Literaturverwaltung zur Unterstützung des wissenschaftlichen Publizierens
cmsJournal (2009)
Available from edoc.hu-berlin.de
or
Abstract
Die gemeinsame Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren von UB und CMS hat sich mit dem grundsätzlichen Einsatz von Literaturverwaltungssystemen im wissenschaftlichen Publikationsprozess auseinandergesetzt und dabei einzelne Anwendungen bzw. Anwendungsformen untersucht. Der folgende Beitrag bietet einen kurzen Überblick zu bestehenden Formen von Literaturverwaltungssystemen und ihren Funktionen.
Available from edoc.hu-berlin.de
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Literaturverwaltung zur Unterstützung des wissenschaftlichen Publizierens
109Literaturverwaltung zur Unterstützung des wissenschaftlichen Publizierens
Die gemeinsame Arbeitsgruppe Elektronisches
Publizieren von UB und CMS hat sich mit
dem grundsätzlichen Einsatz von Literatur-
verwaltungssystemen im wissenschaftlichen
Publikationsprozess auseinandergesetzt und
dabei einzelne Anwendungen bzw. Anwen-
dungsformen untersucht. Der folgende Beitrag
bietet einen kurzen Überblick zu bestehenden
Formen von Literaturverwaltungssystemen
und ihren Funktionen.
Literaturverwaltung und Literatur-
verwaltungssysteme
Literaturverwaltung im wissenschaftlichen
Publikationsprozess meint die Organisa-
tion der für eine Publikation und/oder ein
Arbeitsprojekt verwendeten Literatur. Sie
umfasst das Anlegen eines Datenpools aus
bibliografischen Angaben und/oder Litera-
tur sowie deren formale und inhaltliche
Erschließung; die Erstellung von Bibliogra-
fien bzw. Literaturverzeichnissen zu einer
Veröffentlichung oder einem Projekt sowie
die Organisation von Zitaten, Referenzen,
Anmerkungen, Notizen und Gedanken.
Während Umberto Eco in seinem
Standardwerk zum wissenschaftlichen
Schreiben von 1977 für den Umgang mit
Publikationen im Erstellungsprozess einer
wissenschaftlichen Arbeit noch die Ver-
wendung von so genannten Lesekarteien
bzw. Lektüre-Karten empfiehlt1, hat sich
die Literaturverwaltung den elektronischen
Arbeitsumgebungen angepasst und es
steht heute eine Vielzahl verschiedener
Werkzeuge zur Verfügung.2
Ein (rechnergestütztes) Literaturver-
waltungssystem bzw. eine Literaturverwal-
tungssoftware dient in erster Linie dem
erleichterten Umgang nicht nur mit Li-
teraturquellen, sondern auch der Struktu-
1 vgl. Eco, Umberto (2007) Wie man eine wissenschaft-
liche Abschlußarbeit schreibt. Stuttgart: UTB
(12. Auflage, Originalausgabe von 1977).
2 Eine sehr gute Übersicht zu Literaturverwaltungs-
programmen stellen Thomas Stöber und Astrid
Teichert (Universitätsbibliothek Augsburg) bereit:
http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/service/
literaturverwaltung/ bzw. es lohnt sich auch ein
Blick in die englischsprachige Wikipedia: http://en.
wikipedia.org/wiki/Comparison_of_reference_
management_software [Der letzte Zugriff auf alle
im Artikel referenzierten Websites ist auf den
31.12.2008 datiert.].
rierung der eigenen literaturgestützten
Arbeit – unabhängig von deren Zielstel-
lung bzw. Ergebnis.
Anwendungsformen von
Literaturverwaltungssystemen
Zunächst werden so genannte „lokale“
Literaturverwaltungssysteme von webba-
sierten Literaturverwaltungssystemen
unterschieden. Erstere werden auf dem
eigenen Rechner installiert (Einzelplatz-
bzw. Stand-Alone-Anwendung) und sind
als „geschlossene“ Systeme mit einem
beschränkten Nutzerkreis (in der Regel
eine Person) konzipiert.3 Der Zugriff auf
webbasierte Literaturverwaltungssysteme
erfolgt mithilfe eines Internetbrowsers.
Sie speichern die abgelegten Daten nicht
auf dem eigenen Rechner, sondern sie
werden auf einem externen Webserver
abgelegt. Webbasierte Literaturverwal-
tungssysteme4 haben den Vorteil, dass
man ortsunabhängig von einem belie-
bigen, internetfähigen Rechner auf das
System zugreifen kann und ggf. mehrere
Personen kollaborativ an einer Literatur-
sammlung arbeiten können. Hierbei sind
zwei Formen der Zusammenarbeit zu
nennen: Zum einen kann der Datenpool
für mehrere Benutzer freigegeben werden
und zum anderen können Nutzerzugänge
„geteilt“ werden. Mithilfe der Freigabe
eines Datenpools für mehrere Benutzer
bzw. einer Anwendung, mit der die ge-
speicherten Publikationen samt ihrer Me-
3 z. B. „EndNote” – URL: http://www.endnote.com;
„Citavi” – URL: http://www.citavi.com (nur Windows)
4 z. B. „Refworks“ – URL: http://www.refworks.com;
„CiteULike” – URL: http://de.citeulike.org;
„EndNote Web” – URL: http://www.endnoteweb.com
Literaturverwaltung zur Unterstützung
des wissenschaftlichen Publizierens
Maxi Kindling | maxi.kindling@ibi.hu-berlin.de
Matti Stöhr | matti.stoehr@ibi.hu-berlin.de
Die gemeinsame Arbeitsgruppe Elektronisches
Publizieren von UB und CMS hat sich mit
dem grundsätzlichen Einsatz von Literatur-
verwaltungssystemen im wissenschaftlichen
Publikationsprozess auseinandergesetzt und
dabei einzelne Anwendungen bzw. Anwen-
dungsformen untersucht. Der folgende Beitrag
bietet einen kurzen Überblick zu bestehenden
Formen von Literaturverwaltungssystemen
und ihren Funktionen.
Literaturverwaltung und Literatur-
verwaltungssysteme
Literaturverwaltung im wissenschaftlichen
Publikationsprozess meint die Organisa-
tion der für eine Publikation und/oder ein
Arbeitsprojekt verwendeten Literatur. Sie
umfasst das Anlegen eines Datenpools aus
bibliografischen Angaben und/oder Litera-
tur sowie deren formale und inhaltliche
Erschließung; die Erstellung von Bibliogra-
fien bzw. Literaturverzeichnissen zu einer
Veröffentlichung oder einem Projekt sowie
die Organisation von Zitaten, Referenzen,
Anmerkungen, Notizen und Gedanken.
Während Umberto Eco in seinem
Standardwerk zum wissenschaftlichen
Schreiben von 1977 für den Umgang mit
Publikationen im Erstellungsprozess einer
wissenschaftlichen Arbeit noch die Ver-
wendung von so genannten Lesekarteien
bzw. Lektüre-Karten empfiehlt1, hat sich
die Literaturverwaltung den elektronischen
Arbeitsumgebungen angepasst und es
steht heute eine Vielzahl verschiedener
Werkzeuge zur Verfügung.2
Ein (rechnergestütztes) Literaturver-
waltungssystem bzw. eine Literaturverwal-
tungssoftware dient in erster Linie dem
erleichterten Umgang nicht nur mit Li-
teraturquellen, sondern auch der Struktu-
1 vgl. Eco, Umberto (2007) Wie man eine wissenschaft-
liche Abschlußarbeit schreibt. Stuttgart: UTB
(12. Auflage, Originalausgabe von 1977).
2 Eine sehr gute Übersicht zu Literaturverwaltungs-
programmen stellen Thomas Stöber und Astrid
Teichert (Universitätsbibliothek Augsburg) bereit:
http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/service/
literaturverwaltung/ bzw. es lohnt sich auch ein
Blick in die englischsprachige Wikipedia: http://en.
wikipedia.org/wiki/Comparison_of_reference_
management_software [Der letzte Zugriff auf alle
im Artikel referenzierten Websites ist auf den
31.12.2008 datiert.].
rierung der eigenen literaturgestützten
Arbeit – unabhängig von deren Zielstel-
lung bzw. Ergebnis.
Anwendungsformen von
Literaturverwaltungssystemen
Zunächst werden so genannte „lokale“
Literaturverwaltungssysteme von webba-
sierten Literaturverwaltungssystemen
unterschieden. Erstere werden auf dem
eigenen Rechner installiert (Einzelplatz-
bzw. Stand-Alone-Anwendung) und sind
als „geschlossene“ Systeme mit einem
beschränkten Nutzerkreis (in der Regel
eine Person) konzipiert.3 Der Zugriff auf
webbasierte Literaturverwaltungssysteme
erfolgt mithilfe eines Internetbrowsers.
Sie speichern die abgelegten Daten nicht
auf dem eigenen Rechner, sondern sie
werden auf einem externen Webserver
abgelegt. Webbasierte Literaturverwal-
tungssysteme4 haben den Vorteil, dass
man ortsunabhängig von einem belie-
bigen, internetfähigen Rechner auf das
System zugreifen kann und ggf. mehrere
Personen kollaborativ an einer Literatur-
sammlung arbeiten können. Hierbei sind
zwei Formen der Zusammenarbeit zu
nennen: Zum einen kann der Datenpool
für mehrere Benutzer freigegeben werden
und zum anderen können Nutzerzugänge
„geteilt“ werden. Mithilfe der Freigabe
eines Datenpools für mehrere Benutzer
bzw. einer Anwendung, mit der die ge-
speicherten Publikationen samt ihrer Me-
3 z. B. „EndNote” – URL: http://www.endnote.com;
„Citavi” – URL: http://www.citavi.com (nur Windows)
4 z. B. „Refworks“ – URL: http://www.refworks.com;
„CiteULike” – URL: http://de.citeulike.org;
„EndNote Web” – URL: http://www.endnoteweb.com
Literaturverwaltung zur Unterstützung
des wissenschaftlichen Publizierens
Maxi Kindling | maxi.kindling@ibi.hu-berlin.de
Matti Stöhr | matti.stoehr@ibi.hu-berlin.de
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110 cms-journal 32 / Juni 2009
tadaten frei im Internet zur Verfügung
stehen, kann die Kollaboration in der Wis-
senschaft unterstützt werden – so lassen
sich etwa Publikationslisten zu Projekten
kooperativ pflegen und veröffentlichen.
Darüber hinaus entstehen durch Software-
Erweiterungen „Mischformen“ der beiden
Prinzipien5 sowie weitere Systeme mit
speziellen Funktionen wie das Plug-in
„Zotero“6, das im Webbrowser Mozilla
Firefox integriert wird.
Weiterhin kann eine Unterscheidung
getroffen werden zwischen Literaturver-
waltungssystemen, die kommerziell an-
geboten werden (z. B. „Citavi“, „EndNote“,
„Endnote Web“, „RefWorks“) und jenen,
die frei und quelloffen im Internet zur kos-
tenlosen Verfügung stehen (so genannte
Open-Source-Anwen-dungen wie „Zotero“,
„Connotea“, „CiteULike“, „Wikindx“7 etc.).
Funktionen von Literaturver-
waltungssystemen
Literaturverwaltungssysteme lassen sich
anhand ihrer Funktionen beschreiben.
Dazu zählt die formale Erschließung von
Literaturquellen in unterschiedlichen,
systemabhängigen Erschließungsgraden
anhand bibliografischer Daten wie Autor,
Titel, Entstehungsort, Entstehungsjahr
etc. Weiterhin bieten Literaturverwaltungs-
systeme die inhaltliche Erschließung von
Quellen durch verschiedene Formen der
Wissensorganisation wie beispielsweise
die Vergabe von Schlagwörtern oder Kate-
gorien, die Erstellung von Gruppen, Ord-
nern und themenspezifischen Bibliogra-
fien. Diese Form der Wissensorganisation
kann system-abhängig um die Erschlie-
ßung mit weiteren, eigenen Metadaten,
Notizen, Anmerkungen erweitert werden
– in diesem Sinne lassen sich z. B. ganze
Zitatesammlungen verwalten. Zudem
bieten einige der Anwendung weitere Zu-
satz-Funktionen, die nicht im Einzelnen
aufgeführt werden können.8
5 z. B. wird das System „EndNote“ durch „EndNote
Web“ ergänzt
6 „Zotero“ – URL: http://www.zotero.org
7 „Wikindx” – URL: http://wikindx.sourceforge.net
8 „Citavi“ bietet hier beispielsweise mit der „Aufgaben-
planung“ und dem Management von Terminen
eine zusätzliche Funktion und mit „Zotero“ können
„Schnappschüsse“ von Webseiten gemacht werden,
die sich editieren lassen.
Webbasierte Literaturverwaltungs-
systeme unterstützen teilweise das Social
Tagging: Nutzer erschließen gemeinsam
Internetquellen durch tags bzw. freie
Schlagwörter, die ohne Regeln vergeben
werden. Nach diesem Prinzip lassen sich
durch andere Nutzer erschlossene Publi-
kationen mit einer gezielten Suche nach
tags finden bzw. können die Interessen
anderer Nutzer „entdeckt“ werden.9
Literaturverwaltungssysteme ermög-
lichen entsprechend ihrer Erschließungs-
methodik verschiedene Suchfunktionen
und das Browsing in den gesammelten
Referenzen und Notizen sowie die pas-
sende Erstellung von Bibliografien bzw.
Literaturverzeichnissen. Die meisten An-
wendungen verfügen über Schnittstellen
zu Textverarbeitungsprogrammen (vorwie-
gend MS Word, Open Office und LaTeX)
bzw. bieten Software-Ergänzungen mit
dieser Funktion an (so genannte Add-ons).
Die Zitierweise bzw. die Outputstyles, die
sich in der Regel innerhalb verschiedener
Fachdisziplinen unterscheiden (z. B. APA,
MLA, Chicago), sind oftmals frei wählbar
bzw. können um eigens erstellte Styles er-
weitert werden.
Unterstützt wird zudem die Ausgabe
der bibliografischen Daten in verschie-
denen Datenausgabeformaten, die einen
Austausch bzw. den Import und Export
von Metadaten zwischen verschiedenen
Anwendungen ermöglichen. Literatur-
verwaltungssysteme unterstützen diese
Vorgänge durch standardisierte Formate
(BibTeX, RIS, Endnote, XML bzw. vor
allem der von der Library of Congress ent-
wickelte MODS-Standard etc.) und garan-
tieren dem Nutzer dadurch die Möglichkeit
des Wechselns zwischen verschiedenen
Anwendungen oder Rechnern. Fachdaten-
banken und Repositorien wie der Doku-
menten- und Publikationsserver (Edoc)
der Humboldt-Universität stellen die Me-
tadaten zu den Publikationen in verschie-
denen Formaten zur Verfügung und unter-
stützen damit die einfache Übernahme
dieser Daten in Literaturverwaltungssys-
teme. Ähnliche Angebote gibt es auch
von Seiten einiger Bibliotheken: So bietet
etwa der OPAC der Universitätsbibliothek
9 z. B. „Connotea” (URL: http:www.connotea.org) und
„Bibsonomy” (URL: http://www.bibsonomy.org)
Köln10 den direkten Import von Metadaten
zu Publikationen in das webbasierte Li-
teraturverwaltungssystem „Bibsonomy“
an. Weiterhin können beispielsweise die
Metadaten von Büchern auf den Websei-
ten des Internet-Versandhauses Amazon
über ein Icon in der Adresszeile des
Browsers direkt in das Literaturverwal-
tungssystem „Zotero“ übernommen wer-
den oder über die ISBN-Nummer in die
Anwendung „Citavi“ überführt werden.
(Weiter-)Entwicklung von
Literaturverwaltungsprogrammen
an der HU
Auch an der Humboldt-Universität be-
schäftigt man sich mit der (Fort-)Ent-
wicklung und Bereitstellung von web-
basierter Literaturverwaltungssoftware.
Zum Ersten wird am Institut für Biblio-
theks- und Informationswissenschaft der
HU derzeit an einem Update eines Biblio-
graphiewerkzeugs für das an der Uni-
versität weit verbreitete Content-Manage-
mentsystem Plone gearbeitet.11 Kultur-
und Medienwissenschaftler verbinden in
dem Multimedia-Projekt Liblia 2.0 „eine
digitale Bibliothek und Literaturverwal-
tung mit der Funktionalität einer Online-
Community“12. In diesen Entwicklungen
wird gezielt den Bedürfnissen der Uni-
versitätsangehörigen Rechnung getragen.
In einer Zusammenfassung soll fest-
gehalten werden, dass in diesem Über-
blick bei weitem nicht alle Funktionen
dargestellt werden können. Literaturver-
waltungssysteme gewinnen mit der Wei-
terentwicklung ihrer Funktionen bzw.
Software-Erweiterungen und damit der
vereinfachten Benutzbarkeit und der
daraus entstehenden Mehrwerte im wis-
senschaftlichen Publikationsprozess zu-
nehmend an Bedeutung. Perspektivisch
lässt sich vermuten, dass die Grenze
zwischen rein webbasierten und lokalen
Anwendungen verschwimmen wird (so-
10 „Kölner UniversitätsGesamtkatalog“ – URL:
http://kug.ub.uni-koeln.de
11 vgl. Stöhr, Matti: Literaturverwaltung mit Plone, in:
cms-journal, Nr. 31, S. 7–10
12 vgl. Liblia 2.0 – Eine digitale Bibliothek im World
Wide Web – URL: http://www.cms.hu-berlin.de/dl/
multimedia/bereiche/mlz/projekte/projektdaten-
bank/projekte/2007/liblia
tadaten frei im Internet zur Verfügung
stehen, kann die Kollaboration in der Wis-
senschaft unterstützt werden – so lassen
sich etwa Publikationslisten zu Projekten
kooperativ pflegen und veröffentlichen.
Darüber hinaus entstehen durch Software-
Erweiterungen „Mischformen“ der beiden
Prinzipien5 sowie weitere Systeme mit
speziellen Funktionen wie das Plug-in
„Zotero“6, das im Webbrowser Mozilla
Firefox integriert wird.
Weiterhin kann eine Unterscheidung
getroffen werden zwischen Literaturver-
waltungssystemen, die kommerziell an-
geboten werden (z. B. „Citavi“, „EndNote“,
„Endnote Web“, „RefWorks“) und jenen,
die frei und quelloffen im Internet zur kos-
tenlosen Verfügung stehen (so genannte
Open-Source-Anwen-dungen wie „Zotero“,
„Connotea“, „CiteULike“, „Wikindx“7 etc.).
Funktionen von Literaturver-
waltungssystemen
Literaturverwaltungssysteme lassen sich
anhand ihrer Funktionen beschreiben.
Dazu zählt die formale Erschließung von
Literaturquellen in unterschiedlichen,
systemabhängigen Erschließungsgraden
anhand bibliografischer Daten wie Autor,
Titel, Entstehungsort, Entstehungsjahr
etc. Weiterhin bieten Literaturverwaltungs-
systeme die inhaltliche Erschließung von
Quellen durch verschiedene Formen der
Wissensorganisation wie beispielsweise
die Vergabe von Schlagwörtern oder Kate-
gorien, die Erstellung von Gruppen, Ord-
nern und themenspezifischen Bibliogra-
fien. Diese Form der Wissensorganisation
kann system-abhängig um die Erschlie-
ßung mit weiteren, eigenen Metadaten,
Notizen, Anmerkungen erweitert werden
– in diesem Sinne lassen sich z. B. ganze
Zitatesammlungen verwalten. Zudem
bieten einige der Anwendung weitere Zu-
satz-Funktionen, die nicht im Einzelnen
aufgeführt werden können.8
5 z. B. wird das System „EndNote“ durch „EndNote
Web“ ergänzt
6 „Zotero“ – URL: http://www.zotero.org
7 „Wikindx” – URL: http://wikindx.sourceforge.net
8 „Citavi“ bietet hier beispielsweise mit der „Aufgaben-
planung“ und dem Management von Terminen
eine zusätzliche Funktion und mit „Zotero“ können
„Schnappschüsse“ von Webseiten gemacht werden,
die sich editieren lassen.
Webbasierte Literaturverwaltungs-
systeme unterstützen teilweise das Social
Tagging: Nutzer erschließen gemeinsam
Internetquellen durch tags bzw. freie
Schlagwörter, die ohne Regeln vergeben
werden. Nach diesem Prinzip lassen sich
durch andere Nutzer erschlossene Publi-
kationen mit einer gezielten Suche nach
tags finden bzw. können die Interessen
anderer Nutzer „entdeckt“ werden.9
Literaturverwaltungssysteme ermög-
lichen entsprechend ihrer Erschließungs-
methodik verschiedene Suchfunktionen
und das Browsing in den gesammelten
Referenzen und Notizen sowie die pas-
sende Erstellung von Bibliografien bzw.
Literaturverzeichnissen. Die meisten An-
wendungen verfügen über Schnittstellen
zu Textverarbeitungsprogrammen (vorwie-
gend MS Word, Open Office und LaTeX)
bzw. bieten Software-Ergänzungen mit
dieser Funktion an (so genannte Add-ons).
Die Zitierweise bzw. die Outputstyles, die
sich in der Regel innerhalb verschiedener
Fachdisziplinen unterscheiden (z. B. APA,
MLA, Chicago), sind oftmals frei wählbar
bzw. können um eigens erstellte Styles er-
weitert werden.
Unterstützt wird zudem die Ausgabe
der bibliografischen Daten in verschie-
denen Datenausgabeformaten, die einen
Austausch bzw. den Import und Export
von Metadaten zwischen verschiedenen
Anwendungen ermöglichen. Literatur-
verwaltungssysteme unterstützen diese
Vorgänge durch standardisierte Formate
(BibTeX, RIS, Endnote, XML bzw. vor
allem der von der Library of Congress ent-
wickelte MODS-Standard etc.) und garan-
tieren dem Nutzer dadurch die Möglichkeit
des Wechselns zwischen verschiedenen
Anwendungen oder Rechnern. Fachdaten-
banken und Repositorien wie der Doku-
menten- und Publikationsserver (Edoc)
der Humboldt-Universität stellen die Me-
tadaten zu den Publikationen in verschie-
denen Formaten zur Verfügung und unter-
stützen damit die einfache Übernahme
dieser Daten in Literaturverwaltungssys-
teme. Ähnliche Angebote gibt es auch
von Seiten einiger Bibliotheken: So bietet
etwa der OPAC der Universitätsbibliothek
9 z. B. „Connotea” (URL: http:www.connotea.org) und
„Bibsonomy” (URL: http://www.bibsonomy.org)
Köln10 den direkten Import von Metadaten
zu Publikationen in das webbasierte Li-
teraturverwaltungssystem „Bibsonomy“
an. Weiterhin können beispielsweise die
Metadaten von Büchern auf den Websei-
ten des Internet-Versandhauses Amazon
über ein Icon in der Adresszeile des
Browsers direkt in das Literaturverwal-
tungssystem „Zotero“ übernommen wer-
den oder über die ISBN-Nummer in die
Anwendung „Citavi“ überführt werden.
(Weiter-)Entwicklung von
Literaturverwaltungsprogrammen
an der HU
Auch an der Humboldt-Universität be-
schäftigt man sich mit der (Fort-)Ent-
wicklung und Bereitstellung von web-
basierter Literaturverwaltungssoftware.
Zum Ersten wird am Institut für Biblio-
theks- und Informationswissenschaft der
HU derzeit an einem Update eines Biblio-
graphiewerkzeugs für das an der Uni-
versität weit verbreitete Content-Manage-
mentsystem Plone gearbeitet.11 Kultur-
und Medienwissenschaftler verbinden in
dem Multimedia-Projekt Liblia 2.0 „eine
digitale Bibliothek und Literaturverwal-
tung mit der Funktionalität einer Online-
Community“12. In diesen Entwicklungen
wird gezielt den Bedürfnissen der Uni-
versitätsangehörigen Rechnung getragen.
In einer Zusammenfassung soll fest-
gehalten werden, dass in diesem Über-
blick bei weitem nicht alle Funktionen
dargestellt werden können. Literaturver-
waltungssysteme gewinnen mit der Wei-
terentwicklung ihrer Funktionen bzw.
Software-Erweiterungen und damit der
vereinfachten Benutzbarkeit und der
daraus entstehenden Mehrwerte im wis-
senschaftlichen Publikationsprozess zu-
nehmend an Bedeutung. Perspektivisch
lässt sich vermuten, dass die Grenze
zwischen rein webbasierten und lokalen
Anwendungen verschwimmen wird (so-
10 „Kölner UniversitätsGesamtkatalog“ – URL:
http://kug.ub.uni-koeln.de
11 vgl. Stöhr, Matti: Literaturverwaltung mit Plone, in:
cms-journal, Nr. 31, S. 7–10
12 vgl. Liblia 2.0 – Eine digitale Bibliothek im World
Wide Web – URL: http://www.cms.hu-berlin.de/dl/
multimedia/bereiche/mlz/projekte/projektdaten-
bank/projekte/2007/liblia
Page 3
111Literaturverwaltung zur Unterstützung des wissenschaftlichen Publizierens
wie die Plattformunabhängigkeit der ein-
zelnen Anwendungen erreicht werden
sollte).13 Der Rückgriff auf standardisierte
Austauschformate für bibliografische
Daten wird dabei im Vordergrund stehen,
da verschiedene Literaturverwaltungssys-
teme mit den unterschiedlichsten Funk-
13 Beispielsweise wird für 2009 die Entwicklung einer
Mac-Version von „Citavi“ sowie „Citavi Web“ ange-
kündigt.
tionen parallel existieren werden und der
unkomplizierte Datenaustausch für den
Nutzer gewährleistet werden sollte.
Abschließend sei darauf hingewiesen,
dass die Humboldt-Universität im Rah-
men von Campuslizenzen die Literatur-
verwaltungssysteme „EndNote“ (Windows
und Mac)14 und „Citavi“ (Windows)15 an-
bietet sowie an Universitätsbibliothek
und Computer- und Medienservice ein
entsprechendes Informationsangebot
bereitgehalten wird.16
14 siehe: http://www.cms.hu-berlin.de/dl/software/
lizenzen/endnote_html
15 siehe: http://www.ub.hu-berlin.de/service/
literaturverwaltung
16 siehe: http://www.ub.hu-berlin.de/onlinekurs/ik_
modul_d/02_01_literaturverwaltungsprog_01.html
wie die Plattformunabhängigkeit der ein-
zelnen Anwendungen erreicht werden
sollte).13 Der Rückgriff auf standardisierte
Austauschformate für bibliografische
Daten wird dabei im Vordergrund stehen,
da verschiedene Literaturverwaltungssys-
teme mit den unterschiedlichsten Funk-
13 Beispielsweise wird für 2009 die Entwicklung einer
Mac-Version von „Citavi“ sowie „Citavi Web“ ange-
kündigt.
tionen parallel existieren werden und der
unkomplizierte Datenaustausch für den
Nutzer gewährleistet werden sollte.
Abschließend sei darauf hingewiesen,
dass die Humboldt-Universität im Rah-
men von Campuslizenzen die Literatur-
verwaltungssysteme „EndNote“ (Windows
und Mac)14 und „Citavi“ (Windows)15 an-
bietet sowie an Universitätsbibliothek
und Computer- und Medienservice ein
entsprechendes Informationsangebot
bereitgehalten wird.16
14 siehe: http://www.cms.hu-berlin.de/dl/software/
lizenzen/endnote_html
15 siehe: http://www.ub.hu-berlin.de/service/
literaturverwaltung
16 siehe: http://www.ub.hu-berlin.de/onlinekurs/ik_
modul_d/02_01_literaturverwaltungsprog_01.html
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