Abstract
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage, wie die Disziplin der (Sonder-)Pädagogik1 Wissen zum Gegenstand ADHS produziert und damit eine spezifische Wirklichkeit des Phänomens hervorbringt. Aufgrund der Beobachtung, dass das Label ADHS im schulischen Kontext eine Generalisierung ‚nicht_normaler‘ Verhaltensweisen darstellt, wird untersucht, wie das Phäno- men ADHS auf der Ebene (sonder-)pädagogischer Wissensbestände als eine Kategorie ‚nicht_ normalen‘ Verhaltens konstruiert wird. Dazu wird einem kulturwissenschaftlich inspirierten Verständnis von Behinderung gefolgt, das auf Konstruktionsprozesse des (sonder-)pädagogi- schen Feldes übertragen wird. Dies hat zum Ziel, institutionalisierte Ausgrenzungsprozesse zu erfassen und die Notwendigkeit einer veränderten Konzeptualisierung des ‚Nicht_Normalen‘ herauszustellen. Durch den Transfer der Perspektiven der Dis_ability Studies auf die (sonder-) pädagogische Wissensproduktion kann ein Beitrag zum Ansatz der Dis_ability Studies in Edu- cation geliefert werden, der eine differenztheoretisch inspirierte und theoretisch fundierte, em- pirische Inklusionsforschung unterstützt. Gegenstand des empirischen Teils dieser Arbeit ist ein Korpus von 74 wissenschaftlichen Ar- tikeln, das sich aus 49 (sonder-)pädagogischen Fachzeitschriften- und 25 Handbuchartikeln zusammensetzt, die zwischen 2000 und 2015 erschienen sind. Untersucht werden diese mit einer normalismus- und machtkritischen Perspektive durch ein diskurstheoretisches Konzept. Dadurch wird es nicht nur möglich, die diskursive Konstruktion des Gegenstands ADHS zu re- konstruieren. Vielmehr noch wird nachgezeichnet, wie im (sonder-)pädagogischen Interdiskurs die Grenze zwischen ‚normalen‘ und ‚nicht_normalen‘ Verhaltensweisen gezogen wird, welche Angebote die als ‚nicht_normal‘ markierten Schüler_innen zur Reintegration in die Normalzo- ne erhalten und mit welchen Adressierungen diese Beschäftigung einhergeht. Durch die auf den einzelnen Analyseebenen identifizierten Befunde wird deutlich, dass die Konstruktion des ‚Nicht_Normalen‘ im (sonder-)pädagogischen Fachdiskurs die im schuli- schen Kontext bestehende Normalität schützt und dass sich diese Schutzfunktion durch indivi- dualistische Zuschreibungen und Zwänge auszeichnet.
Cite
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Haas, B. (2021). Die ADHS der Sonderpädagogik. Zur diskursiven Konstruktion des ,Nicht_Normalen‘ auf der Ebene disziplinärer Wissensbestände. Die ADHS der Sonderpädagogik. Zur diskursiven Konstruktion des ,Nicht_Normalen‘ auf der Ebene disziplinärer Wissensbestände. Verlag Julius Klinkhardt. https://doi.org/10.35468/5927
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