Logopädie nach akutem Schlaganfall

  • Hoess I
  • Hoess C
  • Cattenberg S
  • et al.
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Abstract

Medikamentöse und medizintechnische Möglichkeiten der Schlaganfallbehandlung haben sich in den letzten Jahren erheblich entwickelt. Die Zeiten des «Zuwartens und Beobachtens» in der Initialphase sind vorbei. Schlaganfallpatienten werden heute idealerweise mög-lichst rasch in eine Stroke Unit aufgenommen. Nach klar reglementierten Schemata wird versucht, einen ursächlichen Gefässverschluss zu rekanalisieren, eine zerebrale Blutung zu stoppen oder Begleitkomplikatio-nen eines Schlaganfalls zu kompensieren. Ist eine Störung der Sprache vorhanden, wird eine frühzeitige logopädische Abklärung und Behandlung gefordert. Der Verlust der Sprache (Aphasie) und/oder des Sprechvermögens (Dysarthrie, Sprechapraxie) ge-hört zu den einschneidendsten Behinderungen infolge eines Schlaganfalls. Betroffene Patienten müssen gege-benenfalls nicht nur lernen, mit einer körperlichen Be-hinderung umzugehen, sondern sind auch von kommuni-kativer und sozialer Isolation bedroht. Der Wiedereinstieg in das Berufsleben ist bei chronischer Aphasie nur selten möglich. Die Logopädie wird heute ebenso in das Management von Dysphagien miteinbezogen. Aphasien und Dyspha-gien sind im Akutspital die Schwerpunkte logopädi-scher Intervention, weshalb sich dieser Artikel vorran-gig mit diesen beiden Störungsbildern befasst. Grundlagen Aphasien sind erworbene Sprachstörungen infolge um-schriebener Erkrankungen des zentralen Nervensys-tems. Aphasische Symptome treten bei 30–40% aller Schlaganfälle auf. Die Störungen betreffen in der Regel alle Komponenten des Sprachsystems, also Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Die Störungen werden durch Schädigungen sprachrelevanter Hirnareale ver-ursacht, die bei mehr als 90% der Menschen in der lin-ken Grosshirnhemisphäre liegen. Der zerebrovaskuläre Insult ist die häufigste Ursache einer Aphasie. Die ersten sechs Wochen nach dem Ereig-nis werden als Akutphase bezeichnet. Es folgt die soge-nannte postakute Phase, die den Zeitraum zwischen der akuten und der chronischen Phase bezeichnet. Die chronische Phase beginnt nach zwölf Monaten. – Akute Aphasien unterscheiden sich in verschiedener Hinsicht von chronischen Aphasien. Die Ausprä-gung der sprachlichen Symptome ist in der Akut-phase instabil und von starken Fluktuationen ge-prägt. Dies ist die Folge physiologischer zerebraler Regenerationsprozesse, zum Beispiel infolge eines wiedererlangten Blutflusses und der damit verbun-denen Wiederaufnahme der Zellfunktionen in der abhängigen Region bzw. in der Penumbra. Eine spontane Rückbildung aphasischer Symptome tritt im Akutstadium in ca. einem Drittel der Fälle auf. – Obschon sich Aphasien auch in der postakuten Phase spontan zurückbilden können, besteht in diesem Zeitraum bereits häufig eine relativ stabile Symptom-ausprägung. Die Verbesserungen geschehen langsa-mer und sind trainings-bzw. therapieabhängig. – In der chronischen Phase bleiben spontane Bes-serungen weitgehend aus. Aphasische Störungen betreffen unterschiedliche Teilbe-reiche der Sprache. Im Allgemeinen treten die Symptome nicht isoliert auf, sondern in Symptomkombinationen. Eine im deutschsprachigen Raum häufig verwendete Klassifikation der Aphasien nach Schlaganfall geht auf die Aachener Forschungsgruppe um den Neurologen Klaus Poeck zurück. Die Syndrombezeichnungen wer-den nicht jeder klinischen Situation gerecht, dienen aber der Verständigung in der Klinik. Man unterschei-det vier Standardsyndrome: – Globale Aphasie – Wernicke-Aphasie – Broca-Aphasie – Amnestische Aphasie.

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Hoess, I., Hoess, C., Cattenberg, S., Haug, B., & Müller, F. (2012). Logopädie nach akutem Schlaganfall. Swiss Medical Forum ‒ Schweizerisches Medizin-Forum, 12(45). https://doi.org/10.4414/smf.2012.01321

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