Sign up & Download
Sign in

Das Geheimnis des Schlafs Das Geheimnis des Schlafs

by Alexander Borbély
Dt TaschenbuchVerl (1998)

Cite this document (BETA)

Available from scholar.google.com
Page 47
hidden

Das Geheimnis des Schlafs Das Geheimnis des Schlafs

Schlafmittel der Benzodiazepinklasse
Internationaler Name Markenname Halbwertszeit
Flurazepam Dalmadorm
Dalmane 3 Tage
Flunitrazepam Rohypnol 1 Tag
Nitrazepam Mogadon
Mogadan 1 Tag
Lormetazepam Noctamid 1/2 Tag
Triazolam Halcion 2-3 Stunden
Midazolam Dormicum 2-3 Stunden
Anmerkung: Mit der Halbwertszeit ist die sogenannte Eliminations-Halbwertszeit des Medikaments oder
seines, als Schlafmittel wirksamen, Abbauproduktes gemeint.


| Vorw rts | Zur ck | Kapitelanfang |
Wirknachweis von Schlafmitteln

Die meisten in den Apotheken erh ltlichen Schlafmittel sind erwiesenerma en wirksam. Fr her war man
bei der Beurteilung der Wirkung ausschlie lich auf das Urteil der ˜rzte und Patienten angewiesen. Heute
werden alle neuen Mittel strengen wissenschaftlichen Testverfahren unterzogen, um Wirkungen und
Nebenwirkungen zu berpr fen. Das ist erforderlich, da es keineswegs selbstverst ndlich ist, da ein als
Schlafmittel bezeichnetes Medikament tats chlich eine pharmakologische Wirkung aus bt. So wei man
schon lange, da gewisse schlafgest rte Patienten auch auf ein Placebo (d. h. ein Scheinpr parat, das
keinerlei Wirkstoff enth lt) ansprechen. Die Erwartung der schlaff rdernden Wirkung einer Kapsel reicht
bereits aus, um den Schlaf herbeizuf hren. Um dem Rechnung zu tragen, wird daher gew hnlich ein
Schlafmittel in einem sogenannten Doppelblind-Verfahren mit einem Placebo-Pr parat verglichen. Das
bedeutet, da neben der Pr fsubstanz in einer unvorhersehbaren Abfolge auch das genau gleich
aussehende Placebo-Pr parat verabreicht wird. Weder Versuchsperson noch Versuchsleiter wissen bis
zum Abschlu der Untersuchung Bescheid, welches Mittel wann zur Anwendung kommt. Stellt man bei
dieser Versuchsanordnung einen Unterschied zwischen Placebo und Pharmakon fest, so kann man mit
Gewi heit den Schlu ziehen, da dieser der pharmakologischen Wirkung des Mittels zuzuschreiben ist.

Wie wird die Wirksamkeit eines Schlafmittels im konkreten Fall berpr ft? Hier kann man sowohl die
Selbstbeurteilung durch die Versuchsperson oder durch den Patienten in Betracht ziehen als auch den
Schlafvorgang mit Me methoden registrieren. Das erstgenannte Verfahren soll durch die 10-cm-
Selbstbeurteilungsskalen illustriert werden (Abbildung 5.2). Am Morgen nach dem Erwachen wird der
Proband aufgefordert, seinen Schlaf auf einer Skala einzustufen, deren Endpunkte als » ruhig - unruhig«,
»tief - oberfl chlich « oder » sehr erholsam - wenig erholsam« bezeichnet sind. Durch eine Markierung
gibt die Versuchsperson an, in welcher Richtung der Schlaf nach Einnahme des Mittels vom blichen
Das Geheimnis des Schlafs - Kapitel 5
http://www.unizh.ch/phar/sleep/buch/KAP5.htm (4 of 10) [6/28/2000 3:51:34 PM]
Page 105
hidden
Tagen erfolgen Schlafengehen und Erwachen jeweils eine Stunde sp ter als am Vortag. Der »subjektive«
Tag der Versuchsperson betr gt demnach nicht wie gew hnlich 24, sondern 25 Stunden. Am dreizehnten
Tag ohne Zeitinformation (Versuchstag 16) geht die Versuchsperson anstatt um 23.00 Uhr um 10.40 Uhr
vormittags zu Bett und steht abends um 19.00 Uhr auf. Die Phase ihres Schlaf-Wach-Rhythmus hat sich
nun um genau 12 Stunden verschoben. W rden wir diesen Versuch weiterf hren, so m ten wir nach 25
Tagen feststellen, da erst 24 subjektive Tage vergangen w ren. Die in »zeitfreier« Umgebung lebende
Versuchsperson w re nach ihrer eigenen Zeitmessung 24 statt 25 Tage lter geworden, h tte also 1 Tag
gewonnen!

W rden wir diesen Versuch ber mehrere Wochen fortsetzen, w rde sich die Wachzeit pl tzlich von 17
auf nahezu 34 Stunden verl ngern, die Schlafzeit von etwas mehr als 8 Stunden auf fast 17 Stunden! Mit
anderen Worten: Die Versuchsperson w rde von ihrem 25-Stunden-Tag auf einen 50- Stunden-Tag
berwechseln, ohne diese drastische Ver nderung des Schlaf-Wach-Rhythmus wahrzunehmen. Am Ende
des Versuches l ge dann die Zahl der von der Versuchsperson gez hlten, subjektiven Tage weit unter der
Zahl der tats chlich vergangenen Tage.

Unabh ngig davon, ob der subjektive Tag 25 oder 50 Stunden betr gt, ver ndert sich das Verh ltnis von
Schlaf- zu Wachzeit gew hnlich kaum. In unserem Beispiel verbringt die Versuchsperson, wie unter
normalen Bedingungen auch w hrend der Versuchsperiode ohne Uhr ein Drittel ihrer Zeit im Schlaf. Bei
einem Kurzschl fer w re demnach auch unter »zeitfreien« Bedingungen das Verh ltnis von Schlafzeit zu
Wachzeit klein, obwohl sich seine absolute Schlafdauer verl ngert h tte.

Untersucht man unter diesen Bedingungen die Verteilung der Schlafstadien, so beobachtet man typische
Ver nderungen: W hrend normalerweise die Dauer der REM-Schlaf-Episoden von Zyklus zu Zyklus
zunimmt (Kapitel 2), ist dies im Bunker nicht mehr der Fall. Die erste REM-Schlaf- Episode tritt jetzt
kurz nach dem Einschlafen auf - das hei t: die REM-Schlaf-Latenz ist kurz, und die Episodendauer ist
vergleichbar mit jener der nachfolgenden Episoden. Der REM-Schlaf-Anteil am Gesamtschlaf bleibt
indessen unver ndert. Im Gegensatz zum REM-Schlaf sind der Zeitverlauf und die Menge des
Tiefschlafes durch die Isolation kaum beeinflu t.

Auf der bereits besprochenen schematischen Abbildung ist ein F nfundzwanzig-Stunden-Schlaf-
Wach-Rhythmus dargestellt. Diese Periodik wurde f r die Darstellung gew hlt, da die Periode des
K rpertemperatur-Rhythmus, die Wever in seinen Isolationsexperimenten festgestellt hat, im Mittel 25
Stunden betr gt. Je nach Individuum variiert dieser Wert und kann bei der einen Person nur 24,7, bei
einer anderen 25,2 Stunden betragen. Wichtiger als die genaue Periodenl nge ist indessen die
Beobachtung, da jeder Mensch seinen Rhythmus ber l ngere Zeit erstaunlich exakt beibeh lt. Da die in
dieser Situation beobachteten biologischen Rhythmen offensichtlich vom 24-Stunden- Rhythmus der
Erdumdrehung verschieden sind, scheint es unwahrscheinlich, da sie durch einen verborgenen Einflu
der Umwelt zustandekommen. Eine im Organismus selbst vorhandene »innere Uhr« mu also f r ihr
Entstehen verantwortlich sein.

Abb. 11.2: Die »innere Uhr« steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Schematische Darstellung eines
Isolationsversuches im Bunker. W hrend der ersten 3 Tage mit Uhr schl ft die Versuchsperson von 23
Uhr bis 7 Uhr. W hrend der folgenden 12 Tage ohne Uhr verschiebt sich die Zeit des Zubettgehens jeden
Tag um eine Stunde. Die »innere Uhr« des Menschen l uft mit einer Periodik von etwa 25 Stunden. (35k
Das Geheimnis des Schlafs - Kapitel 11
http://www.unizh.ch/phar/sleep/buch/KAP11.htm (4 of 12) [6/28/2000 3:51:39 PM]

Sign up today - FREE

Mendeley saves you time finding and organizing research. Learn more

  • All your research in one place
  • Add and import papers easily
  • Access it anywhere, anytime

Start using Mendeley in seconds!

Already have an account? Sign in

Readership Statistics

9 Readers on Mendeley
by Discipline
 
 
 
by Academic Status
 
33% Post Doc
 
22% Student (Master)
 
11% Senior Lecturer
by Country
 
56% Germany
 
11% Switzerland
 
11% Canada