Semantic Desktop
- ISBN: 9783540722151
Abstract
In diesem Beitrag wird gezeigt, wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen könnte und wo das Semantic Web neue Möglichkeiten eröffnet. Dazu werden Ansätze aus dem Bereich Semantic Web, Knowledge Representation, Desktop-Anwendungen und Visualisierung vorgestellt, die es uns ermöglichen, die bestehenden Daten eines Benutzers neu zu interpretieren und zu verwenden. Dabei bringt die Kombination von Semantic Web und Desktop Computern besondere Vorteile ein Paradigma, das unter dem Titel Semantic Desktop bekannt ist. Die beschriebenen Möglichkeiten der Applikationsintegration sind aber nicht auf den Desktop beschränkt, sondern können genauso in Web-Anwendungen Verwendung finden.
Semantic Desktop
Leo Sauermann, Malte Kiesel, Kinga Schumacher und Ansgar Bernardi
Knowledge Management Department, German Research Center for Artificial
Intelligence DFKI GmbH, Kaiserslautern, Germany
{vorname.nachname}@dfki.de
Zusammenfassung: In diesem Beitrag wird gezeigt, wie der Arbeitsplatz der
Zukunft aussehen könnte und wo das Semantic Web neue Möglichkeiten eröffnet.
Dazu werden Ansätze aus dem Bereich Semantic Web, Knowledge Representati-
on, Desktop-Anwendungen und Visualisierung vorgestellt, die es uns ermög-
lichen, die bestehenden Daten eines Benutzers neu zu interpretieren und zu
verwenden. Dabei bringt die Kombination von Semantic Web und Desktop Com-
putern besondere Vorteile – ein Paradigma, das unter dem Titel Semantic Desktop
bekannt ist. Die beschriebenen Möglichkeiten der Applikationsintegration sind
aber nicht auf den Desktop beschränkt, sondern können genauso in Web-
Anwendungen Verwendung finden.
Einleitung
Paul arbeitet gerade an einem neuen anspruchsvollen Projekt: seine Orga-
nisation will eine neue Filiale in Rom, Italien, eröffnen. Er kann aus seiner
langen Erfahrung mit ähnlichen Projekten in der Türkei und Griechenland
schöpfen, und das Produkt seiner Firma hat auch noch einen attraktiven
Markt. In seinem Terminkalender verwaltet er die nötigen Termine. Seine
E-Mails mit den lokalen Partnern hat er alle aufbewahrt und organisiert,
die organisationsinterne Datenbank enthält viel Information, und Tim, sein
Assistent, hilft ihm bei der Planung. Auch sein Partner Peter, mit dem er
schon ähnliche Projekte durchgeführt hat, ist von der Idee begeistert, und
sie tauschen sich regelmäßig über den Projektfortschritt aus. Nur ein Prob-
lem beschäftigt Paul: Er verwendet viele verschiedene Systeme, um die
Informationen aufzuzeichnen, und er kann nur schwer aus dem einen
System in das andere Verweise erstellen. Auch ist es schwierig, Peter eine
Übersicht des Projektes zu geben, denn sie sind beide Sturköpfe und beste-
hen auf jeweils unterschiedlichen Ablage- und Kategorie-Systemen. Doch
außer, dass der Termin sich immer wieder verzögert, deutet alles auf ein
interessantes Projekt hin.
So werden seit etwa 2000 Jahren Projekte durchgeführt: Der erwähnte
Paul könnte früher als Paulus bekannt gewesen sein – auch seine Kollegen
Timotheus und Petrus sind Teil der Weltgeschichte. Ihre Filiale besteht
heute noch und ist unter dem Namen Petersdom bekannt. Die organisati-
onsinterne Korrespondenz, die Briefe des Paulus und Petrus, ist uns aber
erhalten geblieben.
Was hat sich heutzutage gegenüber damals verändert? Heute ist die
Kommunikation sicherlich schneller und das Diktieren der Briefe einfa-
cher. Aber das Problem, eine gute Übersicht zu vermitteln, Information
strukturiert aufzuzeichnen und weiterzugeben, bleibt bestehen. Wir geben
einen Text ein, schicken ihn per E-Mail weiter, wo dieser wiederum als
Text gelesen wird. Hilfen, wie z. B. Suchwerkzeuge, gab es damals wie
heute – damals in Form handerstellter Indizes, heute als (Desktop-) Such-
maschinen. Komfort und Geschwindigkeit haben sich erhöht, konzeptio-
nell hat sich jedoch nicht viel verändert.
In diesem Kapitel wird gezeigt, wie der Arbeitsplatz der Zukunft ausse-
hen könnte und wo das Semantic Web neue Möglichkeiten eröffnet. Wir
werden Paul Mittel in die Hand geben, die er an seinem Arbeitsplatz benö-
tigt, um den Überblick über seine Dokumente zu behalten, um sich aber
auch mit anderen besser zu koordinieren. Das Social Semantic Web wird
real, wenn es bei alltäglichen Aufgaben Verwendung findet. Dann profitie-
ren die Benutzer sofort von den Annotationen, die sie erstellen.
Was wir aktuell von der Entwicklung des Web 2.0 lernen, wollen wir
auch am Desktop sehen. Wir wollen die Möglichkeiten von bequemer
Volltextsuche (Google), Klassifizierung (Tagging) und gemeinsamen On-
tologien wie Wikipedia am Desktop nicht missen. Das Web ist Teil unse-
res Denkens und wird Teil des Arbeitsplatzes, die Dokumente, die wir am
Arbeitsplatz erstellen, werden ein Teil des Webs.
Die Idee des Semantic Desktop
Wie dargestellt steht Paul vor dem Problem, dass jede Applikation seines
Arbeitsplatzes eine eigene Art zur Verwaltung der Dokumente mitbringt.
Bookmarks im Webbrowser, Ordnerstrukturen im Dateisystem, weitere
Ordnerstrukturen für die E-Mails: Jedes Programm am Desktop benutzt ein
getrenntes Ordnungssystem zur Verwaltung von Dokumenten, genauso
wie jede Web- oder Intranet-Anwendung. Querverweise, etwa vom Projekt
„Filiale in Rom“ zu den Mitarbeitern und Terminen, sind nur einge-
schränkt möglich. Momentan wird es dem Benutzer zugemutet, hier appli-
kationsübergreifend ein konsequentes Schema durchzuhalten und die
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