiche an-
dere Programme von Drittanbietern, wie
etwa tweetdeck (www.tweetdeck.com),
verschickt werden.
In Abgrenzung zu Weblogs liegt der Nut-
zen von Microblogs besonders auf der
fast synchronen Kommunikation und der
Microblogging ist eines der gegen-
wärtig am stärksten diskutierten
Themen im Internet. Die zunehmende
Verbreitung von Diensten wie z.B.
Twitter zur Teilung von Informati-
onen mit anderen Anwendern, lässt
die Frage aufkommen, welchen po-
tentiellen Nutzen Unternehmen da-
raus ziehen können. In der vorlie-
genden Fallstudie stellen wir einen
Early Adopter vor, der ein eigenes
Unternehmens-Microblogging Sy-
stem eingeführt hat. Dabei beschrei-
ben wir, wie Microblogging im pro-
fessionellen Kontext zur Anwendung
kommen kann. Zusätzlich gehen wir
allgemein auf die (zunehmende) Be-
deutung von Enterprise Microblog-
ging ein.
Awareness 2.0 – A Case Study on Micro-
blogging for the Enterprise
Microblogging is one of the most dis-
cussed topics in the Internet. The ri-
sing success of services like Twitter
raises questions about their poten-
tial for the internal use in organisa-
tions. In this case study we provide
insights from an early adopter who
implemented an own microblogging
system. The paper explains what use
cases in professional contexts can
look like and discusses implications
of the presented case for the future
development of enterprise microblog-
ging.
Awareness 2.0 –
Ein Anwenderbeispiel von Microblogging im Unternehmen
W
issensmanagement mit Social Softw
are
Page 2
276 60(2009)3, ??-??
Awareness 2.0
Vermittlung von Awareness. Dourish und
Bellotti (1992, S. 107) definieren Aware-
ness als: „Verständnis für die Aktivitäten
anderer, das einen Rahmen für die eigene
Tätigkeit bildet“ und betonen die Wich-
tigkeit von Awareness beim Koordinieren
von Gruppenaktivitäten in unterschiedli-
chen Aufgabenbereichen.
Gutwin und Greenberg (1995) streichen
die Notwendigkeit dieses aktuellen Wis-
sens über die Aktivitäten anderer Men-
schen heraus, um sich mit diesen (impli-
zit) zu koordinieren und die eigenen Auf-
gaben innerhalb der Gruppe zu erfüllen.
Dabei unterscheiden Gutwin et al. (1996)
vier grundlegende Arten von Awareness-
Information, welche sich allesamt sehr
gut durch Microblogging unterstützen
lassen:
■ Informelle Awareness (Information
über Handlungen und Absichten an-
derer): „Bin jetzt in einer Besprechung
mit Marie über unser neues Projekt.“
■ Social Awareness (Information über
den emotionalen Zustand anderer,
die typischerweise im Rahmen eines
Gesprächs wahrgenommen werden):
„Ich habe heute wirklich keine Lust,
mich mit Herrn Flott zu treffen“.
■ Awareness über die Gruppenstruktur
(Information über die Rollen und Auf-
gaben der Mitglieder einer Gruppe):
„Marie ist neu in unserem Team und
wird das Projekt koordinieren.“
■ Awareness über den Arbeitsbereich
(Information über die Wechselwirkun-
gen zwischen Benutzern, die sich eine
Arbeitsumgebung und darin enthal-
tene Artefakte teilen): „Arbeite jetzt
an der neuen Projektpräsentation“.
Was wir anhand dieser Beispiele zeigen
möchten, ist, dass Microblogging auf ein-
fache Art dabei helfen kann, Awareness
in einem Unternehmen zu erzeugen, um
die Zusammenarbeit der Mitarbeiter, die
Kommunikation untereinander und die
Koordination zu unterstützen.
Da Microblogging ein sehr neues Phä-
nomen ist, gibt es bisher nur wenige
wissenschaftliche Veröffentlichungen
zu diesem Thema: Der größte Teil der
Arbeiten konzentriert sich auf Beschrei-
bungen und statistische Untersuchungen
von Twitter (Barnes & Böhringer 2009;
Huberman et al. 2009; Erickson 2008;
Krishnamurthy et al. 2008; Java et al.
2007) und auf Microblogging als Lernin-
strument (Ebner & Schiefner 2008; Skiba
2008; Ullrich et al. 2008). Nur wenige
Beiträge finden sich über die technische
Weiterentwicklung des Microblogging
(Böhringer & Röhrborn 2008; Passant et
al. 2008) und über Microblogging als An-
wendung für Mobilgeräte (Barkhuus et
al. 2008; Gaonkar et al. 2008). Wie zuvor
schon angedeutet, ist Microblogging aber
kein völlig neues Medium. Einerseits
kann man Microblogging mit „echtem“
Blogging vergleichen und andererseits
weist Microblogging auch Parallelen mit
Instant Messaging auf. Die besondere
Charakteristik von Microblogging wird
durch die Kombination von Teilaspekten
dieser beiden Werkzeugklassen gebildet.
Dadurch ist eine eigenständige Anwen-
dungsfamilie entstanden, auf die vorhan-
dene Forschungserkenntnisse zu den
Vorgänger-Technologien nur bedingt zu
übertragen sind.
Das Technologieforschungsunternehmen
Gartner (2008) fügte Microblogging 2008
zu seinem Hype-Zyklus hinzu, wobei man
einen scharfen Anstieg in der Beliebtheit
vorhersagte. Gartner zufolge untersu-
chen führende Unternehmen den mögli-
chen Nutzen von Microblogging zur Ver-
besserung von anderen sozialen Medien
und Kanälen. Bis jetzt experimentieren
vor allem größere Unternehmen wie IBM,
Oracle und SAP mit Unternehmens-Mi-
croblogs (vgl. Pistachio Consulting 2008).
Wie auch schon bei Social Networking
Services (vgl. z.B. Richter/Koch 2008)
wird diese Entwicklung auch von Sorgen
um die Datensicherheit begleitet und es
wird argumentiert, dass solch ein Instru-
ment nur hinter der Firewall des Unter-
nehmens eingesetzt werden sollte.
3 Forschungsmethodik
Microblogging und insbesondere seine
Anwendung im Unternehmenskontext ist
ein sehr neues Forschungsfeld. Proble-
matisch ist die Tatsache, dass nicht ein-
mal klar ist, wofür der Begriff Enterprise
Microblogging genau steht. Aus diesem
Grund haben wir uns für Fallstudienfor-
schung entschieden, um den Prozess der
Konzeptualisierung, Realisierung und der
Verbreitung eines Enterprise Microblogs
explorativ zu erfassen.
Yin (2003) zufolge können Daten für
Fallstudien aus sechs unterschiedlichen
Quellen stammen: Dokumente, Archi-
vaufzeichnungen, Interviews, direkte
Beobachtungen, teilnehmende Beobach-
tung und greifbare Artefakte. In vorlie-
genden Fall hatten wir die Gelegenheit,
von Beginn an Einblicke in das Entwick-
lungsprojekt zu erhalten. Deswegen ent-
schieden wir uns, unsere Fallstudie auf
direkter Beobachtung aufzubauen. Wir
untermauern diese Erkenntnisse mit der
daraus entstandenen Software als greif-
bares Artefakt. Schließlich helfen auch
die statistischen Daten und fünf Inter-
views nach Abschluss der ersten sechs
Monate der Benutzung, um den Erfolg
des Projektes sichtbar zu machen.
Unter Bezugnahme auf Flyvbjerg (2006,
S. 221) schlagen wir vor, diese Fallstu-
die als Möglichkeit zu verstehen, die As-
pekte dieses sehr neuen Forschungsfel-
des zu begreifen und von ihrem Beispiel
zu lernen:
„First, the case study produces the type
of context-dependent knowledge that
research on learning shows to be neces-
sary to allow people to develop from rule-
based beginners to virtuose experts. Se-
cond, in the study of human affairs, there
appears to exist only context-dependent
knowledge, which, thus, presently rules
out the possibility of epistemic theoreti-
cal construction.“
Die Feldarbeit fand von März 2008 bis
März 2009 statt. Das Projekt zur Imple-
mentierung begann im späten Sommer
2008. Die folgenden Abschnitte beschrei-
ben unsere Erkenntnisse.
4 Fallstudie
Um das kontextabhängige Wissen der
gegenwärtigen Studie darzustellen, wer-
den wir das Unternehmen und den Hin-
tergrund des Microblogging-Projektes im
Detail beschreiben. Danach präsentieren
wir die Vorgehensweise bei der Planung
und Realisierung. Zuletzt werfen wir
einen Blick auf die entstandene Software
und die Nutzungsdaten.
4.1. Hintergrund
Die Communardo Software GmbH mit
Sitz in Dresden ist Anbieter von Soft-
warelösungen und IT-Beratung für Con-
tent & Knowledge Management, Team
Collaboration und Enterprise Project &
Portfolio Management. Das Unternehmen
blickt auf ein starkes Wachstum inner-
halb der letzten Jahre zurück und be-
schäftigt über 150 Mitarbeiter, die inner-
halb einer flachen Hierarchie vor allem
projektbasiert arbeiten. Für das interne
Informations- und Wissensmanagement
existieren u.a. Blogs, Projekträume und
ein Unternehmens-Wiki.
Communardo ist selbst Anbieter von Pro-
jektmanagement- und Enterprise 2.0-Lö-
sungen. Einige Mitarbeiter sind daher
besonders Technik-affin und gehörten
zu den early adopters von Twitter. Sie er-
kannten das Potenzial des Ansatzes für
ihr Unternehmen und regten frühzeitig
eine Auseinandersetzung mit Microblog-
ging an.
Bis dahin war reger Austausch über
E-Mails oder die Benutzung von Dis-
kussionsseiten des Wikis an der Tages-
ordnung und führte zu einer großen
und unbeherrschbaren Menge an unter-
schiedlichen Informationssilos. Die Er-
wartungen gegenüber dem Microblog-
ging waren zum einen die verschiedenen
Teile des Unternehmens, welche wäh-
rend des starken Wachstums auseinan-
der gedriftet waren, wieder miteinander
zu verbinden. Zum anderen schien ein
Microblog das beste Instrument zu sein,
um den Fluss der Informationen in den
Projektgruppen abzubilden.
Die erste Entscheidung war, für die
interne Kommunikation im Unterneh-
Awareness 2.0
Vermittlung von Awareness. Dourish und
Bellotti (1992, S. 107) definieren Aware-
ness als: „Verständnis für die Aktivitäten
anderer, das einen Rahmen für die eigene
Tätigkeit bildet“ und betonen die Wich-
tigkeit von Awareness beim Koordinieren
von Gruppenaktivitäten in unterschiedli-
chen Aufgabenbereichen.
Gutwin und Greenberg (1995) streichen
die Notwendigkeit dieses aktuellen Wis-
sens über die Aktivitäten anderer Men-
schen heraus, um sich mit diesen (impli-
zit) zu koordinieren und die eigenen Auf-
gaben innerhalb der Gruppe zu erfüllen.
Dabei unterscheiden Gutwin et al. (1996)
vier grundlegende Arten von Awareness-
Information, welche sich allesamt sehr
gut durch Microblogging unterstützen
lassen:
■ Informelle Awareness (Information
über Handlungen und Absichten an-
derer): „Bin jetzt in einer Besprechung
mit Marie über unser neues Projekt.“
■ Social Awareness (Information über
den emotionalen Zustand anderer,
die typischerweise im Rahmen eines
Gesprächs wahrgenommen werden):
„Ich habe heute wirklich keine Lust,
mich mit Herrn Flott zu treffen“.
■ Awareness über die Gruppenstruktur
(Information über die Rollen und Auf-
gaben der Mitglieder einer Gruppe):
„Marie ist neu in unserem Team und
wird das Projekt koordinieren.“
■ Awareness über den Arbeitsbereich
(Information über die Wechselwirkun-
gen zwischen Benutzern, die sich eine
Arbeitsumgebung und darin enthal-
tene Artefakte teilen): „Arbeite jetzt
an der neuen Projektpräsentation“.
Was wir anhand dieser Beispiele zeigen
möchten, ist, dass Microblogging auf ein-
fache Art dabei helfen kann, Awareness
in einem Unternehmen zu erzeugen, um
die Zusammenarbeit der Mitarbeiter, die
Kommunikation untereinander und die
Koordination zu unterstützen.
Da Microblogging ein sehr neues Phä-
nomen ist, gibt es bisher nur wenige
wissenschaftliche Veröffentlichungen
zu diesem Thema: Der größte Teil der
Arbeiten konzentriert sich auf Beschrei-
bungen und statistische Untersuchungen
von Twitter (Barnes & Böhringer 2009;
Huberman et al. 2009; Erickson 2008;
Krishnamurthy et al. 2008; Java et al.
2007) und auf Microblogging als Lernin-
strument (Ebner & Schiefner 2008; Skiba
2008; Ullrich et al. 2008). Nur wenige
Beiträge finden sich über die technische
Weiterentwicklung des Microblogging
(Böhringer & Röhrborn 2008; Passant et
al. 2008) und über Microblogging als An-
wendung für Mobilgeräte (Barkhuus et
al. 2008; Gaonkar et al. 2008). Wie zuvor
schon angedeutet, ist Microblogging aber
kein völlig neues Medium. Einerseits
kann man Microblogging mit „echtem“
Blogging vergleichen und andererseits
weist Microblogging auch Parallelen mit
Instant Messaging auf. Die besondere
Charakteristik von Microblogging wird
durch die Kombination von Teilaspekten
dieser beiden Werkzeugklassen gebildet.
Dadurch ist eine eigenständige Anwen-
dungsfamilie entstanden, auf die vorhan-
dene Forschungserkenntnisse zu den
Vorgänger-Technologien nur bedingt zu
übertragen sind.
Das Technologieforschungsunternehmen
Gartner (2008) fügte Microblogging 2008
zu seinem Hype-Zyklus hinzu, wobei man
einen scharfen Anstieg in der Beliebtheit
vorhersagte. Gartner zufolge untersu-
chen führende Unternehmen den mögli-
chen Nutzen von Microblogging zur Ver-
besserung von anderen sozialen Medien
und Kanälen. Bis jetzt experimentieren
vor allem größere Unternehmen wie IBM,
Oracle und SAP mit Unternehmens-Mi-
croblogs (vgl. Pistachio Consulting 2008).
Wie auch schon bei Social Networking
Services (vgl. z.B. Richter/Koch 2008)
wird diese Entwicklung auch von Sorgen
um die Datensicherheit begleitet und es
wird argumentiert, dass solch ein Instru-
ment nur hinter der Firewall des Unter-
nehmens eingesetzt werden sollte.
3 Forschungsmethodik
Microblogging und insbesondere seine
Anwendung im Unternehmenskontext ist
ein sehr neues Forschungsfeld. Proble-
matisch ist die Tatsache, dass nicht ein-
mal klar ist, wofür der Begriff Enterprise
Microblogging genau steht. Aus diesem
Grund haben wir uns für Fallstudienfor-
schung entschieden, um den Prozess der
Konzeptualisierung, Realisierung und der
Verbreitung eines Enterprise Microblogs
explorativ zu erfassen.
Yin (2003) zufolge können Daten für
Fallstudien aus sechs unterschiedlichen
Quellen stammen: Dokumente, Archi-
vaufzeichnungen, Interviews, direkte
Beobachtungen, teilnehmende Beobach-
tung und greifbare Artefakte. In vorlie-
genden Fall hatten wir die Gelegenheit,
von Beginn an Einblicke in das Entwick-
lungsprojekt zu erhalten. Deswegen ent-
schieden wir uns, unsere Fallstudie auf
direkter Beobachtung aufzubauen. Wir
untermauern diese Erkenntnisse mit der
daraus entstandenen Software als greif-
bares Artefakt. Schließlich helfen auch
die statistischen Daten und fünf Inter-
views nach Abschluss der ersten sechs
Monate der Benutzung, um den Erfolg
des Projektes sichtbar zu machen.
Unter Bezugnahme auf Flyvbjerg (2006,
S. 221) schlagen wir vor, diese Fallstu-
die als Möglichkeit zu verstehen, die As-
pekte dieses sehr neuen Forschungsfel-
des zu begreifen und von ihrem Beispiel
zu lernen:
„First, the case study produces the type
of context-dependent knowledge that
research on learning shows to be neces-
sary to allow people to develop from rule-
based beginners to virtuose experts. Se-
cond, in the study of human affairs, there
appears to exist only context-dependent
knowledge, which, thus, presently rules
out the possibility of epistemic theoreti-
cal construction.“
Die Feldarbeit fand von März 2008 bis
März 2009 statt. Das Projekt zur Imple-
mentierung begann im späten Sommer
2008. Die folgenden Abschnitte beschrei-
ben unsere Erkenntnisse.
4 Fallstudie
Um das kontextabhängige Wissen der
gegenwärtigen Studie darzustellen, wer-
den wir das Unternehmen und den Hin-
tergrund des Microblogging-Projektes im
Detail beschreiben. Danach präsentieren
wir die Vorgehensweise bei der Planung
und Realisierung. Zuletzt werfen wir
einen Blick auf die entstandene Software
und die Nutzungsdaten.
4.1. Hintergrund
Die Communardo Software GmbH mit
Sitz in Dresden ist Anbieter von Soft-
warelösungen und IT-Beratung für Con-
tent & Knowledge Management, Team
Collaboration und Enterprise Project &
Portfolio Management. Das Unternehmen
blickt auf ein starkes Wachstum inner-
halb der letzten Jahre zurück und be-
schäftigt über 150 Mitarbeiter, die inner-
halb einer flachen Hierarchie vor allem
projektbasiert arbeiten. Für das interne
Informations- und Wissensmanagement
existieren u.a. Blogs, Projekträume und
ein Unternehmens-Wiki.
Communardo ist selbst Anbieter von Pro-
jektmanagement- und Enterprise 2.0-Lö-
sungen. Einige Mitarbeiter sind daher
besonders Technik-affin und gehörten
zu den early adopters von Twitter. Sie er-
kannten das Potenzial des Ansatzes für
ihr Unternehmen und regten frühzeitig
eine Auseinandersetzung mit Microblog-
ging an.
Bis dahin war reger Austausch über
E-Mails oder die Benutzung von Dis-
kussionsseiten des Wikis an der Tages-
ordnung und führte zu einer großen
und unbeherrschbaren Menge an unter-
schiedlichen Informationssilos. Die Er-
wartungen gegenüber dem Microblog-
ging waren zum einen die verschiedenen
Teile des Unternehmens, welche wäh-
rend des starken Wachstums auseinan-
der gedriftet waren, wieder miteinander
zu verbinden. Zum anderen schien ein
Microblog das beste Instrument zu sein,
um den Fluss der Informationen in den
Projektgruppen abzubilden.
Die erste Entscheidung war, für die
interne Kommunikation im Unterneh-
Page 3
60(2009)3, ??-?? 277
Awareness 2.0
men keinen öffentlichen Microblogging
Dienst, wie Twitter, einzusetzen. Ent-
scheidend waren dabei funktionale De-
fizite (z.B. kein Rechte-Management,
wenige Möglichkeiten für Suche und
Filterung) und strategische Gründe (z.B.
Datenschutz, Verlässlichkeit). Da es zu
dieser Zeit keine Standardsoftwarelösun-
gen für Unternehmens-Microblogging
gab, war der einzige schnelle und einfa-
che Weg, ein Microblogging-ähnliches
System zu implementieren, die Weblog-
Software Wordpress einzusetzen und
diese durch eine spezielle Oberfläche
namens Prologue zu erweitern. Diese
Software-Lösung wurde in einer Projekt-
gruppe getestet. Die Herangehensweise
und die daraus folgende unternehmens-
weite Anpassung wurden als sehr nütz-
lich empfunden. Das modifizierte Word-
press Programm befriedigte jedoch nicht
alle funktionellen Anforderungen.
4.2. Planung und Realisierung
Um selbst ein twitterähnliches internes
Microblogging-Tool zu entwickeln, for-
mulierte Communardo die folgenden An-
forderungen:
■ Themenzentrierte Strukturierung und
Rechteverwaltung sollten verfügbar
sein.
■ Informationsverwaltung durch Tag-
ging und Filterung sollte möglich sein.
■ Verschiedene Integrationsszenarien
sollten unterstützt werden (LDAP,
RSS, Portlets, Mobile Client, XMPP).
■ Sicherheitsfunktionen wie Verschlüs-
selung, Nutzerverwaltung und stabi-
les Softwaredesign sollten enthalten
sein.
■ Das System sollte einfach und schnell
zu benutzen sein
Die erste Anforderung stellt einen we-
sentlichen Unterschied zu Twitter dar. Es
wurde argumentiert, dass die so genann-
ten „Noise-Postings“, die für den Nutzer
nicht interessant sind, aber wegen ihrer
Vielzahl die wichtigen Nachrichten über-
decken, minimiert werden sollten. Eine
themenzentrierte Strukturierung wurde
weiterhin als Bedingung für eine effek-
tive Rechteverwaltung gesehen. Die zu-
grunde liegende Annahme war, dass eine
Person in unterschiedlichen Rollen wie
Projektmanager und CEO agiert. Es sollte
daher möglich sein, dass für Projekte re-
levante Nachrichten dieser Person nur
für die Mitarbeiter zugänglich sind, die
am gleichen Projekt beteiligt sind. Die
Möglichkeit, Rechteeinstellungen für jede
einzelne Nachricht einzurichten, wurde
aber zugunsten einfacherer Anwendbar-
keit zurückgewiesen. Die Lösung war
daher die Konzeptionierung von vielen
verschiedenen Microblogs, zu denen
einzelne Nutzer hinzugefügt werden
konnten. Dieser Ansatz wurde in einem
nicht funktionalen Prototyp der Benutzer-
schnittstelle realisiert.
In dieser frühen Phase des Projekts wur-
den ausgesuchte Berater hinzugezogen,
um den Prototyp einschließlich verschie-
dener Varianten für das Tagging zu tes-
ten. Das Ziel dieser Tests war es, heraus-
zufinden, ob die Bedienung intuitiv mög-
lich sein würde. Die Ergebnisse flossen in
die Überarbeitung des ersten Konzepts
ein. Nach der Planungsphase entschied
sich Communardo, einen Schritt weiter
zu gehen und mit der Realisierung des
Projektes zu beginnen. Parallel zur Ge-
staltung der Benutzeroberfläche fand die
technologische Planung statt. Die Pro-
jektgruppe behielt die iterative Vorge-
hensweise bei und gab schnellstmöglich
die daraus entstandene Lösung zur Nut-
zung frei.
4.3. Lösung
Das entstandene Software-Artefakt ist
ein browserbasiertes Microblogging-
System, das Web 2.0-typische Techno-
logie (d.h. Ajax) und Gestaltung (v.a.
Simplicity) verwendet. Communardo
entschied sich für den Namen „Commu-
note“ – einer Kombination aus dem Fir-
mennamen und dem englischen Wort für
„Notiz/Mitteilung“. Ein Screenshot der
Software vom Februar 2009 wird in Ab-
bildung 1 gezeigt.
Auf den ersten Blick sieht Communote
Twitter sehr ähnlich. Tatsächlich sind
auch die grundlegenden Elemente die
Gleichen: Der Nachrichtenstrom macht
den größten Teil des Systems aus und
eine Bedienkonsole mit Filter- und Na-
vigationsoptionen ist auf der rechten
Seite positioniert. Ein wesentlicher Un-
terschied ist das oben angebrachte Aus-
wahlmenü. Dieses Element wird verwen-
det, um im jeweils gewünschten Micro-
blog zu schreiben. Die erste Seite zeigt
alle Microblogbeiträge des Benutzers.
Um eine Nachricht zu schreiben, muss
der Benutzer entweder einen einzelnen
Microblog auswählen oder auf eine be-
reits existierende Nachricht antworten.
Im ersten Fall wird im Vergleich zu Twit-
ter ein zusätzlicher Mausklick benötigt,
im zweiten Fall ist kein zusätzlicher Auf-
wand nötig.
Die Steuerkonsole auf der rechten Seite
enthält eine dynamische Schlagwort-
wolke und zusätzliche Filtermöglichkei-
ten. Filter sind verfügbar für Schlagwör-
ter, freie Suche, Autoren, Microblogs und
Zeiträume und können auch frei kombi-
niert werden. Alle Filterkombinationen
sind auch per RSS-Feed verfügbar.
4.4. Einführung und Benutzung
Communote ist seit Ende September
2008 für jeden Mitarbeiter über seinen
vorhandenen LDAP-Login verfügbar. Das
Instrument wurde nicht beworben, auch
gab es keinerlei Training. Die Nutzung
begann bei der Projektgruppe selbst und
verbreitete sich dann viral durch das Un-
ternehmen.
Im Februar 2009 waren 57 Nutzer in
Communote registriert, was nahezu alle
internen und externen Mitarbeiter (z.B.
.
Abbildung 1: Screenshot von Communote.
Abbildung 1: Screenshot von Communote.
Awareness 2.0
men keinen öffentlichen Microblogging
Dienst, wie Twitter, einzusetzen. Ent-
scheidend waren dabei funktionale De-
fizite (z.B. kein Rechte-Management,
wenige Möglichkeiten für Suche und
Filterung) und strategische Gründe (z.B.
Datenschutz, Verlässlichkeit). Da es zu
dieser Zeit keine Standardsoftwarelösun-
gen für Unternehmens-Microblogging
gab, war der einzige schnelle und einfa-
che Weg, ein Microblogging-ähnliches
System zu implementieren, die Weblog-
Software Wordpress einzusetzen und
diese durch eine spezielle Oberfläche
namens Prologue zu erweitern. Diese
Software-Lösung wurde in einer Projekt-
gruppe getestet. Die Herangehensweise
und die daraus folgende unternehmens-
weite Anpassung wurden als sehr nütz-
lich empfunden. Das modifizierte Word-
press Programm befriedigte jedoch nicht
alle funktionellen Anforderungen.
4.2. Planung und Realisierung
Um selbst ein twitterähnliches internes
Microblogging-Tool zu entwickeln, for-
mulierte Communardo die folgenden An-
forderungen:
■ Themenzentrierte Strukturierung und
Rechteverwaltung sollten verfügbar
sein.
■ Informationsverwaltung durch Tag-
ging und Filterung sollte möglich sein.
■ Verschiedene Integrationsszenarien
sollten unterstützt werden (LDAP,
RSS, Portlets, Mobile Client, XMPP).
■ Sicherheitsfunktionen wie Verschlüs-
selung, Nutzerverwaltung und stabi-
les Softwaredesign sollten enthalten
sein.
■ Das System sollte einfach und schnell
zu benutzen sein
Die erste Anforderung stellt einen we-
sentlichen Unterschied zu Twitter dar. Es
wurde argumentiert, dass die so genann-
ten „Noise-Postings“, die für den Nutzer
nicht interessant sind, aber wegen ihrer
Vielzahl die wichtigen Nachrichten über-
decken, minimiert werden sollten. Eine
themenzentrierte Strukturierung wurde
weiterhin als Bedingung für eine effek-
tive Rechteverwaltung gesehen. Die zu-
grunde liegende Annahme war, dass eine
Person in unterschiedlichen Rollen wie
Projektmanager und CEO agiert. Es sollte
daher möglich sein, dass für Projekte re-
levante Nachrichten dieser Person nur
für die Mitarbeiter zugänglich sind, die
am gleichen Projekt beteiligt sind. Die
Möglichkeit, Rechteeinstellungen für jede
einzelne Nachricht einzurichten, wurde
aber zugunsten einfacherer Anwendbar-
keit zurückgewiesen. Die Lösung war
daher die Konzeptionierung von vielen
verschiedenen Microblogs, zu denen
einzelne Nutzer hinzugefügt werden
konnten. Dieser Ansatz wurde in einem
nicht funktionalen Prototyp der Benutzer-
schnittstelle realisiert.
In dieser frühen Phase des Projekts wur-
den ausgesuchte Berater hinzugezogen,
um den Prototyp einschließlich verschie-
dener Varianten für das Tagging zu tes-
ten. Das Ziel dieser Tests war es, heraus-
zufinden, ob die Bedienung intuitiv mög-
lich sein würde. Die Ergebnisse flossen in
die Überarbeitung des ersten Konzepts
ein. Nach der Planungsphase entschied
sich Communardo, einen Schritt weiter
zu gehen und mit der Realisierung des
Projektes zu beginnen. Parallel zur Ge-
staltung der Benutzeroberfläche fand die
technologische Planung statt. Die Pro-
jektgruppe behielt die iterative Vorge-
hensweise bei und gab schnellstmöglich
die daraus entstandene Lösung zur Nut-
zung frei.
4.3. Lösung
Das entstandene Software-Artefakt ist
ein browserbasiertes Microblogging-
System, das Web 2.0-typische Techno-
logie (d.h. Ajax) und Gestaltung (v.a.
Simplicity) verwendet. Communardo
entschied sich für den Namen „Commu-
note“ – einer Kombination aus dem Fir-
mennamen und dem englischen Wort für
„Notiz/Mitteilung“. Ein Screenshot der
Software vom Februar 2009 wird in Ab-
bildung 1 gezeigt.
Auf den ersten Blick sieht Communote
Twitter sehr ähnlich. Tatsächlich sind
auch die grundlegenden Elemente die
Gleichen: Der Nachrichtenstrom macht
den größten Teil des Systems aus und
eine Bedienkonsole mit Filter- und Na-
vigationsoptionen ist auf der rechten
Seite positioniert. Ein wesentlicher Un-
terschied ist das oben angebrachte Aus-
wahlmenü. Dieses Element wird verwen-
det, um im jeweils gewünschten Micro-
blog zu schreiben. Die erste Seite zeigt
alle Microblogbeiträge des Benutzers.
Um eine Nachricht zu schreiben, muss
der Benutzer entweder einen einzelnen
Microblog auswählen oder auf eine be-
reits existierende Nachricht antworten.
Im ersten Fall wird im Vergleich zu Twit-
ter ein zusätzlicher Mausklick benötigt,
im zweiten Fall ist kein zusätzlicher Auf-
wand nötig.
Die Steuerkonsole auf der rechten Seite
enthält eine dynamische Schlagwort-
wolke und zusätzliche Filtermöglichkei-
ten. Filter sind verfügbar für Schlagwör-
ter, freie Suche, Autoren, Microblogs und
Zeiträume und können auch frei kombi-
niert werden. Alle Filterkombinationen
sind auch per RSS-Feed verfügbar.
4.4. Einführung und Benutzung
Communote ist seit Ende September
2008 für jeden Mitarbeiter über seinen
vorhandenen LDAP-Login verfügbar. Das
Instrument wurde nicht beworben, auch
gab es keinerlei Training. Die Nutzung
begann bei der Projektgruppe selbst und
verbreitete sich dann viral durch das Un-
ternehmen.
Im Februar 2009 waren 57 Nutzer in
Communote registriert, was nahezu alle
internen und externen Mitarbeiter (z.B.
.
Abbildung 1: Screenshot von Communote.
Abbildung 1: Screenshot von Communote.
Page 4
278 60(2009)3, ??-??
Awareness 2.0
Studenten) der beteiligten Geschäfts-
bereiche umfasst. Sie hatten (seit Sep-
tember 2008) 109 Microblogs erstellt
und 3519 Nachrichten geschrieben. Ab-
bildung 2 zeigt die Nutzungshäufigkeit
des Systems: Die Mehrzahl der Nutzer
schreibt im Durchschnitt bis zu zehn
Nachrichten in der Woche. Wie sich in
den Interviews zeigte, lehnen diese Be-
nutzer Communote trotz ihrer noch rela-
tiv geringen Beteiligung nicht zwangläu-
fig ab. Die Aussage war vielmehr, dass
sie das Microblogging-System recht häu-
fig nutzten, sich jedoch zumeist passiv
verhalten und sich nicht aktiv mitteilen.
An dieser Stelle möchten wir die Arbeits-
weise und gleichzeitig das Potential des
Unternehmens-Microblogs anhand eines
Beispiels veranschaulichen:
Im Hinblick auf den unmittelbar bevor-
stehenden Start des Dienstes für unter-
nehmensfremde Kunden beauftragte der
Leiter des Projekts einen Anwalt mit der
Formulierung der Nutzungsbedingungen
und der Datenschutzrichtlinien. Er be-
dachte aber nicht, dass die zwei Doku-
mente auch auf Englisch verfügbar sein
sollten. Der Fehler wäre erst Tage später
bemerkt worden, nämlich dann, wenn die
Dokumente benötigt worden wären. Die
Benutzung von Microblogging führte hin-
gegen zu folgendem Dialog:
16:41, UserA (Projektleiter):
„Telefonat mit #Rechtsanwalt: […]
#Nutzungsbestimmungen (AGB),
#Datenschutzbestimmungen: Entwurf
bis Freitag, Absprache am Sonntag, Fein-
justierung Montag […]“
16:52, UserB (Teammitglied):
„@UserA macht das der #Rechtsanwalt
auch gleich in Deutsch und Englisch?“
Es gibt eine Reihe ähnlicher Anwen-
dungsbeispiele in der Microblogging-Nut-
zung bei Communardo. Gemein haben
sie häufig, dass der entscheidende Input
von Kollegen kommt, die normalerweise
im Falle von Email oder direkter Kommu-
nikation nicht zum Adressatenkreis ge-
zählt hätten. Im genannten Beispiel be-
trifft die Entscheidung über den Rechts-
anwalt das Management und nicht das
Entwicklungsteam.
Im Folgenden wollen wir einige der ge-
machten Erfahrungen aus der Entwick-
lung, Realisierung und dem Einsatz zu-
sammenfassen.
4.5. Lessons Learned
Das interne Microblogging-Werkzeug
Communote bildet nach wenigen Mona-
ten der Nutzung den zentralen Informa-
tions- und Kommunikationskanal inner-
halb des Unternehmens und hat sich in
der internen Kommunikation als effizi-
ente Alternative zu Email etabliert1.
Zudem wurde deutlich, dass die Nut-
zung von Microblogging dazu beiträgt,
Bewusstsein und Verständnis für Hand-
lungen und Absichten (Informelle Awa-
reness), Gedanken und Gefühle (Social
Awareness) sowie Rollen und Aufgaben
(Awareness über die Gruppenstruktur)
der anderen Mitarbeiter und damit auch
Awareness über den Arbeitsbereich aus-
zubilden.
Die Benutzung von Communote führt
dabei nicht zum Aussterben des infor-
mellen Smalltalks während der Kaffee-
pausen. Tatsächlich bereicherte es diese
Gespräche sogar, da sie nun häufig be-
ginnen mit: „Ich habe bei Communote
gelesen, dass du…“.
Ein Ergebnis des Projektes ist, dass Mi-
croblogging nicht geschult werden kann.
Jeder Nutzer muss selbst herausfinden
wie er das System verwenden will. Ent-
scheidend für den fortdauernden Einsatz
des Dienstes ist die intrinsische Motiva-
tion (Deci & Ryan 1985). Diese entsteht
nur, wenn der Nutzer von dessen Sinn
überzeugt ist. Early Adopter waren be-
sonders diejenigen Angestellten, die
bereits Erfahrungen mit Twitter hatten.
Andere Nutzer probierten das Werkzeug
aus und sammelten ihre Erfahrungen
„Tweet um Tweet“. In diesem Zusam-
menhang war es auch wichtig, dass die
Nutzer die Möglichkeit hatten, die Funk-
tionen informell zu testen. Dies trifft auch
auf Nebenfunktionen wie das Tagging
zu.
Eine weitere Erfahrung betrifft die Ak-
zeptanz von öffentlichen Internettechno-
logien. Bemerkenswerterweise kam zum
Vorschein, dass einige Nutzer, die bereits
Twitter benutzten, Schwierigkeiten mit
Communote hatten. Dies ergab sich aus
dem ungewohnten Konzept, in verschie-
denen Microblogs schreiben zu können,
ebenso wie dem neuartigen Umgang mit
der Rechteverwaltung. Diese Funktionen
unterschieden sich vom grundlegenden
Aussehen und Nutzungsgefühl bei Twit-
ter. Es war wichtig, diesen Nutzern klar
zu machen, dass Communote kein „Twit-
1 Aufgrund des internen Erfolgs des Werk-
zeugs bietet das Unternehmen Communote
seit Januar 2009 als SaaS- und Lizenz-Soft-
warelösung am Markt an (www.communote.
com).
ter für Unternehmen“ sein würde, son-
dern ein Enterprise Microblogging Sys-
tem. Dies veränderte ihre Erwartungen
gegenüber dem System und ließ sie das
Konzept verstehen.
5 Zusammenfassung und Ausblick
In dieser Arbeit haben wir den Fall von
Communardo präsentiert, einem Unter-
nehmen, das den Microblogging-Ansatz,
wie wir ihn von Twitter kennen, erwei-
tert hat. Wir haben Erfahrungen von den
Planungs-, Realisierungs- und Integra-
tionsphasen des Microblogging-Instru-
ments Communote beschrieben.
Um die Frage zu beantworten, ob das
daraus entstandene System mit seinen
Rechteverwaltungsfunktionen und sei-
nen vielzähligen, nicht-persönlichen
Microblogs überhaupt ein Microblog-
ging–Werkzeug ist, wäre es nötig, eine
Definition von Microblogging zu haben.
Existierende Definitionen bestehen je-
doch lediglich aus Beschreibungen der
Funktionen von Twitter (z.B. Krishna-
murthy et al. 2008; Java et al. 2007).
Aus unserer Sicht ist Communote ein-
deutig ein Microblogging-System. Ent-
sprechend dem linguistischen Ursprung
von „Microblogging“ bedeutet dies den
informellen Austausch von kurzen Blog-
artikeln und damit kleinen Informations-
schnipseln. Ähnliche Meinungen gibt es
auch in der Blogosphäre. Es wird sogar
bestritten, dass Twitter überhaupt ein
Microblogging-Dienst ist, weil ihm zen-
trale Blogging-Funktionen wie das Tag-
ging fehlen (Hodson 2008). Wenn man
dieser Argumentation folgt, kann Com-
munote eindeutig als Microblogging-
Werkzeug mit Unternehmensfunktionen
eingeordnet werden.
Um unser Verständnis von Enterprise Mi-
croblogging zu verdeutlichen, schlagen
wir folgende Definition vor:
„Enterprise Microblogging ist technolo-
gisch unterstützte, zwischenmensch-
liche Interaktion, in dem Informations-
schnipsel innerhalb eines abgetrennten
Informationsraumes (d.h. Unternehmen,
Abteilung, Projekt) genutzt werden, um
informelle, soziale, gruppenstrukturelle
und Arbeitsplatz-bezogene Awareness
zu schaffen.“
Enterprise Microblogging ist ein inter-
essantes Forschungsgebiet und wir er-
warten, dass in Kürze weitere Arbeiten
zu diesem Thema veröffentlicht werden.
Gegenwärtig haben wir die faszinierende
Gelegenheit, die zukünftige Entwicklung
des Microblogging im WWW und seine
Implikationen für die Nutzung in Unter-
nehmen im Auge zu behalten.
Abbildung 2: Postings/Woche der Microblog-
ging-Nutzer bei Communardo.
Abbildung 2: Postings/Woche der Microblogging-Nutzer bei Communardo.
Awareness 2.0
Studenten) der beteiligten Geschäfts-
bereiche umfasst. Sie hatten (seit Sep-
tember 2008) 109 Microblogs erstellt
und 3519 Nachrichten geschrieben. Ab-
bildung 2 zeigt die Nutzungshäufigkeit
des Systems: Die Mehrzahl der Nutzer
schreibt im Durchschnitt bis zu zehn
Nachrichten in der Woche. Wie sich in
den Interviews zeigte, lehnen diese Be-
nutzer Communote trotz ihrer noch rela-
tiv geringen Beteiligung nicht zwangläu-
fig ab. Die Aussage war vielmehr, dass
sie das Microblogging-System recht häu-
fig nutzten, sich jedoch zumeist passiv
verhalten und sich nicht aktiv mitteilen.
An dieser Stelle möchten wir die Arbeits-
weise und gleichzeitig das Potential des
Unternehmens-Microblogs anhand eines
Beispiels veranschaulichen:
Im Hinblick auf den unmittelbar bevor-
stehenden Start des Dienstes für unter-
nehmensfremde Kunden beauftragte der
Leiter des Projekts einen Anwalt mit der
Formulierung der Nutzungsbedingungen
und der Datenschutzrichtlinien. Er be-
dachte aber nicht, dass die zwei Doku-
mente auch auf Englisch verfügbar sein
sollten. Der Fehler wäre erst Tage später
bemerkt worden, nämlich dann, wenn die
Dokumente benötigt worden wären. Die
Benutzung von Microblogging führte hin-
gegen zu folgendem Dialog:
16:41, UserA (Projektleiter):
„Telefonat mit #Rechtsanwalt: […]
#Nutzungsbestimmungen (AGB),
#Datenschutzbestimmungen: Entwurf
bis Freitag, Absprache am Sonntag, Fein-
justierung Montag […]“
16:52, UserB (Teammitglied):
„@UserA macht das der #Rechtsanwalt
auch gleich in Deutsch und Englisch?“
Es gibt eine Reihe ähnlicher Anwen-
dungsbeispiele in der Microblogging-Nut-
zung bei Communardo. Gemein haben
sie häufig, dass der entscheidende Input
von Kollegen kommt, die normalerweise
im Falle von Email oder direkter Kommu-
nikation nicht zum Adressatenkreis ge-
zählt hätten. Im genannten Beispiel be-
trifft die Entscheidung über den Rechts-
anwalt das Management und nicht das
Entwicklungsteam.
Im Folgenden wollen wir einige der ge-
machten Erfahrungen aus der Entwick-
lung, Realisierung und dem Einsatz zu-
sammenfassen.
4.5. Lessons Learned
Das interne Microblogging-Werkzeug
Communote bildet nach wenigen Mona-
ten der Nutzung den zentralen Informa-
tions- und Kommunikationskanal inner-
halb des Unternehmens und hat sich in
der internen Kommunikation als effizi-
ente Alternative zu Email etabliert1.
Zudem wurde deutlich, dass die Nut-
zung von Microblogging dazu beiträgt,
Bewusstsein und Verständnis für Hand-
lungen und Absichten (Informelle Awa-
reness), Gedanken und Gefühle (Social
Awareness) sowie Rollen und Aufgaben
(Awareness über die Gruppenstruktur)
der anderen Mitarbeiter und damit auch
Awareness über den Arbeitsbereich aus-
zubilden.
Die Benutzung von Communote führt
dabei nicht zum Aussterben des infor-
mellen Smalltalks während der Kaffee-
pausen. Tatsächlich bereicherte es diese
Gespräche sogar, da sie nun häufig be-
ginnen mit: „Ich habe bei Communote
gelesen, dass du…“.
Ein Ergebnis des Projektes ist, dass Mi-
croblogging nicht geschult werden kann.
Jeder Nutzer muss selbst herausfinden
wie er das System verwenden will. Ent-
scheidend für den fortdauernden Einsatz
des Dienstes ist die intrinsische Motiva-
tion (Deci & Ryan 1985). Diese entsteht
nur, wenn der Nutzer von dessen Sinn
überzeugt ist. Early Adopter waren be-
sonders diejenigen Angestellten, die
bereits Erfahrungen mit Twitter hatten.
Andere Nutzer probierten das Werkzeug
aus und sammelten ihre Erfahrungen
„Tweet um Tweet“. In diesem Zusam-
menhang war es auch wichtig, dass die
Nutzer die Möglichkeit hatten, die Funk-
tionen informell zu testen. Dies trifft auch
auf Nebenfunktionen wie das Tagging
zu.
Eine weitere Erfahrung betrifft die Ak-
zeptanz von öffentlichen Internettechno-
logien. Bemerkenswerterweise kam zum
Vorschein, dass einige Nutzer, die bereits
Twitter benutzten, Schwierigkeiten mit
Communote hatten. Dies ergab sich aus
dem ungewohnten Konzept, in verschie-
denen Microblogs schreiben zu können,
ebenso wie dem neuartigen Umgang mit
der Rechteverwaltung. Diese Funktionen
unterschieden sich vom grundlegenden
Aussehen und Nutzungsgefühl bei Twit-
ter. Es war wichtig, diesen Nutzern klar
zu machen, dass Communote kein „Twit-
1 Aufgrund des internen Erfolgs des Werk-
zeugs bietet das Unternehmen Communote
seit Januar 2009 als SaaS- und Lizenz-Soft-
warelösung am Markt an (www.communote.
com).
ter für Unternehmen“ sein würde, son-
dern ein Enterprise Microblogging Sys-
tem. Dies veränderte ihre Erwartungen
gegenüber dem System und ließ sie das
Konzept verstehen.
5 Zusammenfassung und Ausblick
In dieser Arbeit haben wir den Fall von
Communardo präsentiert, einem Unter-
nehmen, das den Microblogging-Ansatz,
wie wir ihn von Twitter kennen, erwei-
tert hat. Wir haben Erfahrungen von den
Planungs-, Realisierungs- und Integra-
tionsphasen des Microblogging-Instru-
ments Communote beschrieben.
Um die Frage zu beantworten, ob das
daraus entstandene System mit seinen
Rechteverwaltungsfunktionen und sei-
nen vielzähligen, nicht-persönlichen
Microblogs überhaupt ein Microblog-
ging–Werkzeug ist, wäre es nötig, eine
Definition von Microblogging zu haben.
Existierende Definitionen bestehen je-
doch lediglich aus Beschreibungen der
Funktionen von Twitter (z.B. Krishna-
murthy et al. 2008; Java et al. 2007).
Aus unserer Sicht ist Communote ein-
deutig ein Microblogging-System. Ent-
sprechend dem linguistischen Ursprung
von „Microblogging“ bedeutet dies den
informellen Austausch von kurzen Blog-
artikeln und damit kleinen Informations-
schnipseln. Ähnliche Meinungen gibt es
auch in der Blogosphäre. Es wird sogar
bestritten, dass Twitter überhaupt ein
Microblogging-Dienst ist, weil ihm zen-
trale Blogging-Funktionen wie das Tag-
ging fehlen (Hodson 2008). Wenn man
dieser Argumentation folgt, kann Com-
munote eindeutig als Microblogging-
Werkzeug mit Unternehmensfunktionen
eingeordnet werden.
Um unser Verständnis von Enterprise Mi-
croblogging zu verdeutlichen, schlagen
wir folgende Definition vor:
„Enterprise Microblogging ist technolo-
gisch unterstützte, zwischenmensch-
liche Interaktion, in dem Informations-
schnipsel innerhalb eines abgetrennten
Informationsraumes (d.h. Unternehmen,
Abteilung, Projekt) genutzt werden, um
informelle, soziale, gruppenstrukturelle
und Arbeitsplatz-bezogene Awareness
zu schaffen.“
Enterprise Microblogging ist ein inter-
essantes Forschungsgebiet und wir er-
warten, dass in Kürze weitere Arbeiten
zu diesem Thema veröffentlicht werden.
Gegenwärtig haben wir die faszinierende
Gelegenheit, die zukünftige Entwicklung
des Microblogging im WWW und seine
Implikationen für die Nutzung in Unter-
nehmen im Auge zu behalten.
Abbildung 2: Postings/Woche der Microblog-
ging-Nutzer bei Communardo.
Abbildung 2: Postings/Woche der Microblogging-Nutzer bei Communardo.
Page 5
60(2009)3, ??-?? 279
Awareness 2.0
Literatur
Back, A., Gronau, N., Tochtermann, K. (2008). Web
2.0 in der Unternehmenspraxis. Grundlagen, Fall�
studien und Trends zum Einsatz von Social Soft�
ware. München: Oldenburg Wissenschaftsverlag.
Barkhuus, L., Brown, B., Bell, M., Sherwood, S., Hall,
M., Chalmers, M. (2008). From awareness to repar�
tee: sharing location within social groups. In: CHI
‚08: Proceeding of the twenty�sixth annual SIGCHI
conference on Human factors in computing sys�
tems, 497�506.
Barnes, S.J., Böhringer, M. (2009). Continuance
Usage Intention in Microblogging Services: The Case
of Twitter. In: Proceedings of the 17th European Con�
ference on Information Systems (ECIS).
Böhringer, M., Röhrborn, D. (2008). Awareness
durch Microinformationen: Anwendungsvorteile
von Social Software in der informellen Projektkom�
munikation am Beispiel des Projekt�Microblogs
ProMIC. In: Proceedings of GeNeMe 2008 � Virtuelle
Organisation und Neue Medien, 161�176.
Deci, E., & Ryan, R. (1985). Intrinsic motivation and
self�determination in human behavior. New York:
Plenum.
Dourish, P.; Bellotti, V. (1992). Awareness and Coor�
dination in Shared Workspaces. In: Proceedings of
CSCW 1992, 107�114.
Ebner, M., Schiefner, M. (2008). Microblogging –
more than fun? In: Proceedings of IADIS Mobile
Learning Conference 2008, 155�159.
Erickson, I. (2008). The Translucence of Twitter. In:
EPIC 2008, Ethnographic Praxis in Industry Confe�
rence, 58�72.
Flyvbjerg, B. (2006). Five Misunderstandings About
Case�Study Research. In: Qualitative Inquiry, 12(2),
219�245.
Gaonkar, S., Li, J., Choudhury, R.R., Cox, L., Schmidt,
A. (2008). Micro�Blog: sharing and querying content
through mobile phones and social participation. In:
MobiSys ‚08: Proceeding of the 6th inter�national
conference on Mobile systems, applications, and
services, 174�186.
Gartner. (2008). Gartner Highlights 27 Technolo�
gies in the 2008 Hype Cycle for Emerging Techno�
logies. www.gartner.com/it/page.jsp?id=739613
[13.3.2009].
Gutwin, C., Greenberg, S., Roseman, M. (1996).
Workspace Awareness in Real�Time Distributed
Groupware: Framework, Widgets, and Evaluation.
In: Proceeding of HCI 1996, 281–298.
Hodson, S. (2008). Twitter is Not a Micro�Blogging
Tool. http://mashable.com/2008/07/18/twitter�
not�a�microblogging�tool/ [12.3.2009].
Huberman, B.A., Romero, D.M., Wu, F. (2009). Social
networks that matter: Twitter under the micro�
scope. In: First Monday, 14(1).
Java, A., Song, X., Finin, T., Tseng, B. (2007). Why we
twitter: understanding microblogging usage and
communities. In: Proceedings of the 9th WebKDD
and 1st SNA�KDD 2007 workshop on Web mining
and social network analysis, 56�65.
Kazeniac, A. (2009). Social Networks: Facebook
Takes Over Top Spot, Twitter Climbs. compete.com,
http://blog.compete.com/2009/02/09/facebook�
myspace�twitter�social�network/ [12.3.2009].
Koch, M., Richter, A. (2008). Enterprise 2.0 � Planung,
Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social
Software in Unternehmen. München: Oldenburg
Wissenschaftsverlag.
Krishnamurthy, B., Gill, P., Arlitt, M. (2008). A few
chirps about twitter. In: WOSP ‚08: Proceedings of
the first workshop on Online social networks, 19�24.
Meerman Scott, David (2008). Ten marketing les�
sons from the Barack Obama Presidential campaign.
WebInkNow Weblog, 6.11.2008, www.webinknow.
com/2008/11/ten�marketing�lessons�from�the�
barack�obama�presidential�campaign.html (Zugriff
Mai 2009).
McAfee, A. (2006). Enterprise 2.0 – The Dawn of
Emergent Collaboration. In: MIT Sloan Management
Review, 47 (3), pp. 21�28.
O’Reilly, T. (2005). What is Web 2.0 � Design Pat�
terns and Business Models for the Next Generation
of Software. www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/
tim/news/2005/09/30/what�is�web�20.html
[12.3.2009].
Passant, A., Hastrup, T., Bojars, U., Breslin, J. (2008).
Microblogging: A Semantic Web and Distributed
Approach. In: Proceedings of the 4th Workshop on
Scripting for the Semantic Web, CEUR Workshop
Proceedings, CEUR�WS.org/Vol�368/paper11.pdf.
Pistachio Consulting (2008). Enterprise Microsha�
ring Tools Comparison. http://pistachioconsulting.
com/enterprise�microsharing�apps�read�all�about�
em/ [12.3.2009].
Richter, A., Koch, M. (2009). Zum Einsatz von Social
Networking Services im Unternehmen. In: Procceed�
ings of 9th International Conference Wirtschaftsin�
formatik, Vienna, 851�860.
Schroer, J., Hertel, G. (2009). Voluntary engagement
in an open web�based encyclopedia: Wikipedians,
and why they do it. (in press) Media Psychology.
Skiba, D.J. (2008). Nursing Education 2.0: Twitter &
Tweets. In: Nursing Education Perspectives, 29(2),
110�112.
Ullrich, C., Borau, K., Luo, H., Tan, X., Shen, L., Shen,
R. (2008). Why web 2.0 is good for learning and for
research: principles and prototypes. In: WWW ‚08:
Proceeding of the 17th international conference on
World Wide Web, 705�714.
Yin, R. K. (2003). Case study research � design and
methods. London, New Delhi: Thousand Oaks, Sage
Publications.
Dipl.-Wirt.-Inf. Martin Böhringer
ist Martin Böhringer
ist seit 2009
Doktorand an der
Professur für
System entwicklung/
Anwendungssysteme
der TU Chemnitz.
Zuvor forschte er als
eingeladener Gastwissenschaftler an
der Norwich Business School und war
für eine Vielzahl von Unternehmen der
IT-Branche tätig, darunter IBM und
Siemens. Der Schwerpunkt seiner
Forschungsarbeit liegt in der
effektiven Gestaltung des
Lebenszyklus dynamischer
Informationen.
martin.boehringer@wirtschaft.tu-
chemnitz.de
Dipl.-Kaufmann Alexander Richter
ist seit Dezember
2006 wissenschaft-
licher Mitarbeiter in
der Forschungs-
gruppe Koopera-
tionssysteme an
der Universität der
Bundeswehr Mün-
chen. Im Rahmen seiner Dissertation
beschäftigt er sich mit den Heraus-
forderungen des Einsatzes von Social
Networking Services im Unterneh-
menskontext.
a.richter@unibw.de
Prof. Dr. Michael Koch
lehrt Informatik
an der Universität
der Bundeswehr
München, wo er die
Forschungsgruppe
Kooperationssys-
teme leitet. Seine
Schwerpunkte in
Forschung und Lehre liegen in der in-
terdisziplinären und praxisorientierten
Unterstützung von Zusammenarbeit in
Teams, Communities und Netzwerken
und dabei speziell in Aspekten der
Anforderungsanalyse und Einführung,
der Softwarearchitektur sowie ubiqui-
tärer Benutzungsschnittstellen.
m.koch@unibw.de
D i e Au toren
Betrieb, Kommunikation, Rech-
nernetz, Nutzung, empirische Un-
tersuchung, System, Communote,
Definition, Twitter, Blog
Awareness 2.0
Literatur
Back, A., Gronau, N., Tochtermann, K. (2008). Web
2.0 in der Unternehmenspraxis. Grundlagen, Fall�
studien und Trends zum Einsatz von Social Soft�
ware. München: Oldenburg Wissenschaftsverlag.
Barkhuus, L., Brown, B., Bell, M., Sherwood, S., Hall,
M., Chalmers, M. (2008). From awareness to repar�
tee: sharing location within social groups. In: CHI
‚08: Proceeding of the twenty�sixth annual SIGCHI
conference on Human factors in computing sys�
tems, 497�506.
Barnes, S.J., Böhringer, M. (2009). Continuance
Usage Intention in Microblogging Services: The Case
of Twitter. In: Proceedings of the 17th European Con�
ference on Information Systems (ECIS).
Böhringer, M., Röhrborn, D. (2008). Awareness
durch Microinformationen: Anwendungsvorteile
von Social Software in der informellen Projektkom�
munikation am Beispiel des Projekt�Microblogs
ProMIC. In: Proceedings of GeNeMe 2008 � Virtuelle
Organisation und Neue Medien, 161�176.
Deci, E., & Ryan, R. (1985). Intrinsic motivation and
self�determination in human behavior. New York:
Plenum.
Dourish, P.; Bellotti, V. (1992). Awareness and Coor�
dination in Shared Workspaces. In: Proceedings of
CSCW 1992, 107�114.
Ebner, M., Schiefner, M. (2008). Microblogging –
more than fun? In: Proceedings of IADIS Mobile
Learning Conference 2008, 155�159.
Erickson, I. (2008). The Translucence of Twitter. In:
EPIC 2008, Ethnographic Praxis in Industry Confe�
rence, 58�72.
Flyvbjerg, B. (2006). Five Misunderstandings About
Case�Study Research. In: Qualitative Inquiry, 12(2),
219�245.
Gaonkar, S., Li, J., Choudhury, R.R., Cox, L., Schmidt,
A. (2008). Micro�Blog: sharing and querying content
through mobile phones and social participation. In:
MobiSys ‚08: Proceeding of the 6th inter�national
conference on Mobile systems, applications, and
services, 174�186.
Gartner. (2008). Gartner Highlights 27 Technolo�
gies in the 2008 Hype Cycle for Emerging Techno�
logies. www.gartner.com/it/page.jsp?id=739613
[13.3.2009].
Gutwin, C., Greenberg, S., Roseman, M. (1996).
Workspace Awareness in Real�Time Distributed
Groupware: Framework, Widgets, and Evaluation.
In: Proceeding of HCI 1996, 281–298.
Hodson, S. (2008). Twitter is Not a Micro�Blogging
Tool. http://mashable.com/2008/07/18/twitter�
not�a�microblogging�tool/ [12.3.2009].
Huberman, B.A., Romero, D.M., Wu, F. (2009). Social
networks that matter: Twitter under the micro�
scope. In: First Monday, 14(1).
Java, A., Song, X., Finin, T., Tseng, B. (2007). Why we
twitter: understanding microblogging usage and
communities. In: Proceedings of the 9th WebKDD
and 1st SNA�KDD 2007 workshop on Web mining
and social network analysis, 56�65.
Kazeniac, A. (2009). Social Networks: Facebook
Takes Over Top Spot, Twitter Climbs. compete.com,
http://blog.compete.com/2009/02/09/facebook�
myspace�twitter�social�network/ [12.3.2009].
Koch, M., Richter, A. (2008). Enterprise 2.0 � Planung,
Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social
Software in Unternehmen. München: Oldenburg
Wissenschaftsverlag.
Krishnamurthy, B., Gill, P., Arlitt, M. (2008). A few
chirps about twitter. In: WOSP ‚08: Proceedings of
the first workshop on Online social networks, 19�24.
Meerman Scott, David (2008). Ten marketing les�
sons from the Barack Obama Presidential campaign.
WebInkNow Weblog, 6.11.2008, www.webinknow.
com/2008/11/ten�marketing�lessons�from�the�
barack�obama�presidential�campaign.html (Zugriff
Mai 2009).
McAfee, A. (2006). Enterprise 2.0 – The Dawn of
Emergent Collaboration. In: MIT Sloan Management
Review, 47 (3), pp. 21�28.
O’Reilly, T. (2005). What is Web 2.0 � Design Pat�
terns and Business Models for the Next Generation
of Software. www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/
tim/news/2005/09/30/what�is�web�20.html
[12.3.2009].
Passant, A., Hastrup, T., Bojars, U., Breslin, J. (2008).
Microblogging: A Semantic Web and Distributed
Approach. In: Proceedings of the 4th Workshop on
Scripting for the Semantic Web, CEUR Workshop
Proceedings, CEUR�WS.org/Vol�368/paper11.pdf.
Pistachio Consulting (2008). Enterprise Microsha�
ring Tools Comparison. http://pistachioconsulting.
com/enterprise�microsharing�apps�read�all�about�
em/ [12.3.2009].
Richter, A., Koch, M. (2009). Zum Einsatz von Social
Networking Services im Unternehmen. In: Procceed�
ings of 9th International Conference Wirtschaftsin�
formatik, Vienna, 851�860.
Schroer, J., Hertel, G. (2009). Voluntary engagement
in an open web�based encyclopedia: Wikipedians,
and why they do it. (in press) Media Psychology.
Skiba, D.J. (2008). Nursing Education 2.0: Twitter &
Tweets. In: Nursing Education Perspectives, 29(2),
110�112.
Ullrich, C., Borau, K., Luo, H., Tan, X., Shen, L., Shen,
R. (2008). Why web 2.0 is good for learning and for
research: principles and prototypes. In: WWW ‚08:
Proceeding of the 17th international conference on
World Wide Web, 705�714.
Yin, R. K. (2003). Case study research � design and
methods. London, New Delhi: Thousand Oaks, Sage
Publications.
Dipl.-Wirt.-Inf. Martin Böhringer
ist Martin Böhringer
ist seit 2009
Doktorand an der
Professur für
System entwicklung/
Anwendungssysteme
der TU Chemnitz.
Zuvor forschte er als
eingeladener Gastwissenschaftler an
der Norwich Business School und war
für eine Vielzahl von Unternehmen der
IT-Branche tätig, darunter IBM und
Siemens. Der Schwerpunkt seiner
Forschungsarbeit liegt in der
effektiven Gestaltung des
Lebenszyklus dynamischer
Informationen.
martin.boehringer@wirtschaft.tu-
chemnitz.de
Dipl.-Kaufmann Alexander Richter
ist seit Dezember
2006 wissenschaft-
licher Mitarbeiter in
der Forschungs-
gruppe Koopera-
tionssysteme an
der Universität der
Bundeswehr Mün-
chen. Im Rahmen seiner Dissertation
beschäftigt er sich mit den Heraus-
forderungen des Einsatzes von Social
Networking Services im Unterneh-
menskontext.
a.richter@unibw.de
Prof. Dr. Michael Koch
lehrt Informatik
an der Universität
der Bundeswehr
München, wo er die
Forschungsgruppe
Kooperationssys-
teme leitet. Seine
Schwerpunkte in
Forschung und Lehre liegen in der in-
terdisziplinären und praxisorientierten
Unterstützung von Zusammenarbeit in
Teams, Communities und Netzwerken
und dabei speziell in Aspekten der
Anforderungsanalyse und Einführung,
der Softwarearchitektur sowie ubiqui-
tärer Benutzungsschnittstellen.
m.koch@unibw.de
D i e Au toren
Betrieb, Kommunikation, Rech-
nernetz, Nutzung, empirische Un-
tersuchung, System, Communote,
Definition, Twitter, Blog
Sign up today - FREE
Mendeley saves you time finding and organizing research. Learn more
- All your research in one place
- Add and import papers easily
- Access it anywhere, anytime
Start using Mendeley in seconds!
Readership Statistics
14 Readers on Mendeley
by Discipline
14% Economics
by Academic Status
43% Ph.D. Student
29% Student (Bachelor)
14% Student (Master)
by Country
86% Germany



