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Zum Zusammenhang zwischen Lehr- Orientierung und Lehr-Gestaltung von Hochschuldozierenden und subjektivem Kompetenzzuwachs bei Studierenden

by Edith Braun, Bettina Hannover
Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (2008)

Abstract

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Zum Zusammenhang zwischen Lehr- Orientierung und Lehr-Gestaltung von Hochschuldozierenden und subjektivem Kompetenzzuwachs bei Studierenden

Edith Braun und Bettina Hannover, Freie Universität Berlin
Zum Zusammenhang zwischen Lehr-
Orientierung und Lehr-Gestaltung von
Hochschuldozierenden und subjektivem
Kompetenzzuwachs bei Studierenden
Zusammenfassung:
Verschiedene Studien sprechen dafür, dass Lehrende, die
Wissenserwerb als Ergebnis eines aktiven Konstruktions-
prozesses verstehen (studierendenfokussierte Lehr-Ori-
entierung), Lernprozesse wirkungsvoller unterstützen
können als Lehrende, die Wissenserwerb als Ergebnis des
Transports von Wissen vom Lehrenden zum Lernenden
verstehen (lehrendenfokussierte Lehr-Orientierung). In
der vorliegenden Studie wird in einer Stichprobe von 68
Lehrveranstaltungen (68 Lehrende, 451 Studierende) a)
eine deutschsprachige Version des im angelsächsischen
Raum am häufigsten verwendeten Messinstruments zur
Erfassung der Lehr-Orientierung von Hochschuldo-
zierenden (Approaches to Teaching Inventory) geprüft;
es wird gezeigt, dass b) Dozierende in Abhängigkeit ihrer
Lehr-Orientierung ihre Hochschullehre unterschiedlich
gestalten; und es wird c) in einem mehrebenenanaly-
tischen Design nachgewiesen, dass sich die Lehr-Orien-
tierung des Dozierenden im subjektiven Kompetenzge-
winn der Studierenden niederschlägt.
Schlüsselwörter: Lehr-Orientierungen, Lehrgestaltung,
Hochschulforschung, BEvaKomp (Berliner Evaluations-
instrument für selbsteingeschätzte Kompetenzen)
Summary:
Various studies have supported the claim that tutors who
understand knowledge gain as part of an active process of
construction (student-orientated instruction) are able to
more effectively support learning processes than tutors
who regard it as part of knowledge transmission from the
tutor to the learner (teacher-orientated instruction). This
study, using a random sample of 68 lectures or seminars
(68 tutors, 451 students), will firstly test a German-lan-
guage version of the most frequently used measuring in-
strument in the Anglo-American context to analyse ori-
entation in the instruction of university tutors (Ap-
proaches to Teaching Inventory). The study will then
show that tutors design their teaching differently de-
pending on their teaching orientation. Finally, the study
will demonstrate in a multilateral analysis that tutors’
teaching orientation is reflected in the subjective compe-
tence gain on the part of the students.
Keywords: approaches to teaching, design of teaching,
higher education research, Berlin evaluation instrument
for subjective gain in competences
1 Fragestellung
Zielsetzung
Erklärtes Ziel der derzeitigen Hochschulpolitik ist die Förderung der fachlichen und überfach-
lichen Kompetenzen der Studierenden. Studiengänge sollen berufsqualifizierend sein (KMK,
2005). Dies beinhaltet die Benennung von Kompetenzen, die durch den Besuch einzelner Lehr-
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278 E. Braun/B. Hannover: Zum Zusammenhang zwischen Lehr-Orientierung und Lehr-Gestaltung
veranstaltungen erworben werden sollen. Die Mitgliedsstaaten des sogenannten Bologna-Prozesses
haben einen framework of qualifications (Qualifikationsrahmen) erarbeitet, in dem fachübergreifen-
de Kompetenzen benannt werden, zu deren Vermittlung sich die einzelnen Hochschulen ver-
pflichten müssen. Neben die traditionellen Ziele der Hochschullehre, nämlich die Vermittlung von
Wissen und die Förderung von Verstehen, tritt das Ziel der Förderung von Können, genauer von
instrumentaler, systematischer und kommunikativer Kompetenz (vgl. ausführlich B/S/
H 2006).
Dass Hochschullehre explizit auch überfachliche Handlungskompetenzen vermitteln soll, kor-
respondiert mit einer Veränderung des wissenschaftlichen Verständnisses von Lernen und der
Rolle, die Lehrenden und Lernenden dabei zukommt. Während die Gestaltung von Hochschullehre
in der Vergangenheit dem Primat der Instruktion folgte, nämlich der Vorstellung, dass Dozierende
als Fachexpertinnen und -experten ihr objektives Wissen auf die Studierenden „übertragen“, do-
miniert inzwischen ein konstruktivistisches Verständnis von Lernen, nach dem der Lernende –
unter Nutzung seines Vorwissens und seiner Erfahrung – sein Wissen aktiv selbst konstruiert.
Wissenserwerb ist in dieser Sichtweise das Ergebnis konstruktiver Eigentätigkeit des Lernenden,
die mit dem Erwerb von Kompetenzen, wie Problemlösefähigkeiten, kognitiven Strategien und der
Fähigkeit zu selbstorganisiertem Lernen, einhergeht (vgl. z. B. D C 2000).
Mit einem konstruktivistischen Verständnis von Lernen verändern sich auch die Anforde-
rungen, die an Lehrende gestellt werden: Ihnen fällt nicht mehr vor allem die Aufgabe der Wis-
sensvermittlung und der Kontrolle von Kontingenzen (z. B. die Verabreichung von Belohnungen
und Bestrafungen) zu. Vielmehr sollen sie inhaltsspezifische konstruktive kognitive Prozesse und
damit den Kompetenzerwerb beim individuellen Lernenden initiieren und unterstützen. Wie
Lehrkräfte mit diesen neuen Anforderungen umgehen, scheint wesentlich von ihren Lehr-Orien-
tierungen bestimmt zu sein, d. h. von den Vorstellungen, die sie selbst über Wissenserwerb und
Wissensvermittlung mitbringen.
Mit dem vorliegenden Beitrag werden drei Ziele verfolgt:
a) Es soll eine deutschsprachige Version eines Messinstrumentes zur Erfassung von Lehr-Orientie-
rungen bei Hochschuldozierenden eingeführt werden.
b) Es soll geprüft werden, ob Hochschuldozierende die Lehre in Abhängigkeit ihrer Lehr-Orien-
tierung unterschiedlich gestalten.
c) Es soll geprüft werden, ob sich die Lehr-Orientierung des Dozierenden im subjektiven Kompe-
tenzzuwachs der Studierenden niederschlägt. Dabei sollen Mehrebenenanalysen zur Anwen-
dung kommen.
Ein deutschsprachiges Inventar zur Erfassung von Lehr-Orientierungen
bei Hochschuldozierenden
Ein Ziel unserer Studie ist die Entwicklung eines deutschsprachigen Inventars zur Erfassung von
Lehr-Orientierungen bei Hochschuldozierenden. Von verschiedenen Autoren sind leicht variieren-
de Konzepte zur Beschreibung interindividueller Unterschiede in der Lehr-Orientierung entwi-
ckelt worden. Michael P und Keith T (2006) sprechen von „approaches to tea-
ching“, Fritz S und Elsbeth S (2002) von „pedagogical content beliefs“, Lin N,
John R, James H, Stephen N und Jenny M (2005) von „teachers’
beliefs“, Norbert G und Kollegen (G/W/S & S 1988) von „sub-
jektive Theorien“ und Rainer B (1997) sowie Jürgen B und Mareike K
(2006) vom „pädagogischen Wissen“ der Lehrkräfte.
Wir wollen uns an der von Michael P und Keith T (2006) vorgeschlagenen
Unterscheidung zwischen studierenden- versus lehrendenfokussierten Orientierungen (student-focus-

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