'What are you doing' im Elfenbeinturm? - Microblogging im universitären Einsatz
Tagungsband der Multikonferenz Wirtschaftsinformatik MKWI (2010)
- ISBN: 9783941875319
Available from webdoc.sub.gwdg.de
or
Available from webdoc.sub.gwdg.de
Page 1
'What are you doing' im Elfenbeinturm? - Microblogging im universitären Einsatz
MKWI 2010 – E-Learning, M-Learning und Wissensmanagement (ELMW)
1485
‘What are you doing‘ im Elfenbeinturm? -
Microblogging im universitären Einsatz
Erfahrungen aus zwei Pilotprojekten
Lutz Gerlach1,2, Stefan Hauptman1,2, Martin Böhringer3
1Lehrstuhl für Organisation und Arbeitswissenschaften,
Technische Universität Chemnitz
2cm|d – corporate mind development, Chemnitz
3Professur für Wirtschaftsinformatik II,
Technische Universität Chemnitz
1 Einleitung
Der Microblogging-Dienst Twitter gehört zu den Web 2.0-Anwendungen mit den
höchsten Wachstumsraten, in jüngster Zeit auch in Deutschland. Im Kontext der
Freizeitbeschäftigung entstanden und groß geworden, wird Twitter bzw. das Prin-
zip des Microblogging vermehrt auch für die professionelle Nutzung im Rahmen
des Wissensmanagements und der organisationsinternen Kommunikation interes-
sant. Auf Seiten von Pilotanwendern in Organisationen entstehen derzeit wichtige
Erfahrungen zum Design, zur Implementierung und Nutzung von professionellen
Microblogging-Systemen. Der vorliegende Beitrag dokumentiert die Erfahrungen
aus zwei Pilotprojekten zu Microblogging im akademischen Kontext.
Der erste Fall beschreibt drei eng miteinander verzahnte Forschergruppen, die
mit Microblogging einen Kontext von Anwesenheit generieren. In diesem Kontext
sollen wichtige Wissensverteilungsmechanismen wie Ganggespräche, Kaffeepausen
etc. ins Virtuelle verlagert werden.
Beim zweiten Projekt handelt es sich um die Koordination des akademischen
Alltags am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II an der TU Chemnitz. Microb-
logging dient hierbei zur Koordination von studentischen Projekten und zur
Kommunikation zwischen den Mitarbeitern des Lehrstuhls und den Studierenden.
1485
‘What are you doing‘ im Elfenbeinturm? -
Microblogging im universitären Einsatz
Erfahrungen aus zwei Pilotprojekten
Lutz Gerlach1,2, Stefan Hauptman1,2, Martin Böhringer3
1Lehrstuhl für Organisation und Arbeitswissenschaften,
Technische Universität Chemnitz
2cm|d – corporate mind development, Chemnitz
3Professur für Wirtschaftsinformatik II,
Technische Universität Chemnitz
1 Einleitung
Der Microblogging-Dienst Twitter gehört zu den Web 2.0-Anwendungen mit den
höchsten Wachstumsraten, in jüngster Zeit auch in Deutschland. Im Kontext der
Freizeitbeschäftigung entstanden und groß geworden, wird Twitter bzw. das Prin-
zip des Microblogging vermehrt auch für die professionelle Nutzung im Rahmen
des Wissensmanagements und der organisationsinternen Kommunikation interes-
sant. Auf Seiten von Pilotanwendern in Organisationen entstehen derzeit wichtige
Erfahrungen zum Design, zur Implementierung und Nutzung von professionellen
Microblogging-Systemen. Der vorliegende Beitrag dokumentiert die Erfahrungen
aus zwei Pilotprojekten zu Microblogging im akademischen Kontext.
Der erste Fall beschreibt drei eng miteinander verzahnte Forschergruppen, die
mit Microblogging einen Kontext von Anwesenheit generieren. In diesem Kontext
sollen wichtige Wissensverteilungsmechanismen wie Ganggespräche, Kaffeepausen
etc. ins Virtuelle verlagert werden.
Beim zweiten Projekt handelt es sich um die Koordination des akademischen
Alltags am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II an der TU Chemnitz. Microb-
logging dient hierbei zur Koordination von studentischen Projekten und zur
Kommunikation zwischen den Mitarbeitern des Lehrstuhls und den Studierenden.
Page 2
Lutz Gerlach, Stefan Hauptmann, Martin Böhringer
1486
Zunächst erläutern wir im Folgenden einige Grundprinzipien von Microblog-ging.
Ausgehend von diesen Prinzipien lässt sich anhand der beiden Fallbeispiele die
Effizienz dieser neuartigen Kommunikationsform zeigen, in welcher sich die Sen-
der-Empfänger-Relation als Many to Many beschreiben lässt.
2 Professionelles Microblogging
Im Umfeld des Web 2.0 galt der Microblog-Service Twitter seit seiner Gründung
2006 vor allem als Instrument zur Selbstdarstellung. Das große Potenzial des
„Zwitscherns“ für professionelle Nutzer wurde entsprechend anfangs kaum wahr-
genommen. Diese Sicht auf Microblogging hat sich zwischenzeitlich gravierend
verändert.
Zur Nutzung von Twitter existiert eine steigende Zahl von Forschungsarbeiten
(u. a. Java et al. 2007, Huberman et al. 2009, Krishnamurthy et al. 2009). Eine be-
deutende Erkenntnis ist, dass die initiale Twitter-Frage “Was tust du gerade?“ heu-
te von den Nutzern des Dienstes umgedeutet und stark erweitert wird. So können
neben der simplen Kommunikation von Statusmeldungen auch Koordinations-
und Kooperationsprozesse beobachtet werden (Barnes und Böhringer 2009). Ge-
rade in Arbeitskontexten hat Microblogging damit eine gänzlich andere, nicht
plauderhafte, sondern für das Wissensmanagement besonders relevante Bedeutung
(Böhringer 2009). Folgerichtig ist Microblogging gegenwärtig ein wesentlicher
Diskussionsgegenstand beim Thema Enterprise 2.0.
Microblogging kann als wirkungsvolles Instrument betrachtet werden, eine
‚unwahrscheinliche Kommunikation‘ in wahrscheinliche Kommunikation zu trans-
formieren – um es mit den Worten des Soziologen Niklas Luhmann auszudrücken.
Im Sinne von Luhmanns drei Dimensionen der Unwahrscheinlichkeit von Kommunika-
tion – a) Adressat muss erreicht werden, b) Mitteilung muss verstanden werden, c)
Kommunikation muss angenommen werden (Luhmann 1981; expliziert in Haupt-
mann 2009) – ist die sog. Long Tail (Anderson 2007) beim Microblogging sehr
ausgeprägt. Daraus resultiert in einem hinreichend großen Microblogging-
Netzwerk eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass jede gesendete Statusmeldung auch
ihren Abnehmer findet, einen Rezipienten also, für den die Statusmeldung einen
Informationswert hat. Hinzu kommt, dass in Folge der dieser Kommunikations-
form innewohnenden Unverbindlichkeit der Kommunikation die Hürde, über-
haupt eine Statusmeldung abgeben zu wollen, sehr niedrig ist.
Woraus bestehen nun Statusmeldungen in Microblogging-Systemen? Böhrin-
ger und Röhrborn (2008) diskutieren das Prinzip der „Awareness“ als Erklärungs-
modell. Microblogging-Systeme in wissensteilenden Organisationskulturen schaf-
fen demnach „informelle Awareness“, „soziale Awareness“, „Gruppenstruktur-
Awareness“ und „Arbeitsbereich-Awareness“ (Gutwin et al. 1996). Die Pflege der
beiden erstgenannten Bereiche stärkt die Kultur von Wissensteilung und Kollabo-
ration. Der dritte und vierte Wahrnehmungsbereich tangiert den eigentlichen
1486
Zunächst erläutern wir im Folgenden einige Grundprinzipien von Microblog-ging.
Ausgehend von diesen Prinzipien lässt sich anhand der beiden Fallbeispiele die
Effizienz dieser neuartigen Kommunikationsform zeigen, in welcher sich die Sen-
der-Empfänger-Relation als Many to Many beschreiben lässt.
2 Professionelles Microblogging
Im Umfeld des Web 2.0 galt der Microblog-Service Twitter seit seiner Gründung
2006 vor allem als Instrument zur Selbstdarstellung. Das große Potenzial des
„Zwitscherns“ für professionelle Nutzer wurde entsprechend anfangs kaum wahr-
genommen. Diese Sicht auf Microblogging hat sich zwischenzeitlich gravierend
verändert.
Zur Nutzung von Twitter existiert eine steigende Zahl von Forschungsarbeiten
(u. a. Java et al. 2007, Huberman et al. 2009, Krishnamurthy et al. 2009). Eine be-
deutende Erkenntnis ist, dass die initiale Twitter-Frage “Was tust du gerade?“ heu-
te von den Nutzern des Dienstes umgedeutet und stark erweitert wird. So können
neben der simplen Kommunikation von Statusmeldungen auch Koordinations-
und Kooperationsprozesse beobachtet werden (Barnes und Böhringer 2009). Ge-
rade in Arbeitskontexten hat Microblogging damit eine gänzlich andere, nicht
plauderhafte, sondern für das Wissensmanagement besonders relevante Bedeutung
(Böhringer 2009). Folgerichtig ist Microblogging gegenwärtig ein wesentlicher
Diskussionsgegenstand beim Thema Enterprise 2.0.
Microblogging kann als wirkungsvolles Instrument betrachtet werden, eine
‚unwahrscheinliche Kommunikation‘ in wahrscheinliche Kommunikation zu trans-
formieren – um es mit den Worten des Soziologen Niklas Luhmann auszudrücken.
Im Sinne von Luhmanns drei Dimensionen der Unwahrscheinlichkeit von Kommunika-
tion – a) Adressat muss erreicht werden, b) Mitteilung muss verstanden werden, c)
Kommunikation muss angenommen werden (Luhmann 1981; expliziert in Haupt-
mann 2009) – ist die sog. Long Tail (Anderson 2007) beim Microblogging sehr
ausgeprägt. Daraus resultiert in einem hinreichend großen Microblogging-
Netzwerk eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass jede gesendete Statusmeldung auch
ihren Abnehmer findet, einen Rezipienten also, für den die Statusmeldung einen
Informationswert hat. Hinzu kommt, dass in Folge der dieser Kommunikations-
form innewohnenden Unverbindlichkeit der Kommunikation die Hürde, über-
haupt eine Statusmeldung abgeben zu wollen, sehr niedrig ist.
Woraus bestehen nun Statusmeldungen in Microblogging-Systemen? Böhrin-
ger und Röhrborn (2008) diskutieren das Prinzip der „Awareness“ als Erklärungs-
modell. Microblogging-Systeme in wissensteilenden Organisationskulturen schaf-
fen demnach „informelle Awareness“, „soziale Awareness“, „Gruppenstruktur-
Awareness“ und „Arbeitsbereich-Awareness“ (Gutwin et al. 1996). Die Pflege der
beiden erstgenannten Bereiche stärkt die Kultur von Wissensteilung und Kollabo-
ration. Der dritte und vierte Wahrnehmungsbereich tangiert den eigentlichen
Page 3
MKWI 2010 – E-Learning, M-Learning und Wissensmanagement (ELMW)
1487
Kommunikationszweck. Durch Microblogging wird hier eine gruppenweite Wahr-
nehmung von Fachthemen, fachlichen Problemstellungen, Erfahrungen etc. trans-
parent und nachvollziehbar gemacht.
Die initiale Twitterfrage „Was tust du gerade?“ lässt sich ergänzen etwa mit:
„Was liest du gerade?“; „Welche Erfahrungen hast du gemacht?“; etc. Zusätzlich
können via Microblogging auch konkrete Fragen an das eigene Netzwerk gestellt
werden, etwa: „Wie funktioniert ...?“; „Wo kann ich ... finden?“; „Wer ist für ...
zuständig?“ etc. Die Antworten fallen jeweils möglichst kurz aus – wenn auch
nicht zwangsweise auf 140 Zeichen beschränkt wie bei Twitter – und verlinken
eher auf ausführliche Informationsseiten, als dass sie selbst die Antworten liefern.
Das herausragende Merkmal von Microblogs ist dabei, dass nützliche Antworten in
diesem Informationsnetzwerk oftmals von unerwarteter Seite kommen (Böhringer
2009).
Bereits bekannte Spezifika klassischer Anwendungen des Web 2.0 in Unter-
nehmen und Organisationen sind übertragbar auch auf Microblogging: Die
Usability muss sich am eher wenig technikaffinen Nutzer ausrichten. Die Bedie-
nung sollte intuitiv sein und – für das Prinzip der Unverbindlichkeit im Microblog
besonders wichtig – die beiläufige Benutzung während des eigentlichen Arbeits-
prozesses ermöglichen.
Anhand der folgenden beiden Fallstudien (1. interdisziplinäres und internatio-
nales Forschungssetting im Bereich Arbeitswissenschaften; 2. Kollaboration an
einem Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl) lässt sich diese Form der Zusammenarbeit
praxisnah darstellen.
3 Fallbeispiel 1: Drei F&E-Gruppen vernetzen sich
An der Technischen Universität Chemnitz wird seit wenigen Monaten
Microblogging zur Koordination dreier unterschiedlicher, aber eng verzahnter
Forschungsprojekte eingesetzt. Die Forschergruppe ist international und agiert
interdisziplinär in den Bereichen Organisationsforschung und Fabrikplanung. In
absehbarer Zeit sollen auch Unternehmen integriert werden.
3.1 Ausgangslage
Die Projekte InnoLab-Pro (gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung, BMVBS) und Ireko (gefördert durch den Europäischen
Sozialfonds, ESF) beschäftigen sich mit der Implementierung innovativer Prozesse
im deutschen Mittelstand. Hierzu wird ein Innovationslabor initiiert, in welchem
Unternehmen neueste Methoden der Arbeitswissenschaften anwenden und für
sich nutzen können. Nachwuchswissenschaftler sollen im Projekt Ireko konkrete
Maßnahmen in Unternehmen umsetzen. Das dritte Projekt, WorkInNet (gefördert
durch die Europäische Union), agiert auf internationaler Ebene. Hier sollen Erfah-
1487
Kommunikationszweck. Durch Microblogging wird hier eine gruppenweite Wahr-
nehmung von Fachthemen, fachlichen Problemstellungen, Erfahrungen etc. trans-
parent und nachvollziehbar gemacht.
Die initiale Twitterfrage „Was tust du gerade?“ lässt sich ergänzen etwa mit:
„Was liest du gerade?“; „Welche Erfahrungen hast du gemacht?“; etc. Zusätzlich
können via Microblogging auch konkrete Fragen an das eigene Netzwerk gestellt
werden, etwa: „Wie funktioniert ...?“; „Wo kann ich ... finden?“; „Wer ist für ...
zuständig?“ etc. Die Antworten fallen jeweils möglichst kurz aus – wenn auch
nicht zwangsweise auf 140 Zeichen beschränkt wie bei Twitter – und verlinken
eher auf ausführliche Informationsseiten, als dass sie selbst die Antworten liefern.
Das herausragende Merkmal von Microblogs ist dabei, dass nützliche Antworten in
diesem Informationsnetzwerk oftmals von unerwarteter Seite kommen (Böhringer
2009).
Bereits bekannte Spezifika klassischer Anwendungen des Web 2.0 in Unter-
nehmen und Organisationen sind übertragbar auch auf Microblogging: Die
Usability muss sich am eher wenig technikaffinen Nutzer ausrichten. Die Bedie-
nung sollte intuitiv sein und – für das Prinzip der Unverbindlichkeit im Microblog
besonders wichtig – die beiläufige Benutzung während des eigentlichen Arbeits-
prozesses ermöglichen.
Anhand der folgenden beiden Fallstudien (1. interdisziplinäres und internatio-
nales Forschungssetting im Bereich Arbeitswissenschaften; 2. Kollaboration an
einem Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl) lässt sich diese Form der Zusammenarbeit
praxisnah darstellen.
3 Fallbeispiel 1: Drei F&E-Gruppen vernetzen sich
An der Technischen Universität Chemnitz wird seit wenigen Monaten
Microblogging zur Koordination dreier unterschiedlicher, aber eng verzahnter
Forschungsprojekte eingesetzt. Die Forschergruppe ist international und agiert
interdisziplinär in den Bereichen Organisationsforschung und Fabrikplanung. In
absehbarer Zeit sollen auch Unternehmen integriert werden.
3.1 Ausgangslage
Die Projekte InnoLab-Pro (gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung, BMVBS) und Ireko (gefördert durch den Europäischen
Sozialfonds, ESF) beschäftigen sich mit der Implementierung innovativer Prozesse
im deutschen Mittelstand. Hierzu wird ein Innovationslabor initiiert, in welchem
Unternehmen neueste Methoden der Arbeitswissenschaften anwenden und für
sich nutzen können. Nachwuchswissenschaftler sollen im Projekt Ireko konkrete
Maßnahmen in Unternehmen umsetzen. Das dritte Projekt, WorkInNet (gefördert
durch die Europäische Union), agiert auf internationaler Ebene. Hier sollen Erfah-
Page 4
Lutz Gerlach, Stefan Hauptmann, Martin Böhringer
1488
rungen aus unterschiedlichen Ländern (durchaus weltweit) ausgetauscht werden.
Die Ziele, die durch die Kommunikation mit Microblogging verwirklicht werden
sollen, sind etwa:
Mailbox-Überflutung eindämmen („cc - E-Mails“)
Sharing von Artikeln/Ideen
gegenseitiges direktes Feedback
Diskussionen über Inhalte
Organisatorische Informationen, Ankündigungen
gemeinsame Organisation von Treffen, Konferenzen, Veröffentlichungen
Nachnutzung der Inhalte, Archiv
Diese Anforderungsliste zeigt eine starke Fokussierung auf Informationsteilung,
Feedback und Diskussion. Dies entspricht der wissensintensiven Tätigkeit der
Arbeitsgruppe: die Mitglieder wollen nicht nur gegenseitig Informationen bereit-
stellen, sondern auch Feedback für ihre persönlichen Inputs erhalten und in ge-
meinsamen Diskussionen Ideen entwickeln. Hinzu kommt die Vorstellung, diese
kollaborativ erzeugten Inhalte im Sinne einer Wissensbasis zu bewahren und für
weitere Nachnutzungen und Recherchen verfügbar und transparent zu halten (an-
ders als es beispielsweise bei Telefonaten, Instant Messaging oder Notizen möglich
ist). Und nicht zuletzt wird deutlich, dass das Medium E-Mail diesen Ansprüchen
des wissensintensiven Austauschs und der Zusammenarbeit nicht genügt.
Erklärtes Ziel ist es auch, eine Umgebung zu schaffen, in welcher unwahrscheinli-
che Kommunikation im oben erläuterten Sinne wahrscheinlich wird (Luhmann 1981;
Hauptmann 2009). Die positiven Effekte von Begegnung, Anwesenheit und Small-
Talk sollen auf einer Microblogging-Plattform verwirklicht werden – so zum Bei-
spiel die Schaffung von hoher Transparenz, das Teilen informellen Wissens, Bei-
träge für ein positives Klima der Zusammenarbeit.
3.2 Lösungsansatz
Dem beschriebenen Anforderungsprofil entspricht ein Microblogging-
Environment sehr gut: Es ermöglicht innerhalb der Gruppe schnelle, übersichtli-
che Kommunikation und Feedback durch Postings, den Austausch von Dateien,
und umfangreiche Filter- und Archivierungsfunktionen durch Tagging und Kate-
gorisierung. Oberstes Gebot bei der Implementierung war eine simple Usability.
Als Plattform für diese Arbeitsumgebung wird daher Communote, eine
Microblogging-Umgebung des Software-Unternehmens Communardo, eingesetzt,
deren Nutzung sich gewissermaßen von selbst erklärt. Der Zugriff auf das System
erfolgt per Webbrowser und gestaltet sich in Hinblick auf Funktionsprinzip und
Look&Feel sehr ähnlich zu bekannten Microblogging-Diensten wie Twitter.
Damit die Nutzungsschwellen für das Erstellen eigener Postings so gering wie
möglich sind, und der User nicht zum reinen Rezipienten der Nachrichten anderer
wird, ist an prominenter Stelle ein Schreibfeld für das Posten von Nachrichten
1488
rungen aus unterschiedlichen Ländern (durchaus weltweit) ausgetauscht werden.
Die Ziele, die durch die Kommunikation mit Microblogging verwirklicht werden
sollen, sind etwa:
Mailbox-Überflutung eindämmen („cc - E-Mails“)
Sharing von Artikeln/Ideen
gegenseitiges direktes Feedback
Diskussionen über Inhalte
Organisatorische Informationen, Ankündigungen
gemeinsame Organisation von Treffen, Konferenzen, Veröffentlichungen
Nachnutzung der Inhalte, Archiv
Diese Anforderungsliste zeigt eine starke Fokussierung auf Informationsteilung,
Feedback und Diskussion. Dies entspricht der wissensintensiven Tätigkeit der
Arbeitsgruppe: die Mitglieder wollen nicht nur gegenseitig Informationen bereit-
stellen, sondern auch Feedback für ihre persönlichen Inputs erhalten und in ge-
meinsamen Diskussionen Ideen entwickeln. Hinzu kommt die Vorstellung, diese
kollaborativ erzeugten Inhalte im Sinne einer Wissensbasis zu bewahren und für
weitere Nachnutzungen und Recherchen verfügbar und transparent zu halten (an-
ders als es beispielsweise bei Telefonaten, Instant Messaging oder Notizen möglich
ist). Und nicht zuletzt wird deutlich, dass das Medium E-Mail diesen Ansprüchen
des wissensintensiven Austauschs und der Zusammenarbeit nicht genügt.
Erklärtes Ziel ist es auch, eine Umgebung zu schaffen, in welcher unwahrscheinli-
che Kommunikation im oben erläuterten Sinne wahrscheinlich wird (Luhmann 1981;
Hauptmann 2009). Die positiven Effekte von Begegnung, Anwesenheit und Small-
Talk sollen auf einer Microblogging-Plattform verwirklicht werden – so zum Bei-
spiel die Schaffung von hoher Transparenz, das Teilen informellen Wissens, Bei-
träge für ein positives Klima der Zusammenarbeit.
3.2 Lösungsansatz
Dem beschriebenen Anforderungsprofil entspricht ein Microblogging-
Environment sehr gut: Es ermöglicht innerhalb der Gruppe schnelle, übersichtli-
che Kommunikation und Feedback durch Postings, den Austausch von Dateien,
und umfangreiche Filter- und Archivierungsfunktionen durch Tagging und Kate-
gorisierung. Oberstes Gebot bei der Implementierung war eine simple Usability.
Als Plattform für diese Arbeitsumgebung wird daher Communote, eine
Microblogging-Umgebung des Software-Unternehmens Communardo, eingesetzt,
deren Nutzung sich gewissermaßen von selbst erklärt. Der Zugriff auf das System
erfolgt per Webbrowser und gestaltet sich in Hinblick auf Funktionsprinzip und
Look&Feel sehr ähnlich zu bekannten Microblogging-Diensten wie Twitter.
Damit die Nutzungsschwellen für das Erstellen eigener Postings so gering wie
möglich sind, und der User nicht zum reinen Rezipienten der Nachrichten anderer
wird, ist an prominenter Stelle ein Schreibfeld für das Posten von Nachrichten
Page 5
MKWI 2010 – E-Learning, M-Learning und Wissensmanagement (ELMW)
1489
integriert. Diese Anordnung kann als Einladung zum Posten verstanden werden:
Niemand muss sich mit Schreiben zurückhalten. Nur so werden die eingangs be-
schriebenen, unter dem Gesichtspunkt organisatorischer Effizienz wichtigen
Kommunikationsphänomene unwahrscheinliche Kommunikation wahrscheinlich machen
und Awareness schaffen verwirklicht.
Abbildung 1: InnoLab-Pro Arbeitsbereich in Communote (Filteransicht)
Unterhalb des Schreibfeldes werden chronologisch die aktuellsten Posts von allen
Mitgliedern des Projekts InnoLab angezeigt. Hierdurch wird eine Dynamik er-
zeugt, die den Posts der Kollegen einen News-Charakter verleiht. Damit sind be-
reits die zentralen Elemente der Microblogging-Umgebung benannt. Communote
verfügt über vielfältige Funktionen, um diese Meldungen zielgerichtet mit weiteren
Multimedia-Inhalten bereichern zu können, so etwa durch den Fileupload. Auch
Filter- und Suchfunktionen sind vorhanden, sowie entsprechende Ordnungsfunk-
tionen wie das Tagging. Wichtig für die Akzeptanz des Systems ist, dass diese
Funktionen intuitiv einsetzbar sind.
1489
integriert. Diese Anordnung kann als Einladung zum Posten verstanden werden:
Niemand muss sich mit Schreiben zurückhalten. Nur so werden die eingangs be-
schriebenen, unter dem Gesichtspunkt organisatorischer Effizienz wichtigen
Kommunikationsphänomene unwahrscheinliche Kommunikation wahrscheinlich machen
und Awareness schaffen verwirklicht.
Abbildung 1: InnoLab-Pro Arbeitsbereich in Communote (Filteransicht)
Unterhalb des Schreibfeldes werden chronologisch die aktuellsten Posts von allen
Mitgliedern des Projekts InnoLab angezeigt. Hierdurch wird eine Dynamik er-
zeugt, die den Posts der Kollegen einen News-Charakter verleiht. Damit sind be-
reits die zentralen Elemente der Microblogging-Umgebung benannt. Communote
verfügt über vielfältige Funktionen, um diese Meldungen zielgerichtet mit weiteren
Multimedia-Inhalten bereichern zu können, so etwa durch den Fileupload. Auch
Filter- und Suchfunktionen sind vorhanden, sowie entsprechende Ordnungsfunk-
tionen wie das Tagging. Wichtig für die Akzeptanz des Systems ist, dass diese
Funktionen intuitiv einsetzbar sind.
Page 6
Lutz Gerlach, Stefan Hauptmann, Martin Böhringer
1490
3.3 Erfahrungen
Bereits bei einer auf den ersten Blick eher einfachen Microblogging-Umgebung
stellen sich für das Government der Plattform vielschichtige Aufgaben. Gegenwär-
tig sind alle drei Forschergruppen in der Art miteinander verzahnt, dass jeder alles
lesen kann. Zwar gibt es für jedes der drei Forschungsprojekte ein eigenes sog.
Blog. Geht man aber auf die Home-Seite, so sieht man die Posts aller Projekte.
Zum Posten muss man sich einen dieser drei Blogs auswählen, bzw. besteht als
Viertes die Möglichkeit im Blog „Allgemeines“ zu posten. Hierdurch ist die Gefahr
des Information Overload gegeben. Trennt man jedoch die einzelnen Projekte, so
ergeben sich die Vorteile, die man durch Awareness (s.o.) erzeugen möchte, womög-
lich nicht im erwünschten Maße. Denn insbesondere Effekte, welche durch lose
geknüpfte Netzwerke (‚weak ties‘, Granovetter 1973) hervorgerufen werden, sind
für die Forschergruppen wichtig, da gerade sie infolge großer Differenzen in Bezug
auf Wissen und Erfahrung dazu geeignet sind, Innovationen zu initiieren.
Da die Forschergruppen nicht zuletzt auch durch eine hierarchische Struktur
gekennzeichnet sind, stellen sich diesbezüglich Fragen nach gesunder Transparenz.
Im Projekt WorkInNet soll mittels Communote ein Publikationsprojekt gesteuert
werden. Die Mitglieder der Plattform werden sich in Bezug auf ihre jeweilige Pub-
likation zwar gegenseitig kommentieren. Allerdings gibt es für die einzelnen Artikel
auch Reviewphasen, in denen die Herausgeber normalerweise auf bilateraler Ebene
mit den Autoren kommunizieren. Was geschieht, wenn dies nun im Lichte der (auf
die Community beschränkten) Öffentlichkeit geschieht? Wird z. B. der Status des
Autors (Professor oder wiss. Mitarbeiter) bei einem solch halb-öffentlichen Re-
view-Verfahren eine Rolle spielen? Wie viel Transparenz auch bei konstruktiver
Kritik ist in dieser Hinsicht im Netzwerk möglich?
In ähnlicher Weise stellen sich Unternehmen diese Frage, wenn unter den Ge-
sichtspunkten Enterprise 2.0 und Unternehmenshierarchie eine kollaborative Ar-
beitsweise thematisiert wird. Diesbezüglich gibt es in den drei Projekten bislang
noch keine Problemwahrnehmung. Die in naher Zukunft sich konkretisierende
Kollaboration zu einzelnen Themen wird hier für weitere Erfahrungen sorgen.
Bisher gibt es noch kein Bestreben, den Umfang der Nachrichten zu beschrän-
ken (bei Twitter sind nur 140 Zeichen erlaubt). Es ist zwar wünschenswert,
Postings recht kurz zu halten und auf Kernaussagen zu reduzieren. Allerdings soll-
te es angesichts der Komplexität von Argumenten insbesondere im akademischen
Umfeld möglich sein, längere Texte schreiben zu können. Wir denken hier an die
Programmierung einer weichen Art von Limitsetzung - etwa, indem sich das
Schreibfeld ab einer Anzahl von 400 Zeichen allmählich farblich verändert und
dem Schreiber somit kommuniziert, dass schon recht viel Text geschrieben wurde.
Bei Communote zeigen sich nach einer relativ kurzen Phase der Nutzung auch
einige Grenzen in Bezug auf Funktionalitäten, z. B.:
Keine Publish-Subscribe-Möglichkeiten nach Autoren (Gruppenbildung)
1490
3.3 Erfahrungen
Bereits bei einer auf den ersten Blick eher einfachen Microblogging-Umgebung
stellen sich für das Government der Plattform vielschichtige Aufgaben. Gegenwär-
tig sind alle drei Forschergruppen in der Art miteinander verzahnt, dass jeder alles
lesen kann. Zwar gibt es für jedes der drei Forschungsprojekte ein eigenes sog.
Blog. Geht man aber auf die Home-Seite, so sieht man die Posts aller Projekte.
Zum Posten muss man sich einen dieser drei Blogs auswählen, bzw. besteht als
Viertes die Möglichkeit im Blog „Allgemeines“ zu posten. Hierdurch ist die Gefahr
des Information Overload gegeben. Trennt man jedoch die einzelnen Projekte, so
ergeben sich die Vorteile, die man durch Awareness (s.o.) erzeugen möchte, womög-
lich nicht im erwünschten Maße. Denn insbesondere Effekte, welche durch lose
geknüpfte Netzwerke (‚weak ties‘, Granovetter 1973) hervorgerufen werden, sind
für die Forschergruppen wichtig, da gerade sie infolge großer Differenzen in Bezug
auf Wissen und Erfahrung dazu geeignet sind, Innovationen zu initiieren.
Da die Forschergruppen nicht zuletzt auch durch eine hierarchische Struktur
gekennzeichnet sind, stellen sich diesbezüglich Fragen nach gesunder Transparenz.
Im Projekt WorkInNet soll mittels Communote ein Publikationsprojekt gesteuert
werden. Die Mitglieder der Plattform werden sich in Bezug auf ihre jeweilige Pub-
likation zwar gegenseitig kommentieren. Allerdings gibt es für die einzelnen Artikel
auch Reviewphasen, in denen die Herausgeber normalerweise auf bilateraler Ebene
mit den Autoren kommunizieren. Was geschieht, wenn dies nun im Lichte der (auf
die Community beschränkten) Öffentlichkeit geschieht? Wird z. B. der Status des
Autors (Professor oder wiss. Mitarbeiter) bei einem solch halb-öffentlichen Re-
view-Verfahren eine Rolle spielen? Wie viel Transparenz auch bei konstruktiver
Kritik ist in dieser Hinsicht im Netzwerk möglich?
In ähnlicher Weise stellen sich Unternehmen diese Frage, wenn unter den Ge-
sichtspunkten Enterprise 2.0 und Unternehmenshierarchie eine kollaborative Ar-
beitsweise thematisiert wird. Diesbezüglich gibt es in den drei Projekten bislang
noch keine Problemwahrnehmung. Die in naher Zukunft sich konkretisierende
Kollaboration zu einzelnen Themen wird hier für weitere Erfahrungen sorgen.
Bisher gibt es noch kein Bestreben, den Umfang der Nachrichten zu beschrän-
ken (bei Twitter sind nur 140 Zeichen erlaubt). Es ist zwar wünschenswert,
Postings recht kurz zu halten und auf Kernaussagen zu reduzieren. Allerdings soll-
te es angesichts der Komplexität von Argumenten insbesondere im akademischen
Umfeld möglich sein, längere Texte schreiben zu können. Wir denken hier an die
Programmierung einer weichen Art von Limitsetzung - etwa, indem sich das
Schreibfeld ab einer Anzahl von 400 Zeichen allmählich farblich verändert und
dem Schreiber somit kommuniziert, dass schon recht viel Text geschrieben wurde.
Bei Communote zeigen sich nach einer relativ kurzen Phase der Nutzung auch
einige Grenzen in Bezug auf Funktionalitäten, z. B.:
Keine Publish-Subscribe-Möglichkeiten nach Autoren (Gruppenbildung)
Page 7
MKWI 2010 – E-Learning, M-Learning und Wissensmanagement (ELMW)
1491
Generieren von Übersichten auch passiver (nur lesender) Gruppenmitglie-
der
Verknüpfung mit Wikis für eher statische Inhalte (z. B. Übersichten,
Agenden, SOPs etc.)
Fehlende Möglichkeiten zur Schlagwortpflege (Schlagworte im
Nachheinein editieren, zusammenführen)
4 Fallbeispiel 2: Microblogging als Multiprojektwerkzeug an
einem Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl
4.1 Ausgangslage
Die Mitarbeiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik II (Systementwick-
lung/Anwendungssysteme) an der TU Chemnitz sind in verschiedensten Projekten
eingebunden. Vergleichbar mit der Ausgangssituation beim ersten Fallbeispiel ist
auch hier die Zielstellung eine allgemeine Informiertheit über die einzelnen For-
schungsaktivitäten sowie ein gemeinsamer Diskussionsraum für alle betreffenden
Querschnittsthemen zu schaffen.
Neben dem vorhandenen Wiki und der dateibasierten Projektablage fehlte
hierfür ein Werkzeug für die Abbildung des Projektgeschehens und die nachhaltige
Speicherung kleiner Informationsschnipsel, für die insbesondere die Kontributi-
onshürde geringer sein sollte als bei den vorhandenen Werkzeugen.
4.2 Lösungsansatz
Der Lehrstuhl setzt seit Beginn 2009 ein Microblogging-Werkzeug für das interne
Wissensmanagement und die Kommunikation in (studentischen) Projekten ein.
Innerhalb der ersten zwei Nutzungsmonate haben sechs Lehrstuhlmitarbeiter so-
wie 40 studentische oder externe Anwender zu 75 Themengruppen 1738 Nach-
richten gepostet. Zum Einsatz kommt dabei ebenfalls die Enterprise
Microblogging-Software Communote, die über besondere Funktionalitäten im
Bereich Sicherheit verfügt. Das damit mögliche feingliedrige Rechtesystem auf
Basis von Themengruppen wird verwendet, um vertrauliche Inhalte nur dem be-
rechtigten Personenkreis zugänglich zu machen.
Das Microblogging-Werkzeug wird auch hier als SaaS-Dienst bezogen und
verursacht daher keinen Hosting- oder Administrationsaufwand auf Seiten des
Lehrstuhls.
1491
Generieren von Übersichten auch passiver (nur lesender) Gruppenmitglie-
der
Verknüpfung mit Wikis für eher statische Inhalte (z. B. Übersichten,
Agenden, SOPs etc.)
Fehlende Möglichkeiten zur Schlagwortpflege (Schlagworte im
Nachheinein editieren, zusammenführen)
4 Fallbeispiel 2: Microblogging als Multiprojektwerkzeug an
einem Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl
4.1 Ausgangslage
Die Mitarbeiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik II (Systementwick-
lung/Anwendungssysteme) an der TU Chemnitz sind in verschiedensten Projekten
eingebunden. Vergleichbar mit der Ausgangssituation beim ersten Fallbeispiel ist
auch hier die Zielstellung eine allgemeine Informiertheit über die einzelnen For-
schungsaktivitäten sowie ein gemeinsamer Diskussionsraum für alle betreffenden
Querschnittsthemen zu schaffen.
Neben dem vorhandenen Wiki und der dateibasierten Projektablage fehlte
hierfür ein Werkzeug für die Abbildung des Projektgeschehens und die nachhaltige
Speicherung kleiner Informationsschnipsel, für die insbesondere die Kontributi-
onshürde geringer sein sollte als bei den vorhandenen Werkzeugen.
4.2 Lösungsansatz
Der Lehrstuhl setzt seit Beginn 2009 ein Microblogging-Werkzeug für das interne
Wissensmanagement und die Kommunikation in (studentischen) Projekten ein.
Innerhalb der ersten zwei Nutzungsmonate haben sechs Lehrstuhlmitarbeiter so-
wie 40 studentische oder externe Anwender zu 75 Themengruppen 1738 Nach-
richten gepostet. Zum Einsatz kommt dabei ebenfalls die Enterprise
Microblogging-Software Communote, die über besondere Funktionalitäten im
Bereich Sicherheit verfügt. Das damit mögliche feingliedrige Rechtesystem auf
Basis von Themengruppen wird verwendet, um vertrauliche Inhalte nur dem be-
rechtigten Personenkreis zugänglich zu machen.
Das Microblogging-Werkzeug wird auch hier als SaaS-Dienst bezogen und
verursacht daher keinen Hosting- oder Administrationsaufwand auf Seiten des
Lehrstuhls.
Page 8
Lutz Gerlach, Stefan Hauptmann, Martin Böhringer
1492
Abbildung 2: Communote im Einsatz am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik
4.3 Erfahrungen
Innerhalb des Forschungsteams wird das Microblogging-System genutzt, um die
Kommunikation zu den einzelnen Projekten abzubilden und kontinuierlich einen
Wissensspeicher aufzubauen. Dort werden vielfältigste projektbezogene Inhalte
eingestellt: beispielhaft zu nennen sind Gesprächs- und Handlungsprotokolle,
Meinungen, Diskussionen, Informationsschnipsel und Link-Empfehlungen. Typi-
sche Themengruppen, auf die alle Lehrstuhlmitarbeiter Zugriff haben, sind „Publi-
kationen“, „Webseite“ oder die allgemeine Lehrstuhlgruppe.
Eine spezielle Variante der Microblogging-Nutzung stellen Themengruppen
für studentische Arbeiten dar. Für Diplom-, Seminar- und Projektarbeiten werden
eigene Informationsbereiche angelegt, auf die der Betreuer und die Bearbeiter Zu-
griff haben. Hier ist vor allem das zentrale Informationsmanagement für den Be-
treuer von Nutzen, da er alle Microblogging-Postings seiner betreuten Arbeiten in
einer integrierten Sicht sehen und beliebig filtern kann. Wechselt der Betreuer oder
kommen neue Projektbeteiligte hinzu, können diese einfach zur Gruppe hinzuge-
fügt werden und erhalten dadurch automatisch Zugriff auf die komplette Historie.
Durch den webbasierten Zugriff und die Selbstregistrierung gestaltet sich die In-
tegration von Studenten und Externen dabei sehr einfach.
1492
Abbildung 2: Communote im Einsatz am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik
4.3 Erfahrungen
Innerhalb des Forschungsteams wird das Microblogging-System genutzt, um die
Kommunikation zu den einzelnen Projekten abzubilden und kontinuierlich einen
Wissensspeicher aufzubauen. Dort werden vielfältigste projektbezogene Inhalte
eingestellt: beispielhaft zu nennen sind Gesprächs- und Handlungsprotokolle,
Meinungen, Diskussionen, Informationsschnipsel und Link-Empfehlungen. Typi-
sche Themengruppen, auf die alle Lehrstuhlmitarbeiter Zugriff haben, sind „Publi-
kationen“, „Webseite“ oder die allgemeine Lehrstuhlgruppe.
Eine spezielle Variante der Microblogging-Nutzung stellen Themengruppen
für studentische Arbeiten dar. Für Diplom-, Seminar- und Projektarbeiten werden
eigene Informationsbereiche angelegt, auf die der Betreuer und die Bearbeiter Zu-
griff haben. Hier ist vor allem das zentrale Informationsmanagement für den Be-
treuer von Nutzen, da er alle Microblogging-Postings seiner betreuten Arbeiten in
einer integrierten Sicht sehen und beliebig filtern kann. Wechselt der Betreuer oder
kommen neue Projektbeteiligte hinzu, können diese einfach zur Gruppe hinzuge-
fügt werden und erhalten dadurch automatisch Zugriff auf die komplette Historie.
Durch den webbasierten Zugriff und die Selbstregistrierung gestaltet sich die In-
tegration von Studenten und Externen dabei sehr einfach.
Page 9
MKWI 2010 – E-Learning, M-Learning und Wissensmanagement (ELMW)
1493
5 Zusammenfassung und Ausblick
Die beiden präsentierten Beispiele geben kurze, aber konkrete Einblicke in das
Nutzungspotenzial von Microblogging im universitären Bereich. Der Fokus lag
hierbei auf der forschungsinternen Zusammenarbeit sowie der ad-hoc-
Unterstützung von studentischen Einzel- oder Teamprojekten. Weitere Szenarien
für Microblogging liegen beispielweise in der breiten Nutzung zur Lehrunterstüt-
zung, insbesondere als Backchannel während Vorlesungen und ähnlichen Kontex-
ten (Akbari und Molitor 2009).
Die in diesem Beitrag vorgestellten Projekte befinden sich gegenwärtig in der
Einführungsphase. Bereits in diesem frühen Stadium lassen sich im Vergleich zu
anderen, schwerfälligeren Kollaborationssystemen eine hohe Frequenz an kom-
munikativen Akten beobachten. Der Grund dürfte sein, dass die Schwelle zum
Kommunizieren weniger hoch ist als bei E-Mails, und das System im Gegensatz
zum Chat via Skype, ICQ etc. Speicherfunktionen besitzt, so dass auch zeitversetzt
diskutiert werden kann, und dass schließlich die Gesamtheit der Diskussionen im
Gegensatz zu Foren mittels Tagging, Such- und Filterfunktionen aber sehr struktu-
riert präsentiert werden.
Hierdurch dürften für die professionelle Kommunikation hohe Effizienzge-
winne zu erwarten sein. Auch lassen sich bereits jetzt interessante Fragestellungen
hinsichtlich der Governance solcher Plattformen formulieren – so etwa die darge-
stellte Problematik von Transparenz bei kollaborativen Publikationsprojekten.
In enger Verschränkung von systematischer Empirie und agiler Umsetzung in
technische und organisatorische Lösungen werden die beiden Projekte auch
zukünftig zum Erkenntnisgewinn im Bereich des professionellen akademischen
Microbloggings beitragen.
Literatur
Akbari, M., Molitor, A. (2009) Einsatz von Micro-Blogs an der Hochschule. In:
Workshop „Leichtgewichtige Kooperationswerkzeuge“, Mensch & Computer
2009, Berlin.
Anderson C (2007) The Long Tail – der lange Schwanz. Nischenprodukte statt
Massenmarkt – Das Geschäft der Zukunft. Hanser, München.
Barnes SJ, Böhringer M (2009) Continuance usage intention in microblogging
services: the case of Twitter. In: Proceedings of the 17th European Conference
on Information Systems (ECIS).
Böhringer M (2009) Fallstudie Enterprise Microblogging bei der Communardo
Software GmbH. In: Koch M, Richter A (Hrsg.) Enterprise 2.0 - Planung,
Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen. 2.
Auflage, Oldenbourg, München.
1493
5 Zusammenfassung und Ausblick
Die beiden präsentierten Beispiele geben kurze, aber konkrete Einblicke in das
Nutzungspotenzial von Microblogging im universitären Bereich. Der Fokus lag
hierbei auf der forschungsinternen Zusammenarbeit sowie der ad-hoc-
Unterstützung von studentischen Einzel- oder Teamprojekten. Weitere Szenarien
für Microblogging liegen beispielweise in der breiten Nutzung zur Lehrunterstüt-
zung, insbesondere als Backchannel während Vorlesungen und ähnlichen Kontex-
ten (Akbari und Molitor 2009).
Die in diesem Beitrag vorgestellten Projekte befinden sich gegenwärtig in der
Einführungsphase. Bereits in diesem frühen Stadium lassen sich im Vergleich zu
anderen, schwerfälligeren Kollaborationssystemen eine hohe Frequenz an kom-
munikativen Akten beobachten. Der Grund dürfte sein, dass die Schwelle zum
Kommunizieren weniger hoch ist als bei E-Mails, und das System im Gegensatz
zum Chat via Skype, ICQ etc. Speicherfunktionen besitzt, so dass auch zeitversetzt
diskutiert werden kann, und dass schließlich die Gesamtheit der Diskussionen im
Gegensatz zu Foren mittels Tagging, Such- und Filterfunktionen aber sehr struktu-
riert präsentiert werden.
Hierdurch dürften für die professionelle Kommunikation hohe Effizienzge-
winne zu erwarten sein. Auch lassen sich bereits jetzt interessante Fragestellungen
hinsichtlich der Governance solcher Plattformen formulieren – so etwa die darge-
stellte Problematik von Transparenz bei kollaborativen Publikationsprojekten.
In enger Verschränkung von systematischer Empirie und agiler Umsetzung in
technische und organisatorische Lösungen werden die beiden Projekte auch
zukünftig zum Erkenntnisgewinn im Bereich des professionellen akademischen
Microbloggings beitragen.
Literatur
Akbari, M., Molitor, A. (2009) Einsatz von Micro-Blogs an der Hochschule. In:
Workshop „Leichtgewichtige Kooperationswerkzeuge“, Mensch & Computer
2009, Berlin.
Anderson C (2007) The Long Tail – der lange Schwanz. Nischenprodukte statt
Massenmarkt – Das Geschäft der Zukunft. Hanser, München.
Barnes SJ, Böhringer M (2009) Continuance usage intention in microblogging
services: the case of Twitter. In: Proceedings of the 17th European Conference
on Information Systems (ECIS).
Böhringer M (2009) Fallstudie Enterprise Microblogging bei der Communardo
Software GmbH. In: Koch M, Richter A (Hrsg.) Enterprise 2.0 - Planung,
Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen. 2.
Auflage, Oldenbourg, München.
Page 10
Lutz Gerlach, Stefan Hauptmann, Martin Böhringer
1494
Böhringer M, Röhrborn D (2008) Awareness durch Microinformationen:
Anwendungsvorteile von Social Software in der informellen
Projektkommunikation am Beispiel des Projekt-Microblogs ProMIC. Virtuelle
Organisation und Neue Medien 2008:161-176.
Granovetter, M. (1973) The Strength of Weak Ties. In: American Journal of
Sociology 78(6):1360-1380.
Gutwin C, Greenberg S, Roseman M (1996) Workspace Awareness in Real-Time
Distributed Groupware: Framework, Widgets, and Evaluation. In: Proceeding
of HCI:281–298.
Hauptmann S (2009) Microblogging: Unwahrscheinliche Kommunikation
wahrscheinlich machen. http://blog.cm-
development.de/2009/05/18/microblogging-unwahrscheinliche-
kommunikation/. Abruf am 09.09.2009.
Huberman BA, Romero DM, Wu F (2009) Social networks that matter: Twitter
under the microscope. First Monday 14(1).
http://firstmonday.org/htbin/cgiwrap/bin/ojs/index.php/fm/article/viewAr
ticle/2317/2063. Abruf am 11.11.2009.
Java A, Song X, Finin T, Tseng B (2007) Why we twitter: understanding
microblogging usage and communities. In: Proceedings of the 9th WebKDD
and 1st SNA-KDD 2007 workshop on Web mining and social network
analysis:56-65.
Krishnamurthy B, Gill P, Arlitt M (2008) A few chirps about twitter, In:
Proceedings of the first workshop on Online social networks:19-24.
Luhmann N (1981) Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation, in ders.
(Hrsg.) Soziologische Aufklärung 3, Westdeutscher Verlag, Opladen:25-34.
1494
Böhringer M, Röhrborn D (2008) Awareness durch Microinformationen:
Anwendungsvorteile von Social Software in der informellen
Projektkommunikation am Beispiel des Projekt-Microblogs ProMIC. Virtuelle
Organisation und Neue Medien 2008:161-176.
Granovetter, M. (1973) The Strength of Weak Ties. In: American Journal of
Sociology 78(6):1360-1380.
Gutwin C, Greenberg S, Roseman M (1996) Workspace Awareness in Real-Time
Distributed Groupware: Framework, Widgets, and Evaluation. In: Proceeding
of HCI:281–298.
Hauptmann S (2009) Microblogging: Unwahrscheinliche Kommunikation
wahrscheinlich machen. http://blog.cm-
development.de/2009/05/18/microblogging-unwahrscheinliche-
kommunikation/. Abruf am 09.09.2009.
Huberman BA, Romero DM, Wu F (2009) Social networks that matter: Twitter
under the microscope. First Monday 14(1).
http://firstmonday.org/htbin/cgiwrap/bin/ojs/index.php/fm/article/viewAr
ticle/2317/2063. Abruf am 11.11.2009.
Java A, Song X, Finin T, Tseng B (2007) Why we twitter: understanding
microblogging usage and communities. In: Proceedings of the 9th WebKDD
and 1st SNA-KDD 2007 workshop on Web mining and social network
analysis:56-65.
Krishnamurthy B, Gill P, Arlitt M (2008) A few chirps about twitter, In:
Proceedings of the first workshop on Online social networks:19-24.
Luhmann N (1981) Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation, in ders.
(Hrsg.) Soziologische Aufklärung 3, Westdeutscher Verlag, Opladen:25-34.
Sign up today - FREE
Mendeley saves you time finding and organizing research. Learn more
- All your research in one place
- Add and import papers easily
- Access it anywhere, anytime
Start using Mendeley in seconds!
Readership Statistics
4 Readers on Mendeley
by Discipline
25% Education
by Academic Status
50% Ph.D. Student
25% Student (Bachelor)
25% Post Doc
by Country
100% Germany


