Ubiquitous Microblogging als dezentrales Entwurfsparadigma für leichtgewichtige Informationssysteme Nutzenpotenziale und Forschungsperspektiven
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Ubiquitous Microblogging als dezentrales Entwurfsparadigma für leichtgewichtige Informationssysteme Nutzenpotenziale und Forschungsperspektiven
MKWI 2010 – Multiagentensysteme
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Ubiquitous Microblogging als dezentrales
Entwurfsparadigma für leichtgewichtige
Informationssysteme
Nutzenpotenziale und Forschungsperspektiven
Martin Böhringer, Peter Gluchowski
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II, TU Chemnitz
1 Einleitung
Unternehmen verzeichnen eine stetig steigende Flut von Informationen und
Komplexität. Unterschiedlichste Datenquellen sind zu verknüpfen und zugänglich
zu machen. SOA stellt eine populäre technologische Antwort auf diese Herausfor-
derungen dar. Das Service-orientierte Paradigma akzeptiert, dass heutige Informa-
tionssysteme zu komplex sind, als dass sie von einer zentralen Instanz erdacht und
entwickelt werden könnten. SOA ermöglicht daher die Erstellung von Einzelkom-
ponenten und deren dynamische Zusammensetzung im Zeitablauf. Die Treiber der
Implementierung sind allerdings weiterhin in den IT-Abteilungen der Unterneh-
men zu verorten. Für die in vielen fachlichen Bereichen vorherrschende Dynamik
und die damit einhergehenden ständigen Änderungen des Informationsbedarfs
eines jeden Nutzers erweist sich daher selbst der SOA-Ansatz als zu starr (Hoyer
und Stanoevska-Slabeva 2009). Mashups sind als eine Art „SOA light“ zur Lösung
dieses Problems konzipiert worden. Jedoch erfordern auch sie ein hohes Maß an
technologischem Verständnis und entspringen in ihrem Funktionsansatz der da-
tenbasierten Denkweise der Informatik. Als Resultat fristen selbst erfolgreiche
Dienste wie Yahoo Pipes ein Nischendasein.
Parallel zu dieser Entwicklung hat sich im Internet die neue Anwendungsklasse
des Microbloggings herausgebildet. Millionen Menschen nutzen den populären
Dienst Twitter, um Informationen auszutauschen. Während das Bedienkonzept
der Microblogging-Anwendungen extrem simpel ist, scheint es den hochkomple-
xen Informationsaustausch zwischen den zahlreichen Nutzern sehr gut zu unter-
stützen. Durch diese Eigenschaft hat Microblogging sehr früh das Interesse von
Forschern und Softwareanbietern geweckt, die das Prinzip in das Unternehmens-
umfeld übertragen (Enterprise Microblogging).
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Ubiquitous Microblogging als dezentrales
Entwurfsparadigma für leichtgewichtige
Informationssysteme
Nutzenpotenziale und Forschungsperspektiven
Martin Böhringer, Peter Gluchowski
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II, TU Chemnitz
1 Einleitung
Unternehmen verzeichnen eine stetig steigende Flut von Informationen und
Komplexität. Unterschiedlichste Datenquellen sind zu verknüpfen und zugänglich
zu machen. SOA stellt eine populäre technologische Antwort auf diese Herausfor-
derungen dar. Das Service-orientierte Paradigma akzeptiert, dass heutige Informa-
tionssysteme zu komplex sind, als dass sie von einer zentralen Instanz erdacht und
entwickelt werden könnten. SOA ermöglicht daher die Erstellung von Einzelkom-
ponenten und deren dynamische Zusammensetzung im Zeitablauf. Die Treiber der
Implementierung sind allerdings weiterhin in den IT-Abteilungen der Unterneh-
men zu verorten. Für die in vielen fachlichen Bereichen vorherrschende Dynamik
und die damit einhergehenden ständigen Änderungen des Informationsbedarfs
eines jeden Nutzers erweist sich daher selbst der SOA-Ansatz als zu starr (Hoyer
und Stanoevska-Slabeva 2009). Mashups sind als eine Art „SOA light“ zur Lösung
dieses Problems konzipiert worden. Jedoch erfordern auch sie ein hohes Maß an
technologischem Verständnis und entspringen in ihrem Funktionsansatz der da-
tenbasierten Denkweise der Informatik. Als Resultat fristen selbst erfolgreiche
Dienste wie Yahoo Pipes ein Nischendasein.
Parallel zu dieser Entwicklung hat sich im Internet die neue Anwendungsklasse
des Microbloggings herausgebildet. Millionen Menschen nutzen den populären
Dienst Twitter, um Informationen auszutauschen. Während das Bedienkonzept
der Microblogging-Anwendungen extrem simpel ist, scheint es den hochkomple-
xen Informationsaustausch zwischen den zahlreichen Nutzern sehr gut zu unter-
stützen. Durch diese Eigenschaft hat Microblogging sehr früh das Interesse von
Forschern und Softwareanbietern geweckt, die das Prinzip in das Unternehmens-
umfeld übertragen (Enterprise Microblogging).
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Martin Böhringer, Peter Gluchowski
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Der vorliegende Beitrag argumentiert nun für eine Erweiterung des Verständnisses
von Microblogging. Während Twitter-ähnliche Werkzeuge bisher vorwiegend im
Sinne der Zusammenarbeits-Unterstützung diskutiert werden, schlägt der hier
präsentierte Ansatz des „Ubiquitous Microbloggings“ eine Nutzung der Technolo-
gie über reine Kollaborations-Szenarien hinaus vor. Ubiquitous Microblogging
beschreibt ein Informationssystem, in welchem neben menschlichen Nutzern auch
nicht-menschliche Akteure wie Software, Sensoren und Maschinen eingebunden
sind. Der Term „Ubiquitous“ wird dabei gemäß seiner ursprünglich Wortherkunft
im Sinne von „alles umfassend“ verwendet (vgl. auch „Ubiquitous Computing“).
Damit entsteht ein komplexes System, welches den flexiblen Zugriff auf verschie-
denste Informationen mit Hilfe des simplen Microblogging-Mechanismus ermög-
licht und gleichzeitig die einfache dezentrale Publikation von Inhalten erlaubt.
Ubiquitous Microblogging verbirgt die zugrundeliegende informationstechnische
Komplexität vor dem Anwender und ordnet sich somit als endnutzerorientierte
Ergänzung einer IT-Hierarchie aus SOA (Implementierungsebene) und Mashup
(Analystenebene) ein.
Die folgenden Abschnitte präsentieren das Konzept von Ubiquitous
Microblogging. Nachdem Kapitel 2 die Anwendungsklasse Microblogging vorstellt
und seine Adaption in Unternehmen motiviert, gibt Kapitel 3 einen konzeptionel-
len Überblick über die mögliche Architektur einer derartigen Lösung. Das an-
schließende Kapitel 4 diskutiert daraufhin vorhandene Forschungsarbeiten und
zukünftige Forschungsfragen zur Erfüllung des aufgezeigten Szenarios, bevor Zu-
sammenfassung und Ausblick die Überlegungen abschließen.
2 Microblogging
Beim Microblogging veröffentlichen Nutzer kurze Postings (im Falle von Twitter
maximal 140 Zeichen) in ihrem eigenen Microblog. Ein Empfänger wird zumeist
nicht angegeben. Die Beiträge sind in der Regel allen Microblogging-Nutzern zu-
gänglich. Die Postings anderer Nutzer können abonniert werden (im Twitter-
Sprachgebrauch folgen bzw. „followen“ Anwender anderen Microbloggern). Da-
raufhin enthält die persönliche Übersichtsseite eine aggregierte Sicht auf die chro-
nologisch absteigend sortierten Beiträge aller abonnierter Microblogs. Durch die
Kürze der Postings und die vielfältigen Publikationskanäle (neben dem Web-
Interface und Desktop-Programmen sind insbesondere Mobiltelefone ein häufig
genutztes Medium) ist es den Nutzern nahezu ständig möglich, Beiträge abzurufen
oder zu publizieren. Zusätzliche Strukturierungsmöglichkeiten stehen mit einfa-
chen Textcodes bereit, die im Laufe der Zeit durch die Twitter-Nutzer geschaffen
wurden: sogenannte Retweets kennzeichnen das erneute Publizieren einer Infor-
mation im eigenen Microblog (z. B. „RT @boehr Unser Beitrag auf der
#MKWI2010 wurde angenommen.“), andere Microblogs werden durch Verwen-
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Der vorliegende Beitrag argumentiert nun für eine Erweiterung des Verständnisses
von Microblogging. Während Twitter-ähnliche Werkzeuge bisher vorwiegend im
Sinne der Zusammenarbeits-Unterstützung diskutiert werden, schlägt der hier
präsentierte Ansatz des „Ubiquitous Microbloggings“ eine Nutzung der Technolo-
gie über reine Kollaborations-Szenarien hinaus vor. Ubiquitous Microblogging
beschreibt ein Informationssystem, in welchem neben menschlichen Nutzern auch
nicht-menschliche Akteure wie Software, Sensoren und Maschinen eingebunden
sind. Der Term „Ubiquitous“ wird dabei gemäß seiner ursprünglich Wortherkunft
im Sinne von „alles umfassend“ verwendet (vgl. auch „Ubiquitous Computing“).
Damit entsteht ein komplexes System, welches den flexiblen Zugriff auf verschie-
denste Informationen mit Hilfe des simplen Microblogging-Mechanismus ermög-
licht und gleichzeitig die einfache dezentrale Publikation von Inhalten erlaubt.
Ubiquitous Microblogging verbirgt die zugrundeliegende informationstechnische
Komplexität vor dem Anwender und ordnet sich somit als endnutzerorientierte
Ergänzung einer IT-Hierarchie aus SOA (Implementierungsebene) und Mashup
(Analystenebene) ein.
Die folgenden Abschnitte präsentieren das Konzept von Ubiquitous
Microblogging. Nachdem Kapitel 2 die Anwendungsklasse Microblogging vorstellt
und seine Adaption in Unternehmen motiviert, gibt Kapitel 3 einen konzeptionel-
len Überblick über die mögliche Architektur einer derartigen Lösung. Das an-
schließende Kapitel 4 diskutiert daraufhin vorhandene Forschungsarbeiten und
zukünftige Forschungsfragen zur Erfüllung des aufgezeigten Szenarios, bevor Zu-
sammenfassung und Ausblick die Überlegungen abschließen.
2 Microblogging
Beim Microblogging veröffentlichen Nutzer kurze Postings (im Falle von Twitter
maximal 140 Zeichen) in ihrem eigenen Microblog. Ein Empfänger wird zumeist
nicht angegeben. Die Beiträge sind in der Regel allen Microblogging-Nutzern zu-
gänglich. Die Postings anderer Nutzer können abonniert werden (im Twitter-
Sprachgebrauch folgen bzw. „followen“ Anwender anderen Microbloggern). Da-
raufhin enthält die persönliche Übersichtsseite eine aggregierte Sicht auf die chro-
nologisch absteigend sortierten Beiträge aller abonnierter Microblogs. Durch die
Kürze der Postings und die vielfältigen Publikationskanäle (neben dem Web-
Interface und Desktop-Programmen sind insbesondere Mobiltelefone ein häufig
genutztes Medium) ist es den Nutzern nahezu ständig möglich, Beiträge abzurufen
oder zu publizieren. Zusätzliche Strukturierungsmöglichkeiten stehen mit einfa-
chen Textcodes bereit, die im Laufe der Zeit durch die Twitter-Nutzer geschaffen
wurden: sogenannte Retweets kennzeichnen das erneute Publizieren einer Infor-
mation im eigenen Microblog (z. B. „RT @boehr Unser Beitrag auf der
#MKWI2010 wurde angenommen.“), andere Microblogs werden durch Verwen-
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