Zusammenfassung~~Die Öffnung von Bildungswegen und die Entkopplung von Bildungsgang und letztendlich erreichtem Abschluss gilt als wichtiger Aspekt der Modernisierung des mehrgliedrigen Schulsystems. Die vorliegende Studie untersuchte am Beispiel des Kantons Freiburg (Schweiz), wie stark diese Entkopplung tatsächlich ausfällt. 525 Schülerinnen und Schüler aus Deutschfreiburger Schulen wurden zwischen dem Ende der Grundschule (Klassenstufe 6) und dem Übergang in die gymnasiale Oberstufe (ab Klassenstufe 10) bzw. in eine alternative Ausbildung begleitet. Immerhin fast die Hälfte der Jugendlichen, die in der Oberstufe ein Gymnasium besuchten, hatten in der Mittelstufe die allgemeine Sekundarschule (und nicht das Progymnasium) besucht, was auf eine beträchtliche Entkopplung hinweist. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass auch bei vergleichsweise schwachen Schulleistungen am Ende der Grundschule noch der Sprung in die gymnasiale Oberstufe gelingen kann. Trotz dieser Belege für die Öffnung von Bildungswegen fanden sich gleichzeitig Hinweise darauf, dass der Besuch des Progymnasiums durchaus eine bahnende Wirkung in der Schulbiografie besitzt. Die Chance, auf die gymnasiale Oberstufe zu wechseln, war bei Absolventen des Progymnasiums etwa doppelt so hoch wie bei ansonsten vergleichbaren Schülerinnen und Schülern. Zudem ging ein günstiger sozialer Hintergrund mit einer höheren Chance auf den Übertritt in die Oberstufe einher.
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Trautwein, U., Baeriswyl, F., Lüdtke, O., & Wandeler, C. (2008). Die Öffnung des Schulsystems: Fakt oder Fiktion? Zeitschrift Für Erziehungswissenschaft, 11(4), 648–665. https://doi.org/10.1007/s11618-008-0043-1
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