Schluckstörungen im Säuglings- und Kindesalter: Diagnostik, Therapie und interprofessionelle Herausforderungen

  • Pflug C
  • Zang J
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Kindliche Schluck- und Fütterproblematiken betreffen 25–45 % der Kinder ohne Entwicklungsauffälligkeiten und bis zu 80 % der Kinder mit Entwicklungsstörungen oder spezifischen Erkrankungen. Besonders Frühgeborene und komplex erkrankte Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Dysphagien und Fütterstörungen. Deren frühzeitige Identifizierung ist entscheidend für eine möglichst gesunde Entwicklung und optimale Lebensqualität, da eine Dysphagie weitreichende gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Dysphagien bei Kindern werden in der Regel aufgrund von strukturellen, neuropathologischen oder entwicklungsbedingten Faktoren verursacht. Grob kann eine Einteilung in oropharyngeale Dysphagie, Trink- und/oder Saugschwäche, ösophageale Dysphagie und Fütterstörung erfolgen. Neben einer spezifischen Anamnese ist eine ausführliche klinisch-logopädische Untersuchung inklusive der Beobachtung der Nahrungsaufnahme und Interaktionen des Kindes mit seinen Eltern beziehungsweise Bezugspersonen nötig. Instrumentelle Diagnostikmethoden wie die flexibel-endoskopische Evaluation des Schluckens (FEES) und die Videofluoroskopie (VFSS: „videofluoroscopic swallow study“) sind unerlässlich für eine detaillierte Analyse und Beurteilung einer Schluckstörung. Die Vorteile der FEES gegenüber radiologischen Verfahren wie Röntgenbreischluck oder VFSS bestehen darin, dass keine Strahlenbelastung erfolgt, anatomische Anomalien identifiziert werden können und die Ernährung mit Nahrungsmitteln und Flüssigkeiten in der bevorzugten Position des Kindes sowie während des Stillens beurteilt werden kann. Die Behandlung von kindlichen Schluckstörungen erfolgt interprofessionell, basierend auf klinischen und instrumentellen Befunden. Diagnostizierte Dysphagien erfordern eine logopädische Therapie. Zusätzlich können Ernährungsberatung, Physio- und Ergotherapie sowie Pneumologie erforderlich sein. Bei Verdacht auf isolierte Fütterstörungen sollten zunächst gastroenterologische Ursachen ausgeschlossen werden, gefolgt von spezialisierten Therapiekonzepten. In der logopädischen Therapie ist weniger das Ausbildungskonzept der Therapeuten entscheidend, sondern vielmehr ihre Spezialisierung auf spezifische Altersgruppen oder Schweregrade. In Deutschland kommen hauptsächlich Therapieansätze wie Castillo Morales, die neuromotorische Kontrolle nach Brondo, Elemente des Bobath- und Vojta-Konzepts sowie die Facio-Orale Trakt-Therapie (F. O. T. T.) und grundlegende Methoden des pädiatrischen Dysphagie-Managements zum Einsatz. Engmaschige Verlaufskontrollen nach Beginn der Therapie sind wichtig, um den Erfolg zu bewerten und Anpassungen vorzunehmen. Die Einbindung und Aufklärung der Familien sind entscheidend, da sie das Verständnis und die Akzeptanz der Therapie unterstützen, was wesentliche Faktoren für den Erfolg der Behandlung und die Lebensqualität der betroffenen Kinder und ihrer Familien sind.

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Pflug, C., & Zang, J. (2025). Schluckstörungen im Säuglings- und Kindesalter: Diagnostik, Therapie und interprofessionelle Herausforderungen. Kinder- Und Jugendmedizin, 25(02), 81–88. https://doi.org/10.1055/a-2496-3308

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