Was sagen wir, um das Geschlecht zu sein? Geschlechtskörper und Diskurs

  • Villa P
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Im vorausgegangenen Kapitel war der Zusammenhang zwischen Handeln und Körpergeschlecht ausgeleuchtet worden. Der Geschlechtskörper ist uns also auf der ersten Station der Reise weniger als natürliche Gegebenheit, sondern als Ergebnis von Interaktionen begegnet. In dieser handlungszentrierten mikrosoziologischen Perspektive wird die Geschlechterdifferenz als immerwährendes Tun, als Darstellungsarbeit mehrerer Personen im Alltag begriffen. Wie sich weiterhin gezeigt hatte, finden diese Interaktionen immer in sozialen Settings (z.B. Institutionen) und Räumen (z.B. öffentlichen Plätzen) statt, die ihrerseits von sozialer Ungleichheit – als relationale und distributive Ungleichverteilung von Ressourcen (Kreckel) – konstituiert sind. Erweitert man also die mikrosoziologische Perspektive des ,doing gender‘ um den Aspekt sozialer Ungleichheit, dann hat man es auch immer mit ,doing inequality‘ zu tun. Die Darstellung des Geschlechts ist demnach zum einen durch die Ungleichverteilung der für die Darstellungen benötigten Ressourcen strukturiert, zum anderen verweist die Darstellung immer auch auf handlungsrelevante Dimensionen sozialer Ungleichheit im Sinne von Distinktionsstrategien (Bourdieu). In der handlungszentrierten Geschlechtersoziologie waren allerdings Fragen nach Konstitution und Bedeutung sozialer Normen für die Geschlechtsdarstellungen offen geblieben: Woher kommen die Dichotomisierungsregeln, denen die Darstellungen folgen und die sie (re-)produzieren? Wenngleich die neueren Arbeiten der Ethnomethodologie (vgl. Hirschauer 1994) zunehmend die Stabilität der Konstruktion berücksichtigen und dafür soziale ,Trägheitsmomente‘ wie institutionelle Arrangements oder semiotische Verweisungszusammenhänge in die Analysen einarbeiten, so liegt der Nachdruck dabei auf der Rolle dieser Strukturen für die Interaktion und nicht auf der Analyse der Strukturen hinsichtlich ihrer Eigenlogik. Der Fokus der mikrosoziologischen Analysen liegt also auf dem Tun der Akteur/innen, nicht auf den normativen Strukturen, denen das Tun folgt und die das Tun (re-)produziert.

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Villa, P.-I. (2011). Was sagen wir, um das Geschlecht zu sein? Geschlechtskörper und Diskurs. In Sexy Bodies (pp. 147–209). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-93415-0_4

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