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Mobile Anwendungssysteme zur Unterstützung ambulanter Pflegedienstleistungen: Anforderungsanalyse und Einsatzpotenziale

by Rüdiger Breitschwerdt, Oliver Thomas, Sebastian Robert
GMS Med Inform Biom Epidemiol (2011)

Abstract

Ambulatory nursing services increasingly gain significance due to immediate implications of demographic developments. However, portable application systems have only been established sporadically in home nursing environments unlike in the comparable domain of technical field service. This paper identifies a new mobile usage scenario by matching healthcare requirements with state-of-the-art concepts. Potentials concerning the support of the actual nursing care processes can be concluded on that basis. The results are of relevance not only to patients and nurses but also to various providers of healthcare and IT solutions.

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Mobile Anwendungssysteme zur Unterstützung ambulanter Pflegedienstleistungen: Anforderungsanalyse und Einsatzpotenziale

MobileAnwendungssysteme zur Unterstützungambulanter
Pflegedienstleistungen: Anforderungsanalyse und
Einsatzpotenziale
Mobile application systems for home nursing services support:
requirements analysis and usage potentials
Abstract
Ambulatory nursing services increasingly gain significance due to imme-
diate implications of demographic developments. However, portable
Rüdiger Breitschwerdt1
Oliver Thomas1
application systems have only been established sporadically in home
Sebastian Robert1nursing environments unlike in the comparable domain of technical
field service. This paper identifies a new mobile usage scenario by
matching healthcare requirements with state-of-the-art concepts. Poten- 1 Universität Osnabrück,
Fachgebiettials concerning the support of the actual nursing care processes can
be concluded on that basis. The results are of relevance not only to Informationsmanagement
patients and nurses but also to various providers of healthcare and IT
solutions.
und Wirtschaftsinformatik,
Osnabrück, Deutschland
Keywords: home care, mobile application system, product-service
system, nursing processes
Zusammenfassung
Aufgrund der demographischen Entwicklung gewinnen ambulante
Pflegedienstleistungen zunehmend an Bedeutung. Anders als im tech-
nischen Kundenservice werden im ambulanten Pflegedienst bislang
weniger umfassend mobile Anwendungssysteme eingesetzt. Dieser Ar-
tikel zeigt ein neues mobiles Anwendungsszenario auf. Anforderungen
werden hinsichtlich Entwicklungen des Gesundheitswesens undmobiler
Dienstleistungen untersucht, woraus sich bestehendes Potenzial im
Bereich einer Unterstützung des eigentlichen Pflegeprozesses folgern
lässt. Aus den Ergebnissen kann geschlossen werden, dass dies nicht
nur für Patienten und Pflegekräfte von Interesse ist, sondern auch für
verschiedene Akteure imUmfeld vonGesundheitswesen und IT-Lösungs-
anbietern.
Schlüsselwörter: ambulanter Pflegedienst,mobiles Anwendungssystem,
hybride Wertschöpfung, Pflegeprozesse
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und
Problemstellung
Die Pflege ist für die Industrienationen und deren Gesund-
heitswesen – insbesondere bedingt durch zunehmende
Alterung und damit mehr chronisch und multimorbid Er-
krankten in der Gesellschaft – eine der größten zukünfti-
gen Herausforderungen [1], [2]. So werden etwa im Jahr
2050 inDeutschland ca. 5Mio.Menschen pflegebedürftig
sein, was einer Steigerung auf annähernd 250% des ge-
genwärtigen Niveaus entspricht. Dem gegenüber steht
eine abnehmende Zahl qualifizierter Pflegekräfte von
derzeit nur noch etwa 200.000 Personen, die allein in
der ambulanten oder auch häuslich genannten Versor-
gung tätig sind [3] und durchschnittlich nur ca. 5 Jahre
im Beruf bleiben [4]. Es wird – aufgrund der abnehmen-
den Bereitschaft zur privaten Übernahme von Pflege –
sogar ein anwachsender Bedarf in diesemDienstleistungs-
feld erwartet.
Als Berufsfeld weist die ambulante Pflege hohe Anforde-
rungen an die zeitliche Flexibilität der Beschäftigten auf
und ist weitestgehendmit Außendiensttätigkeit verbunden
[5], da Pflegebedürftige in derenWohnstättenmedizinisch
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OriginalarbeitOPEN ACCESS
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und hauswirtschaftlich versorgt werden [6]. Sie lässt sich
also von der stationären Krankenhaus- bzw. der Heim-
pflege in (Alten-) Pflegeanstalten durch ihren mobilen
Tätigkeitscharakter an wechselnden Einsatzorten abgren-
zen. Teilweise werden Arbeiten, wie unternehmensinterne
Kommunikation oder das Abholen von Arzneimitteln bzw.
Rezepten, sogar unterwegs von den Pflegekräften erledigt
[7], [8]. Insgesamt bilden die Faktoren „Zeit“ und „Mobi-
lität“ daher zunehmend kritische Ressourcen in der am-
bulanten Pflege.
Brettlecker et al. (2008) unterstellen einen positiven
Einfluss durch Unterstützung von Informations- und
Kommunikationstechnologie (IT) hierauf und regen deren
verstärkten Einsatz für Betreuungsszenarien im Zuhause
der Patienten an [9]. Gleichzeitig wird im Gesundheits-
wesen allgemein aus Qualitäts- und Kostengründen in
vielen westlichen Industrieländern bereits auf diese ge-
setzt [10], u.a. auch in ambulanten Domänen [11].
1.2 Zielsetzung und Motivation
Wie eine (ggf. zusätzliche) Unterstützung zu gestalten ist,
z.B. mittels tragbarer Endgeräte, wie Kafeza et al. (2004)
vorschlagen, damit die in der ambulanten Versorgung
eingesetzten Kräfte die genannten strukturellen Verände-
rungen bewältigen können, soll in dieser Arbeit untersucht
werden [12]. Dazu sollen ausgewählte Ansatzpunkte be-
züglich IT-Unterstützung und Mobilität im Folgenden dis-
kutiert und auf ihre Eignung hin evaluiert werden. Mögli-
che Ansatzpunkte für eine Verbesserung dieser Situation
in der ambulanten Pflege bezüglich IT-Unterstützung und
Mobilität sollen im Folgenden abgewogen werden.
In einigen Publikationen, bspw. bei Rügge (2007) [7] oder
Amberg, Lang (2011) [13], wird der ambulante Pflege-
dienst parallel zum Bereich der technischen Wartung
betrachtet. Von Letzterem eine zeitgemäße IT-Nutzung
abzuleiten, bietet sich aufgrund vieler Ähnlichkeiten an:
Beide haben als Dienstleistung gemein, dass sie in der
Bewegung und an häufig wechselnden Einsatzorten
ausgeübt werden, wobei die primäre Aufgabe in der rea-
len, nicht in der virtuellen Welt liegt [8]. Zudem sind die
eigentlichen Dienstleistungserbringer häufig auf sich al-
lein gestellt [14]. Rügge (2007) und Amberg, Lang (2011)
beschreiben dabei vor allem einen Trend hin zur Ausstat-
tung der Servicemitarbeiter mit mobil einsetzbaren IT-
Anwendungen [7], [13]. Hieraus lassen sich eventuell
Rückschlüsse auf eine zeitgemäße technologische Unter-
stützung gewinnen, denn im Pflegedienst existieren
ähnlich geartete Aufgabenschwerpunkte wie im techni-
schen Kundendienst:
• zum einen der komplexe Prozess der Betreuung selbst,
in diesem Kontext der eines Patienten,
• zum anderen die Dokumentation dieses Vorgangs, zu
dem sowohl die Erfassung der erbrachten Leistung als
auch die Aufnahme des vorgefundenen Zustandes,
hier wiederum der eines Patienten, zählen.
In Abgrenzung dazu sind die Qualitätsansprüche im Um-
gang mit Menschen selbstredend ungleich andere als
bei Maschinen, Konsequenzen falscher Versorgung
drastischer und datenschutzrechtliche Aspekte stärker
zu beachten. Für eine Unterstützung durch IT ist wegen
deren fehlender physischer Komponente bisher haupt-
sächlich der zweite Aspekt in der Pflege als prinzipiell
geeignet erachtet worden.
Für die Bereitschaft, IT in der Pflege in neuen Gebieten
einzusetzen, soll hier zunächst eine vorläufige Nutzenana-
lyse durchgeführt werden, wodurch eventuelle Vorteile
herausgestellt werden könnten. So lässt sich leichter eine
Akzeptanz für neue Technologien generieren, die ansons-
ten nicht bei der Mehrzahl aller potenziellen Anwender
gleichsam anzutreffen ist [15]. Für die angestrebte Ziel-
setzung, Potenziale für die ambulante Pflege unter Be-
rücksichtigung der Spezifika des Gesundheitswesens im
Fortgang dieser Ausarbeitung zu identifizieren und von
bisherigenKonzepten abzugrenzen, folgt im übernächsten
Kapitel ein Überblick über den bisherigen Einsatzmobiler
Technologien im Umfeld von technischem Kundendienst
bzw. Gesundheitswesen. Zuvor wird die angewendete
Untersuchungsmethodik definiert.
2 Methodik
Da die Domäne ambulante Pflege hinsichtlich IT bislang
teilweise wenig erforscht scheint, wurde zunächst ein
Vorstudienansatz verfolgt: Aus einer qualitativen Untersu-
chung sollen Ergebnisse erzeugt werden, die für spätere
Nachforschungen zur Durchführung einer quantitativen
Hauptstudie eingesetzt werden können [16] und zudem
genauere Kriterien und Untersuchungsansätze liefern
können.
Methodisch angelehnt an die Ansätze von Lenz et al.
(2005) oder Jha et al. (2008), die bereits auf flexible IT-
Lösungen in der Gesundheitsversorgung zugeschnitten
wurden, wird zuerst eine Betrachtung des Status Quo
sowie Anforderungsanalyse für geeignete Informations-
systeme vorgenommen, indem Fachliteratur sowie Inter-
views mit Experten als Quellen herangezogen werden
[17], [11]. Hieraus lassen sich durch einen Soll-Ist-Ab-
gleich ungelöste Problemstellungen und somit offenes
Potenzial für IT erschließen.
Die ausgiebige Literaturrecherche mit Fokus auf den
heutigen Stand der Forschung im Bereich IT in der Pflege
erfolgte im Frühjahr 2010 über der Institution der Autoren
zugängliche wissenschaftliche Datenbanken wie Sprin-
gerLink. Des Weiteren wurden Fachjournale, bei-
spielsweise Pflegewissenschaft, auf relevante Artikel
durchsucht. Ausgangspunkt für die Recherche bildeten
Suchabfragen mit den Begriffen IT sowie Pflege (und
synonym verwendete Begriffe, auch in englischer Spra-
che).
Um ein besseres Verständnis für den ambulanten Pflege-
dienst und im Sinne der Problemstellung für diesen ggf.
hilfreiche IT-Systeme zu entwickeln, wurde parallel zur
ausführlichen Literatursuche zu diesem und verwandten
Einsatzbereichen – in den Abschnitten 3.1 bis 3.4 – eine
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vorläufig erste Untersuchung durchgeführt, die zusammen
zwei Ziele fokussierten:
• Einerseits sollte diemomentane IT-Nutzung und damit
ein eventuell impliziter Bedarf an zusätzlichen Lösun-
gen in diesemspeziellen Bereich belegt sowiemögliche
Einflussfaktoren darauf herausgearbeitet werden.
• Andererseits sollten erste Anforderungen aus der
Praxis an mögliche Lösungen induziert werden.
Für diese erste Untersuchungsphase haben sich neben
der genannten Literaturrecherche qualitative Expertenin-
terviews als zweckmäßig erwiesen. Als Zielgruppe waren
(IT-) Verantwortliche ambulanter Pflegedienste definiert.
Das Format für die Befragung bilden Leitfadeninterviews:
richtliniengestützte Befragungen als Instrument der Infor-
mationsgewinnung der qualitativ empirischen Forschung
mit offen formulierten Fragen. Dabei kann der Leitfaden
wie eine flexible Checkliste gehandhabt werden, bei der
die Reihenfolge der Fragestellungen nicht zwingend ein-
gehalten werden muss. So wird es dem Interviewten
möglich, frei und in eigenerWortwahl das angesprochene
Thema zu behandeln. Auf diese Art und Weise können
neue, vom Interviewer vorher nicht bedachte Aspekte
und Themen in das Ergebnis des Interviews einfließen
[18]. In dieser Arbeit sollte die Flexibilität dieses Verfah-
rens zur Identifikation bereits genutzter IT-Lösungen bei-
tragen. Die so erzielten Erkenntnisse werden in Abschnitt
3.5 bzw. Tab. 1 vorgestellt und anschließend in den
Kontext gesetzt.
3 Ergebnisse
3.1 Einsatz mobiler IT im technischen
Kundendienst
Aktuell befinden sich mobile Anwendungssysteme für
den technischen Kundendienst bereits im aktiven Einsatz
bei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, wie
der Windkraft-, Automobil- oder Maschinenbau. Dort ge-
hören Notebooks und PDA dank mobilfunktechnischer
Anbindung an Internet oder andere Netze mittlerweile
zur Ausrüstung der Dienstleistungserbringer (für einen
Überblick vgl. [19] oder [20]). Jüngere Ansätze in diesem
Bereich stellen zusätzliche Informationen des Herstellers
zumService, etwa den Ablauf bestimmterWartungs- oder
Reparaturprozesse, über diese Systeme mobil bereit.
Servicetechniker werden somit unterstützt bei der Aufga-
be, aus der technischen Anlage des Herstellers mit ihren
Dienstleistungen Nutzen für den Kunden zu erzeugen
[14]. Serviceorganisationen, sei es werkseigene oder der
Kundendienst eines klein- und mittelständischen Hand-
werksbetriebs, können auf diese Informationen mittels
mobiler Anwendungssysteme zugreifen. Durch die inte-
grierte Gestaltung einer solchen hybriden Lösung (siehe
Abschnitt 3.10) kann die Effizienz einer Dienstleistungs-
erbringung gesteigert werden [21].
3.2 Nutzung von IT in Gesundheitswesen
und Pflege allgemein
Der medizinische Bereich setzt neue Technologien in
vielen Szenarien ein, oft sogar als „Vorreiter“ [7]. Dies
gilt ebenso im Fall der IT und mobiler Endgeräte [22]. Es
finden sich hier bereits unterschiedlichste Einsatzgebiete,
in denenmobile Lösungsansätze häufig gewählt werden,
wie u. a. das der klinischen Pflegedokumentation. Bei
denmeisten kommerziellen Angeboten unter der Bezeich-
nung „mobil“ handelt es sich bislang um Notebook-Aus-
gaben existierender PC-basierter Applikationen oder um
Portierungen solcher auf PDA. Neuartige sog. mobile
Dienstleistungen sind etwa Notruflösungen für Herzkran-
ke, die mit einem speziellen Endgerät ausgestattet wer-
den, das zusätzlichmit einem Vitalwert-Messgerät ausge-
rüstet ist. Dazu gehört eine mit Fachkräften besetzte
Zentrale, die ggf. entsprechende Rettungsmaßnahmen
einleitet [7]. Weiterhin existieren u.a. TabletPC-basierte
Ansätze in der Notfall-/ Rettungsmedizin [23].
Stationär spielen laut Hübner et al. (2008) hardwareseitig
Spezialgeräte mit kleinem Bildschirm aber noch solange
eine unbedeutende Rolle [24], bis deren hinsichtlich
Bildschirmgröße und Eingabemöglichkeiten beschränkte
Ressourcen von hoher Bedienungsfreundlichkeit abgelöst
werden können [25], [26].
Der Softwaremarkt für die Pflegedokumentation ist im
Krankenhaus-Bereich hingegen unübersichtlich. Der Zu-
sammenhang zwischen solchen Systemen und deren
Effekten auf die praktische Pflege wurde bzgl. der an sie
gerichteten Erwartungen oder nach monetären Auswir-
kungen bisher kaum analysiert [27].
Obwohl ca. drei von vier Pflegekräften IT und Internet
auch für fachliche Aspekte nutzen und sich ihnen damit
eine gewisse Affinität unterstellen lässt, mangelt es trotz
deren hoher Motivation und Kompetenz häufig an infor-
mationstechnologischen Ressourcen, bspw. einer IT-ge-
stützten Wissensbasis für die Pflege, die stationär vom
Krankenhaus zur Verfügung gestellt werden könnte [27],
[28], [29], [30]. Legt man ähnliche Präferenzen auch bei
ambulanten Pflegedienstleistern zu Grunde, sind wegen
deren wechselnder Einsatzorte allerdings die Rahmenbe-
dingungen sogar noch ungünstiger.
Dass der IT in der Pflege zudem als Thematik auf politi-
scher Ebene schon Bedeutung beigemessen wurde, ver-
deutlichen bspw. Forschungsprojekte auf der Agenda von
EU und Bundesländern wie WISECARE, TELENURSE [2]
oder EVACARE [31].
3.3 IT-Einsatz bei ambulanten
Pflegedienstleistungsanbietern
Bereits seit Längerem werden zur Pflegeplanung,
Stammdatenpflege, Überwachung des Flottenmanage-
ments mittels GPS oder zur täglichen Einsatzplanung
größtenteils stationäre Anwendungssysteme eingesetzt
[32]. Ähnliches gilt für Werkzeuge des Prozessmanage-
ments zur Qualitätssicherung [33]. Daneben lassen sich
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übergreifende Ansätzewie internetbasierte Pflegeberichte
in regionalen Versorgungsnetzwerken von Gesundheits-
dienstleistern, die auch ambulante Pflegedienste umfas-
sen, identifizieren. Bestehende Konzepte heißen z. B.
„Pflegeform“ oder „ePflegebericht“, konzipiert zur Infor-
mationsweitergabe zwischen verschiedenen kooperieren-
den Pflegeinstitutionen [34], [35]. Diese sind aber bisher
nur ortsgebunden genutzt worden (ebenso wie offenbar
die in den später folgenden Interviewergebnissen erhobe-
nen IT-Systeme „Pflegedienst 2000“ oder „MediFox“) zur
Abrechnung und Verwaltung, Personaleinsatzplanung,
Statistik, Pflegeplanung oder -dokumentation.
3.4 Ansätze mobiler IT-Nutzung in der
ambulanten Pflege
Bei der Erbringung der ambulanten Pflegeleistung besteht
gemäß Rügge (2007) vor allem in der Dokumentation vor
Ort Unterstützungsbedarf [7]. Der Umgang mit papierba-
sierten Akten erübrigt sich laut Lipinski (2005) potenziell
für ambulant tätige Pflegedienstmitarbeiter jedoch tech-
nisch bereits weitestgehend: Pflegedaten können direkt
im mobilen Gerät erfasst und durch Schnittstellen in be-
stehende Informationssysteme übertragen werden, die
deren sinnvolle Planung undWeiterverarbeitung überneh-
men [32]. Erfassungsfehler der erbrachten Leistungen
und daraus resultierende Inkonsistenzen bei der Abrech-
nung werden somit vermieden und die Vorgänge allge-
mein verkürzt, da einmanueller Datenübertrag nichtmehr
nötig ist. Pflegerisches Handeln, Qualität und Betriebsfüh-
rung eines ambulanten Pflegedienstes würden somit
unterstützt und die administrative Arbeit vereinfacht [32].
Allerdings steht der praktischen Umsetzung noch der
Rahmenvertrag über die ambulante pflegerische Versor-
gung entgegen.
Existent sind zudem vereinzelt bereits Smartphone-ba-
sierte Systeme (siehe z. B. das regional geförderte „bee-
caremobile“), die vor allem folgende Aufgabenstellungen
adressieren:
• Erfassung der Leistungen des Pflegepersonals vor Ort
und sofortige direkte Datenübertragung in das zentrale
Pflegeinformationssystem als Grundlage der Kassen-
und Gehaltsabrechnung
• Einsatz-, Termin- und Tourenplanungmit mobiler Erfas-
sung der Zeitabläufe vor Ort und davon abhängig da-
tenbankbasierte Modifikationen der Gesamt-Touren-
planung
• Zentrale Beschaffungsplattform fürmobile Bestellmög-
lichkeiten mit Implementierung der Logistikkette Arzt-
Rezept-Apotheke
Solche Systeme wurden bereits in der Vergangenheit in
Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen entwickelt und
praktisch getestet [32], [7], [36]. Jedoch bestanden teil-
weise fortwährende Schwierigkeiten besonders mit der
Bedienungsfreundlichkeit des mobilen Endgeräts, der
Vernetzung der unterschiedlichen Beteiligten und fehlen-
der Kompatibilität bei den eingesetzten Systemen [7].
Derzeit versucht bereits ein Forschungsprojekt („VitaBIT“)
einige dieser Lücken zu schließen [3], [37].
3.5 Interviewresultate zu
IT-Anwendungen im ambulanten
Pflegedienst
In den durchgeführten Expertenbefragungen wurden die
verwendeten, auf derzeitige IT-Systemnutzung abzielen-
den Fragestellungen vorläufig anhand des Prozesses, in
dem sie innerhalb der ambulanten Pflege auftreten, ge-
gliedert, um im Anschluss eine Interpretation der Ergeb-
nisse spezifischer gestalten zu können. Diese Einteilung
erfolgte – anhand eigener Vorab-Recherchen mit einer
Pflegekraft und einem Abgleichmit Angaben in bestehen-
der Literatur [7], [32] – in die vier Prozesse „Dienstpla-
nung“, „Tagesplanung“, „Pflege“ und „Dokumentation“
(siehe Tabelle 1). In der Dienstplanung sollten Aspekte
berücksichtigt werden, die sich auf die Planung, Erstellung
und Verwaltung der Dienstpläne beziehen. Nutzer von IT-
Lösungen wäre hier primär die Pflegedienstleitung, die
die Dienstpläne für die Pflege verfasst. Sind diese erstellt,
müssen in einem zweiten Schritt präzise Tagespläne
aufgestellt und kontrolliert werden. Auf diesen beiden
Abläufen aufbauend kann nun die eigentliche Pflege der
Patienten vor Ort erfolgen. Hierfür potenziell relevant sind
Informationenüber Patienten, die derenKrankengeschich-
te, Behandlung undMedikation umfassen. Abschließend
müssen Informationen für den Pflegedienst und andere
Interessensgruppen wie Krankenkassen, Ärzte oder Pati-
enten dokumentiert werden.
Erhoffter Vorteil dieser Systematisierung war, neben der
Einordnung der IT in die entsprechenden Abläufe, auf
diese Weise außerdem die Ermöglichung betriebsüber-
greifend differenzierterer Aussagen über Umfang und Art
der im jeweiligen Prozess genutzten IT-Lösungen.
Im Rahmen verschiedener Treffen und Telefonate im April
2010 mit sechs (IT-) Verantwortlichen – allesamt Pflege-
dienstleiter, z. T. auch noch in der Pflege aktiv – regiona-
ler ambulanter Pflegedienstanbieter unterschiedlicher
Größe und Struktur durchgeführt.
3.6 Aus der Vorstudie ermittelte
Anforderungen des ambulanten
Pflegedienstes
Die bereits beschriebene Interviewmethodik hat dabei
Erkenntnisse erzielt (siehe Tabelle 1), aus denen die Au-
toren zusammenmit der Literaturrecherche Kernresultate
und daraus entstehende Anforderungen zusammenfas-
send interpretieren (siehe Tabelle 2). Wie sich diese Er-
gebnisse als Basis in einem künftigen Untersuchungs-
spektrum einordnen lassen, wird nachfolgend erläutert.
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Tabelle 1: Untersuchungsfragen und -antworten (Nennungen in Klammern)
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Tabelle 2: Untersuchungsergebnisse der Vorstudie und abgeleitete Anforderungen
3.7 Systematisierung der untersuchten
Bereiche
Aus den in der Vorstudie bisher analysierten Einsatzge-
bieten lassen sich Schwerpunkte bilden, die als Ordnungs-
rahmen für die Einordnung von IT-Unterstützung in dieser
Domäne dienen können. Die Aufteilung, wie in 3.5 ange-
nommen, lässt sich damit erweitern und nach dem jewei-
ligen Zweck strukturieren, dem die IT dienen soll, etwa:
• Planung der Dienstleistung
• Kommunikation zu Kunden, Kollegen, Partnerfirmen
oder anderen Interessensgruppen, die an der Dienst-
leistung Anteil oder Interesse haben
• Eigentliche Service-Prozesse
• Dokumentation der Dienstleistung
• Logistische Abwicklung der Dienstleistung, auch mit
externen Partnern
• Abrechnung des Service und sonstige Verwaltungsauf-
gaben zu dessen Erbringung
Dieser Unterteilung kann man nun diejenigen Bereiche
entnehmen, für die bereits ausreichende Lösungen erar-
beitet wurden bzw. in denen noch keine verfügbar sind.
3.8 Ableitung der
Untersuchungspotenziale für einen
Einsatz in ambulanter Pflege
Von den im vorigen Abschnitt systematisierten Themen-
gebieten wurden die meisten bereits an anderer Stelle
im Hinblick auf die Anwendungsdomäne ambulante
Pflegedienste untersucht, wie in den Literaturrecherche-
Passagen belegt: Es gibt Ansätze für IT-Lösungen, die bei
Planung, Kommunikation, Dokumentation, Abrechnung,
Logistik oder Administration unterstützend und im Be-
darfsfall auch mobil verwendbar sind.
Einzig zur direkten Unterstützung der Pflegeleistung selbst
(siehe R1 in Abschnitt 3.6, dritter Spiegelpunkt in 3.1)
wurde bisher der IT entweder diese Fähigkeit abgespro-
chen, etwa bei Rügge (2004), oder ihre Potenziale in
diesem Zusammenhang offenbar nicht weiter verfolgt
[15]. Bisher erfolgte diese Unterstützungmangels vorhan-
dener Technologien zumeist entweder papiergestützt
oder erinnerungsbasiert und war durch weite Wege und
schwere Ausrüstung gekennzeichnet [7]. Gut ersichtlich
wird dies durch bestehende Beschreibungen der Pflege-
abläufe in gedruckter Form. So listen Döbele et al. (2006)
in einem mehrere hundert Seiten langen Leitfadenbuch
für die ambulante Pflege allein über 130 verschiedene
Pflegemaßnahmen, die vielschrittige Vorgänge umfassen,
z. B. zu komplexen Behandlungen bei Brüchen oder der
Medikationsgabe [38]. Dabei werden, unterstützt von
Abbildungen, jeweils Informationen zu Indikation, Sympto-
men, Vorbereitung, Durchführungsvorgehen, Nachberei-
tung oder benötigten Hilfsmitteln, wie Medikamenten
oder Verbandsmaterial, gegeben [38]. Ähnliches gilt für
die bspw. in der Pflegeausbildung verwendeten Standard-
werke von Köther (2007) bzw. Juchli et al. (1998) oder
in den USA Hegner et al. (2008) [39], [40], [41]. Zusätz-
lich gibt es im Sinne des Qualitätsmanagements bereits
Ansätze zur Behandlung und Pflege anhand von Prozess-
schritten [42], allerdings bisher noch ohne IT-Unterstüt-
zung.
Indes müsste sich die ambulante Pflege stärker an der
Patientenbetreuung und der dabei zu erbringenden
Qualität der Prozesse orientieren [43], [22], [27]. Hinzu
kommt die Tatsache, dass weiterhin Defizite in Pflegeab-
läufen u. a. aus Unkenntnis bestimmter Vorgehensweisen
jederzeit auftreten können [28] – gerade angesichts des
eingangs erwähnten Schwindens qualifizierter Kräfte und
daraus resultierender häufigerer Anstellung fachlich ge-
ringer Ausgebildeter ein interessanter Aspekt [44]. Hierbei
könnten klein dimensionierte, mobile IT-Systeme (siehe
R2) Informationslücken schließen, Fehler im Patienten-
versorgungsprozess damit vermeiden und so die Versor-
gungsqualität verbessern und auch Kosten verringern.
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Eine Anwendung dieses Konzepts auf die ambulante
Pflege unterstützt auch die These von Leimeister et al.
(2005), dass tragbare IT-Systeme als „mobiles fachliches
Nachschlagewerk“ im medizinischen Bereich eingesetzt
werden können [45]. Da die Qualität [46] und das zeitli-
che Einsparpotenzial einer IT-gestützten alleinigen Doku-
mentation im Pflegeumfeld zudem angezweifelt werden
[22], könnte eine Zusatzunterstützung der Dienstleistung
wie ein leicht mitführbares Kompendium einen entschei-
dendenMehrwert bringen: Denn amOrt deren Erbringung
müssen auch Abbildungen oder Anleitungen einsehbar
sein, was integraler Bestandteil der Serviceleistung ist
und u.a. auch für die Aufgabenbereiche ambulanter
Pflegekräfte gilt [7]. Noch scheinen Systeme zu fehlen,
die den Pflegeprozess transparent abbilden [47], [48],
[49]. Legt man die in Abschnitt 3.6 aufgestellten Anforde-
rungen zu Grunde und vergleicht diesemit dem verwand-
ten Bereich des technischen Kundendienstes bzw. den
dort vermehrt eingesetzten, integrativen hybriden IT-Lö-
sungen (siehe R3, R4), lässt sich feststellen, dass zusätz-
liche, aktuelle Informationen zum Service, etwa zum Ab-
lauf bestimmter Prozesse, jüngst bereits mobil bereitge-
stellt werden können. Auf sich allein gestellten Dienstleis-
tungserbringernwird dort auf dieseWeise geholfen, einen
zusätzlichen Nutzen für den Kunden zu erzeugen, da eine
zusätzliche, hilfreiche Wissensbasis verfügbar wird [14].
DieMitnahme von gedruckten Leitfäden für Pflegeabläufe
könnte obsolet werden, weil diese auf dem standardmä-
ßig bereits mitgeführten mobilen Endgerät auch aktuali-
sierbar und als grafisches Prozessmodell zu visualisieren
wären. Wie dies konkreter aussehen kann, wird nachfol-
gend dargestellt.
3.9 Beispielprozess
Potenziale der Gestaltung eines prozessunterstützenden
Anwendungssystems sollen hier besonders auf zwei
Ebenen präsentiert werden: zunächst, wie sich Abläufe
aus der Realität der ambulanten Pflege abbilden lassen
und im Anschluss, wie solch eine Lösung im Kontext hy-
brider Wertschöpfung vorstellbar ist.
Bevor eine IT-gestützte Prozessdarstellung auf mobilen
Endgeräten umsetzbar ist, müssen zunächst standardi-
sierte, qualitätsgesicherte PflegeabläufemittelsModellie-
rung erfasst werden. Als ein an dieser Stelle vereinfachtes
Beispiel soll das Prozessmodell zum Verbandwechsel in
Abbildung 1 dienen, so wie es auch auf einem kleinen
Bildschirm darstellbar sein könnte. Hierzu sollte allerdings
ebenfalls erforscht und identifiziert werden, wie eine ge-
eignete, intuitiv verständliche, visuelle Präsentationsform
sowie Text- – oder ähnlich zu Navigationsgeräten – optio-
nal auch Sprachausgabe genau gestaltet werden sollte.
Dies wäre einer optimierten Nutzerfreundlichkeit bei der
Pflegekraft als Endanwender und besserer erbrachter
Qualität für die Patienten dienlich. Zusätzlich muss be-
stimmt werden, ob bestimmte, z. B. seltener vorkommen-
de Prozesse priorisierter Umsetzung bedürfen würden.
3.10 Umsetzungsszenarien als hybride
Leistungsbündel
Für mögliche Szenarien zur Umsetzung sollte ein ganz-
heitlicher Ansatz gewählt werden. D. h. integriert in bereits
verwendete Lösungen, wie Smartphones hardwareseitig,
oder über Schnittstellen leicht mit anderen Systemen zu
verbinden oder gar bereits darin eingebunden. Aus dem
Bereich des technischenKundendiensts kannman zudem
eine dafür potenziell hilfreiche Betrachtungsweise über-
nehmen, die im Bereich der ambulanten Pflege offenbar
noch nicht untersucht wurde: hybride Wertschöpfung.
Dieses Konzept beschreibt das Verschmelzen der Produk-
tionsfaktoren physisches Produkt und servicerelevante
Informationsbausteine zu effizienten Dienstleistungspro-
zessen, die dem Kundendienst mobil zur Verfügung ge-
stellt werden. Der Service eines Dienstleisters, in diesem
Kontext also die ambulante Pflegedienstleistung, lässt
sich durch so geschaffenemobile sog. hybride Leistungs-
bündel, z. B. mit Dokumentationslösungen undmoderner
IT in Form von mobilen Endgeräten verzahnt, kundenge-
rechter und effizienter gestalten [21], [50].
Abbildung 2mit Akteuren (v.a. Patient, Dienstleister), aus
Rückkopplung gewinnbaren Aspekten (v.a. zur Qualität)
und Lösungskomponenten (Dienstleistung, Soft-/Hardwa-
re, andere Produkte) soll daher als offene Systemlösung
im Sinne hybrider Wertschöpfung verstanden sein, die
durch weitere Ergänzung (siehe für mögliche Beispiele
auch Abschnitt 3.2) vervollständigt werden kann. Innova-
tiv daran wäre die Verzahnung etwa von Pflegedienstleis-
tung, mobilem IT-Endgerät und Software zur Prozessun-
terstützung sowie Dokumentation. Dies könnte Medien-
brüche verhindern und somit Synergien schaffen, bei-
spielsweise durch automatisiertes Ausfüllen benötigter
Checklisten im Verlauf des Pflegeprozesses. In diesem
der Pflege ähnelnden Umfeld hat sich solch eine Bünde-
lung im Sinne hybrider Wertschöpfung geradezu als Inno-
vationsmotor herausgestellt [21].
Analog zum technischen Kundendienst ergibt sich ein
solch hybriderer Lösungscharakter, wie in Abbildung 2
dargestellt, aus Produkt (Anwendungssystem aus Hard-
und Software) sowie Pflegedienstleistung. Die Rückkopp-
lung sowohl vom Empfänger der Pflegeleistung an den
Pflegedienst bzgl. der Qualität, als auch weiter an den IT-
Lösungsanbieter hinsichtlich der daraus entstehenden
Anforderungen an die Informationsversorgung (Anwen-
dungssysteme, Hardware). Zusätzliche Dienstleister
können hierbei noch hinzugezogen werden.
Inwiefern dabei Lösungsanbieter den ambulanten Pflege-
diensten über die reine Soft- und Hardware hinaus zusätz-
lichen Service, wie zentrale Datenhaltung, Software-Ak-
tualisierung oder qualitätsgesicherte, standardisierte
bzw. kundenspezifisch angepasste Pflegeprozesse in der
Software, anbieten sollten, wäre ein zusätzlicher Ansatz-
punkt aus der Perspektive hybrider Wertschöpfung.
Ebenso ist zu identifizieren, ob oder inwieweit ambulante
Pflegedienste solche, Anwendungssysteme ergänzende
Lösungen an externe Dienstleister vergeben würden, da
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Abbildung 1: Grafische Darstellung Verbandwechsel-Prozess angelehnt an [38], nach [54] beispielhaft als erweiterte
Ereignisgesteuerte Prozesskette
Abbildung 2: Hybride Wertschöpfungskette mobiles Anwendungssystem in ambulanter Pflege
auf IT dort laut den Vorstudienergebnissen kein Hauptau-
genmerk gerichtet ist. Dazu könnten neben Patienten
auch Behörden oder Organisationen, die sich um eine
kostensenkende Standardisierung von Pflegeprozessen
bemühen, allen voran die Kranken- und Pflegekassen,
Interesse an einemganzheitlichen hybriden Ansatz haben.
Eine breite Unterstützung durch solche Interessensgrup-
pen ist in jedem Fall erforderlich, um eine Standardisie-
rung oder gar Normung zu realisieren [51]. Als weitere
potenzielle Akteure lassen sich die behandelnden Ärzte
oder Zulieferer bspw. vonMedikamenten oder Verbands-
material einstufen.
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Breitschwerdt et al.: Mobile Anwendungssysteme zur Unterstützung ambulanter ...
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4 Diskussion und Fazit
Die bislang vorgelegten Ergebnisse können nicht als
universell betrachtet werden, so hätten sich z.B. weitere
Anforderungen formulieren lassen. Eine Validierung der
Interviewfragen wurde nicht innerhalb der Ausarbeitung
expliziert, sondern nur über Rückmeldungen, die insofern
positiv waren, als sie IT-Bezug aufweisen. Daher wäre ein
anderer Fragenkatalog sowie serielles anstatt paralleles
Vorgehen bei Literaturrecherche und Interviews denkbar
gewesen. Zur Validierung der abgeleiteten Thesen wird
bereits eine Hauptstudie durchgeführt, deren Ziel es ist,
quantitative Rückschlüsse zu erzielen. Obschon interna-
tional zusätzliche Arbeiten zum Thema verfügbar sind,
wird sich wie die bisher verfolgte Fragestellung auch de-
ren Fortsetzungwegen landesspezifischerGegebenheiten,
z. B. Demographie und Altersversorgungsstrukturen, zu-
vorderst der Lage in Deutschland widmen. Da insgesamt
verhältnismäßig wenige Ausarbeitungen zu IT-Einsatz in
ambulanter Pflege vorzuliegen scheinen, könnte die Be-
fragung von Interessensgruppen aus der Domäne wert-
volle zusätzliche Erkenntnisse bringen. Einschränkend
wirken hier zudem Gesetzeslage [52], [53], wie etwa
Datenschutzbestimmungen, oder die Verbreitung etablier-
ter Standards.
Auf welche Weise fortgefahren werden kann, soll im
Rahmen eines übergeordneten Ansatzes genauer unter-
sucht werden, der hier mit einer Vorstudie begonnen
wurde. Die hieraus – auch durch Analogien zu anderen
Domänen – gewonnenen ersten Ergebnisse weisen auf
bisher nur bedingt genutztes Potenzial für Anwendungs-
systeme hin. Zudem wären die existierenden Fragestel-
lungen zu verfeinern, auszubauen und konkrete Rückmel-
dungsmöglichkeiten zu den hier gefassten Ideen einer
grafisch aufbereiteten Pflegeprozessdarstellung oder
Geschäftsmodellen im Sinne hybrider Wertschöpfung
aufzunehmen. Erste evaluierende Gespräche mit ausge-
bildeten Pflegekräften und erfahrenen IT-Kräften der
Domäne ergaben positive Rückmeldungen hierzu.
Anmerkung
Interessenkonflikte
Die Autoren erklären, dass sie keine Interessenkonflikte
in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.
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Korrespondenzadresse:
Rüdiger Breitschwerdt
Universität Osnabrück, Fachgebiet
Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik,
Katharinenstr. 3, 49069 Osnabrück
ruediger.breitschwerdt@uni-osnabrueck.de
Bitte zitieren als
Breitschwerdt R, Thomas O, Robert S. Mobile Anwendungssysteme zur
Unterstützung ambulanter Pflegedienstleistungen: Anforderungsanalyse
und Einsatzpotenziale. GMS Med Inform Biom Epidemiol.
2011;7(1):Doc04.
DOI: 10.3205/mibe000118, URN: urn:nbn:de:0183-mibe0001180
Artikel online frei zugänglich unter
http://www.egms.de/en/journals/mibe/2011-7/mibe000118.shtml
Veröffentlicht: 17.10.2011
Copyright
©2011 Breitschwerdt et al. Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel
und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen
(http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf
vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden,
vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.
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