Sprechen über sexuelle Gewalt in pädagogischen Settings

  • Kappeler M
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Abstract

Sexuelle Gewalt in pädagogischen Einrichtungen kann nicht allein aus einer Täterinnen-bzw. Täter-Opfer-Konstellation heraus erklärt werden. Sie entsteht und geschieht in der Binnenstruktur stationärer und ambulanter pädagogischer Settings (Heim, Internat, Kindertagesstätte, Jugendgruppe, Sportverein etc.). Zur Binnenstruktur einer pädagogischen Einrichtung gehört auch die Sprache, in der die in der Einrichtung sich begegnenden Menschen, die erzie-henden, pflegenden und versorgenden Erwachsene und die ihnen anvertrau-ten Kinder und Jugendlichen miteinander und untereinander über das Leben in ihr reden. Zu diesem Leben gehört die Sexualität. Für die Sprache, mit der sie im Binnenraum kommuniziert und nach außen in den gesellschaftlich ge-führten Diskurs eingebracht wird, gibt es eine Verantwortung des Trägers, der Leitung und der Mitarbeitenden, die ich in dem Begriff " institutionelle Verantwortung " zusammenfasse. Zum Sprechen über Sexualität gehört auch die Thematisierung sexueller Gewalt. Das Sprechen darüber fällt erziehenden Erwachsenen untereinander und im Gespräch mit Kindern und Jugendlichen noch schwerer, als das Spre-chen über Sexualität generell. Die Kommunikation über Sexualität gibt Auf-schluss darüber, wie in einer pädagogischen Einrichtung mit diesem komple-xen Thema umgegangen wird. Sprache und Sprechen, Schweigen und Ver-schweigen, Hören und Zuhören bilden einen Zusammenhang, zu dem auch die Körpersprache sowie das Sehen, Hinschauen und Wegsehen gehören. Al-le diese Handlungen gehören zur Kommunikation, die immer mehr ist als das wechselseitige Sprechen und Zuhören. 1 In diesem Beitrag geht es aber hauptsächlich um die Sprache/das Spre-chen. Es gibt keinen Aspekt der Sexualität, von der Artikulation des Sexuel-len bis hin zur Befähigung von Kindern und Jugendlichen " erlebtem Unrecht einen Namen geben zu können " (Wolff 2015, S. 681), der nicht sprachlich vermittelt ist. Das gilt selbst noch für das bezogen auf Sexualität sehr häufige Schweigen und Verschweigen, denn auch das stumme Denken, unsere nicht ausgesprochenen Gedanken und Phantasien bedürfen der sprachlichen Form. Sie sind ein " stummes " Selbstgespräch. In den folgenden Überlegungen wird es zunächst um das öffentliche Spre-chen über sexuelle Gewalt gehen, den sogenannten Diskurs, und dann um die 1 Vgl. dazu ausführlicher: Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits-und Sozialbereich, 143, 2017: Sprache und Sprechen in der Sozialen Arbeit.

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Kappeler, M. (2017). Sprechen über sexuelle Gewalt in pädagogischen Settings. Erziehungswissenschaft, 28(1), 51–62. https://doi.org/10.3224/ezw.v28i1.07

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