Die publizistische Vermittlung von Wertehorizonten der Parteien. Normatives Modell und empirische Befunde zum Value-Framing und News Bias der Qualitäts- und Boulevardpresse bei vier Bundestagswahlen

  • Scheufele B
  • Engelmann I
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Abstract

Ausgehend von Alternativen zum demokratietheoretischen Ideal des mündigen Bürgers formuliert der Beitrag folgende Funktionsbestimmung: Massenmedien sollten den Wäh-lern die von Parteien vertretenen Wertehorizonte und die ihnen damit von den Parteien angebotenen "Repräsentationskoalitionen" vermitteln. Eine wahlvergleichende Inhalts-analyse untersuchte für die Bundestagswahlen 1976, 1983, 1994 und 2002, inwieweit die Qualitäts-und Boulevardpresse den Bürgern vermittelten, für welche Wertehorizonte die CDU/CSU und die SPD standen. Zudem wurde der Tenor der Parteien-und Kan-didatendarstellung untersucht. Die Qualitätspresse positionierte die Parteien bzw. Kan-didaten im jeweiligen Wertehorizont weitgehend unabhängig von ihren redaktionellen Linien. Dagegen zeigte sich ein deutlicher redaktioneller Bias in der Bewertung der Par-teien bzw. Kandidaten. Die BILD fügte sich teilweise in dieses Muster. Die empirischen Befunde unterstreichen zudem die Notwendigkeit, klar zwischen Frames und Bias zu unterscheiden. Schlüsselwörter: Framing, News Bias, Werte, Wahlen, normativ, Medienfunktion "Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentli-chem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt". 1 Solche Vorgaben beruhen auf dem demokratietheoretischen Ideal des mündigen Staatsbürgers (vgl. z. B. Branahl 2009: 72), der sich umfassend informiert, um zu einer eigenständigen Meinung zu kommen. Dieses Ideal ist jedoch diskussionswürdig geworden (vgl. z. B. Zaller 2003: 112-118). Porto (2007: 304) spricht gar vom demokratischen Dilemma, da Bürger kaum rational begrün-dete Entscheidungen treffen können. Dieser Beitrag bespricht zunächst Alternativen zum demokratietheoretischen Ideal. Auf deren Basis entfalten wir eine mediale Funkti-onsbestimmung, die sich auf politische Kommunikation bezieht, aber empirisch für Wahlen fokussiert wird. Demnach sollten Medien den Bürger vermitteln, in welchem Wertekosmos die (zur Wahl stehenden) Parteien beheimatet sind. Das ist freilich nur eine von mehreren Funktionsbestimmungen (z. B. Kritikfunktion). Normative Alternativen zum demokratietheoretischen Ideal Die normativen Alternativen zum demokratietheoretischen Ideal beziehen sich nicht nur auf Medien, sondern auch auf Staatsbürger. So unterscheidet Schudson (1995: 27, 169-188) zwischen dem informativ überladenen Bürger ("informational citizen") und dem Bürger mit eigenem Standpunkt ("informed citizen"). Etwas später führt Schudson 1. * Die Autoren danken den anonymen Gutachter(inne)n für ihre konstruktiven Hinweise. 1

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Scheufele, B., & Engelmann, I. (2013). Die publizistische Vermittlung von Wertehorizonten der Parteien. Normatives Modell und empirische Befunde zum Value-Framing und News Bias der Qualitäts- und Boulevardpresse bei vier Bundestagswahlen. Medien & Kommunikationswissenschaft, 61(4), 532–550. https://doi.org/10.5771/1615-634x-2013-4-532

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