Abstract
Der Essay beschreibt begriffliche Herausforderungen, mit denen die Entwicklung zukünftiger Roboter, die über künstliche Intelligenz verfügen, das traditionelle Konzept vernunftbasierter Menschenwürde konfrontieren könnte. Sollten entsprechende KI-Systeme eines Tages basale Formen genuiner Rationalität aufweisen, indem sie rational vernetzte intentionale Zustände durchlaufen, die als Gründe für ihr zielgerichtetes Verhalten fungieren, so scheinen sie damit auf den ersten Blick auch würdeverleihende Fähigkeiten zu besitzen. Hieraus ergeben sich zwei Probleme: Erstens erscheint ihre instrumentalisierende Indienstnahme für menschliche Zwecke dann problematisch. Gleichwohl stützen Gedankenexperimente, die sich an Robert Sparrows Turing Triage Test anlehnen, das intuitive Urteil, dass solchen Systemen keine wirkliche Würde zukommt, die ihre Instrumentalisierung verbietet. Diskutiert werden drei verschiedene Strategien, diese widerstreitende Intuition durch eine Präzisierung und Vertiefung des traditionellen Konzepts vernunftbasierter Würde zu rechtfertigen, wobei sich alle drei Vorschläge letztlich als problembehaftet erweisen. Hierdurch droht das fragliche Konzept jedoch in eine komplizierte Aporie zu geraten. Im Anschluss daran wird dann dargelegt, dass zweitens auch die althergebrachte Vorstellung einer kollektiven Würde der menschlichen Gattung, die sich dem exklusiven Besitz der Vernunftfähigkeit verdankt, angesichts zukünftiger elaborierter KI-Systeme ihre Grundlage zu verlieren droht.The paper describes conceptual challenges that the future development of AI-equipped robots might pose to the traditional conception of reason-based human dignity. If systems of this kind would one day manifest a basic form of genuine rationality by exhibiting rationally interconnected intentional states serving as reasons for their goal-directed behaviour, they would appear to possess dignity-conferring abilities. Two problems arise from this: First of all, their use as mere instruments for human purposes seems problematic. However, thought experiments based on Robert Sparrow’s Turing Triage Test support the intuitive judgment that such AI systems do not possess any real dignity ruling out their instrumentalization. In order to justify this contrary intuition, the traditional conception of reason-based dignity will be specified and deepened, resulting in three different strategies of justification, neither of which comes without certain difficulties. This deficient justifiability threatens the whole conception of reason-based dignity to become trapped in a complicated aporia. Secondly, I will sketch how the traditional idea of the collective dignity of the human species that arises from its exclusive possession of the ability to reason is in danger of losing its fundament in the face of future elaborated AI systems.
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Knell, S. (2022). Essay: Künstliche Intelligenz und menschliche Würde – ein aporetisches Verhältnis? Zeitschrift Für Ethik Und Moralphilosophie, 5(2), 203–229. https://doi.org/10.1007/s42048-022-00127-w
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