Sind zu Krisenzeiten multinationale Unternehmen besser aufgestellt als uninationale Unternehmen
Available from
Michael Whittaker's profile on Mendeley.
Page 1
Sind zu Krisenzeiten multinationale Unternehmen besser aufgestellt als uninationale Unternehmen
Sind
in
Krisenzeiten
multinationale
Unternehmen
besser
aufgestellt
als
uninationale
Unternehmen?
von
Michael
Whittaker
für
die
VU
Globalisation
and
Strategies
of
Internationalisation
von
Prof.
M.
Fuchs,
Wintersemester
2010/11,
Karl-‐Franzens-‐Universität
Graz.
Page 2
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1
VORSTELLUNG
DER
STUDIEN
1
DIREKTINVESTITION
IN
KRISENZEITEN
2
BESCHÄFTIGUNG
ZU
KRISENZEITEN
3
FAZIT
4
QUELLEN
5
EINLEITUNG
1
VORSTELLUNG
DER
STUDIEN
1
DIREKTINVESTITION
IN
KRISENZEITEN
2
BESCHÄFTIGUNG
ZU
KRISENZEITEN
3
FAZIT
4
QUELLEN
5
Page 3
1
Einleitung
Die
Finanzkrise,
die
Ende
2006
bzw.
Anfang
2007
begonnen
hat
(Scharff
2009),
war
für
mich
und
meine
Kommilitonen
eine
besondere
Krise.
Nicht
nur
aus
dem
Grund,
weil
sie
ein
so
enormes
Ausmaß
besaß1,
sondern
auch
weil
dies
die
erste
große
Krise
war,
die
wir
bewusst
wahrnahmen.
Obwohl
sich
die
Ökonomen
nicht
einig
sind,
ob
die
ungünstigste
Zeit
der
Krise
schon
vorüber
ist,
spüren
wir
zumindest
hierzulande
beim
Konsum
und
dem
Geschäftsklimaindex
bereits
einen
Aufwärtstrend
(finanzen.net
2010).
Eine
Frage,
die
ich
mir
zu
dieser
Zeit
stelle,
ist
wie
gut
oder
schlecht
Unternehmen
die
Krise
überstehen.
Insbesondere
im
Kontext
des
Themas
Globalisierung
wäre
eine
wichtige
Frage,
ob
multinationale
Unternehmen2
(kurz:
MNU)
die
Folgen
von
Krisen
besser
bewältigen
konnten
als
uninationale
Unternehmen
–
jene
Unternehmen,
die
nur
in
einem
Land
aktiv
sind.
Da
multinationale
Firmen
häufig
besonders
groß
sind
und
über
viel
verfügen,
könnte
intuitiv
man
vermuten,
dass
diese
großen
Firmen
Krisenzeiten
besser
überstehen.
Würde
dies
stimmen,
so
wäre
offenbar
ein
weiterer
Vorteil
von
MNU
eine
Sensitivität
gegenüber
Krisen.
Anhand
einer
zuerst
monetären
Analyse
von
Direktinvestitionen,
gefolgt
von
einer
Studie,
die
zusätzlich
auch
die
Entwicklung
der
Beschäftigten
berücksichtigt,
werde
ich
im
Folgenden
verschiedene
empirische
Ergebnisse
vorstellen.
Vorstellung
der
Studien
Um
die
oben
beschriebene
Fragestellung
zu
beantworten,
mache
ich
von
Studien
Gebrauch,
die
sich
empirisch
mit
ähnlichen
Fragestellungen
auseinandersetzen.
Leider
ist
es
zur
Zeit
noch
zu
früh
solche
Effekte
anhand
der
aktuellen
Krise
zu
untersuchen.
Die
Daten,
die
hierfür
benötigt
werden,
sind
noch
nicht
in
ausreichender
Quantität
und
Qualität
vorhanden.
1
Schätzungen
zufolge
kostete
sie
weltweit
Banken,
Unternehmen
und
ganze
Volkswirtschaften
über
7
Billionen
Euro
(Handelsblatt 2009)
2
„international
tätige
Unternehmen,
die
durch
Tochtergesellschaften
oder
Betriebsstätten
sowie
Niederlassungen
in
zahlreichen
Staaten
präsent
sind“
(Duden
Verlag
2009)
Page 4
2
Die
genutzten
Studien
von
Álvarez/Görg
und
Lipsey
beschäftigen
sich
aus
diesem
Grund
mit
vergangenen
Krisen3:
Álvarez
und
Görg
untersuchen
die
Chile-‐Krise
Ende
der
90er-‐Jahre,
bei
der
das
Wirtschaftswachstum
Chiles
nach
einer
langen
Wachstumsphase
(BIP-‐Wachstum
ca.
7%
p.
a.)
im
Jahr
1999
bedingt
durch
die
Finanzkrise
(Asienkrise)
auf
-‐0,8%
p.
a.
sank.
Die
Arbeitslosenzahl
stieg
um
mehr
als
50%
(Álvarez
und
Görg
2007).
Die
Autoren
untersuchen
anhand
von
Daten
von
Betrieben
aus
Chile,
ob
die
Beschäftigung
in
Betrieben,
die
von
multinationalen
Unternehmen
betrieben
werden
weniger
oder
stärker
sank
als
von
heimischen
chilenischen
Unternehmen.
Ebenso
wird
untersucht,
ob
der
Zugang
zu
Kapital,
insbesondere
zu
Kapital
der
ausländischen
Mutterkonzerne,
eine
Rolle
spielt.
Lipsey
untersucht
mit
Daten
der
Lateinamerika-‐Krise
1982,
der
Peso-‐Krise
1994
in
Mexiko
und
der
Asienkrise
1997/1998,
ob
sich
die
amerikanischen
Direktinvestitionen
–
kurz
FDI4
-‐
im
Vergleich
zu
anderen
Investitionen
ins
Ausland
anders
entwickelt
haben.
Direktinvestitionen
sind
Kapitalflüsse
in
das
Ausland,
um
Tochtergesellschaften
oder
Betriebsstätten
zu
bilden5.
Wenn
der
Umfang
der
FDI
nicht
so
stark
fällt,
wie
der
anderer
Investitionen
in
das
Land,
so
ist
davon
auszugehen,
dass
multinationale
Firmen
zu
Krisenzeiten
besser
dastehen
und
mehr
Kapital
zur
Verfügung
haben
und
investieren
können,
als
heimische
Firmen.
Insbesondere
zu
Krisenzeiten,
wo
unter
Umständen
Kredite
schwieriger
zu
bekommen
sind,
ist
zu
vermuten,
dass
die
Kapitalausstattung
und
die
Liquidität
ein
wichtiger
Faktor
zur
Fortführung
eines
Unternehmens
darstellen.
Direktinvestition
in
Krisenzeiten
Wie
schon
beschrieben,
könnten
die
FDI
in
ein
Land,
in
dem
eine
Krise
herrscht,
ein
guter
Indikator
dafür
sein,
ob
multinationale
Unternehmen
und
ihre
Tochterunternehmen
die
Krise
besser
bewältigen.
3
Hierbei
ist
anzumerken,
dass
untersuchten
Krisen
zwar
keine
globalen
waren,
die
Ergebnisse
uns
aber
wahrscheinlich
trotzdem
der
Antwort
einen
Schritt
näher
bringen
können.
4
für
englisch:
Foreign
Direct
Investment
5
FDI
sind
also
keine
einfache
Kapitalanlage,
sondern
dienen
besonders
dazu
„im
Ausland
unternehmerisch
tätig
zu
sein
oder
entscheidenden
Einfluss
auf
unternehmerische
Tätigkeit
auszuüben“
(manalex
2009).
Page 5
3
Bei
der
Analyse
der
oben
beschriebenen
drei
Krisen6
ergibt
sich
das
Ergebnis,
dass
die
zu
Beginn
beschrieben
Vermutung
stimmt:
In
allen
drei
untersuchten
Krisen
sanken
zwar
insgesamt
die
Investitionen
in
das
jeweilige
Krisengebiet,
die
FDI
jedoch
mit
deutlich
geringerer
Rate.
Die
Höhe
der
Direktinvestitionen
ist
außerdem
in
keinem
der
drei
Fälle
rückläufig
gewesen.
Tabelle
1
zeigt
diese
Entwicklung
am
Beispiel
der
Peso-‐Krise.
Tabelle
1:
„Ausländische
Investitionen
nach
Mexiko,
1992-‐98“
als
Beispiel
(Lipsey
2001,
Tabelle
10)
Ebenso
haben
sich
die
Firmen,
die
ganz
oder
teilweise
US-‐Muttergesellschaften
gehörten,
deutlich
schneller
erholt
als
die
heimischen
Firmen.
So
war
die
Produktionsleistung
der
Firmen
mit
US-‐Müttern
1998
im
Vergleich
mit
dem
Wert
vor
Beginn
der
Krise
bereits
25%
über
dem
Wert
von
1994,
der
Output
der
heimischen
Betriebe
jedoch
nur
7%
über
dem
Vorkrisenwert
(Lipsey
2001).
Beschäftigung
zu
Krisenzeiten
Ganz
im
Gegensatz
dazu
sind
die
Ergebnisse
von
Álvarez
und
Görg:
Bei
der
Untersuchung,
ob
sich
Betriebe
von
MNU
anders
als
heimische
Betrieben
bezüglich
der
Beschäftigungszahl
entwickelten,
konnten
die
Autoren
keine
signifikanten
Unterschiede
feststellen
und
somit
widerlegen,
dass
sich
multinationale
Konzerne
anders
zu
Krisenzeiten
verhalten
(siehe
Tabelle
2).
6
nämlich
der
Lateinamerika-‐Krise
1982,
der
Peso-‐Krise
1994
in
Mexiko
und
der
Asienkrise
1997/199
Page 6
4
Tabelle
2:
Gauß-‐Test
des
Beschäftigtenwachstums
(Álvarez
und
Görg
2007,
Tabelle
2)
Ebenso
konnten
die
Autoren
keine
Belege
dafür
finden,
dass
sich
Firmen,
die
von
ausländischen
Kapitalzuflüssen
abhängig
sind,
anders
als
heimische
entwickeln
(Álvarez
und
Görg
2007).
Fazit
Wie
anhand
der
zwei
vorgestellten
Studien
zu
beobachten,
kann
man
die
Frage,
ob
multinationale
Unternehmen
Krisen
besser
oder
schlechter
bewältigen,
keineswegs
pauschal
beantworten.
Während
eine
monetäre
Sicht,
welche
die
FDI
misst,
durchaus
suggeriert,
dass
MNU
besser
aufgestellt
sind
(Lipsey
2001),
zeigt
eine
andere
Analyse,
dass
sich
MNU-‐Betriebe
nicht
zwangsläufig
anders
als
heimische
Betriebe
entwickeln
(Álvarez
und
Görg
2007).
Generelle
Vorteile
in
Krisenzeiten
konnten
also
leider
–
trotz
der
besseren
Finanzlage
der
Betriebe
mit
ausländischen
Mutterfirmen
–
nicht
gefunden
werden.
Offenbar
sind
Faktoren
wie
die
Geld-‐
und
Finanzpolitik
des
Gastlands
und
dessen
Lage
vor
der
Krise
weitaus
entscheidender
für
das
Verhalten
in
Krisenzeiten
als
die
Tatsache,
ob
der
Betrieb
heimisch
oder
ausländisch
ist.
Umgekehrt
bedeutet
dies
jedoch
auch,
dass
multinationale
Unternehmungen
ihre
Gastländer
nicht
zwangsläufig
in
Krisenzeiten
vernachlässigen.
Dies
ist
ein
starkes
Indiz
Page 7
5
dafür,
dass
Markterschließung
und
somit
strategieorientierte
Investitionen
wichtige
Gründe
für
MNU
sind
und
die
FDI
sehr
langfristig
ausgelegt
sind.
Quellen
• Álvarez,
Roberto,
und
Holger
Görg.
„IZA
Discussion
Paper
Series.“
IZA
DP
No.
2692.
Forschungsinstitut
zur
Zukunft
der
Arbeit.
3/2007.
http://ftp.iza.org/dp2692.pdf
(Zugriff
am
10.
11.
2011).
• Duden
Verlag.
Duden
Wirtschaft
von
A
bis
Z:
Grundlagenwissen
für
Schule
und
Studium,
Beruf
und
Alltag.
4.
Auflage.
Mannheim:
Bibliographisches
Institut,
2009.
• finanzen.net.
Aktueller
ifo
Geschäftsklimaindex.
15.
11.
2010.
http://www.finanzen.net/ifo/
(Zugriff
am
15.
11.
2010).
• Handelsblatt.
Finanzkrise
kostet
über
10
Billionen
Dollar.
29.
08.
2009.
http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/finanzkrise-‐kostet-‐ueber-‐10-‐billionen-‐dollar;2450612
(Zugriff
am
14.
11.
2010).
• Lipsey,
Robert
E.
„Foreign
Direct
Investors
in
three
Financial
Crises.“
NBER
Working
Paper
8084.
The
National
Bureau
of
Economic
Research.
1/2001.
http://www.nber.org/papers/w8084.pdf
(Zugriff
am
14.
11.
2011).
• manalex.
Direktinvestition.
2009.
http://www.manalex.de/d/direktinvestition/direktinvestition.php
(Zugriff
am
14.
11.
2010).
• Scharff,
Juliane.
„Chronik
der
Weltfinanzkrise.“
Wirtschaft
im
Wandel
2009
(Institut
für
Wirtschaftsforschung),
03/2009:
5-‐7.
Sign up today - FREE
Mendeley saves you time finding and organizing research. Learn more
- All your research in one place
- Add and import papers easily
- Access it anywhere, anytime
Start using Mendeley in seconds!
Readership Statistics
1 Reader on Mendeley
by Discipline
by Academic Status
100% Student (Bachelor)
by Country
100% Germany


