Abstract
Frakturen des jochbeinkomplexes und der Orbita sind haufig. Stumpfe Traumata (Schlag, Sturz) ftihren zu einer Impression der jochbeinprominenz mit Frakturen an anatomisch vorgegebenen Schwachstellen. Eine Beteiligung des Orbitabodens ist obligat. Ein relevanter Defekt des Orbitabodens kann u. U. erst nach der Reposition des jochbeinkomplexes sichtbar werden, weshalb eine Exploration des Orbitabodens nach Reposition und Osteosynthese e~folgen sollte, sofern keine intraoperative Bildgebung zur Kontrolle zur Verftigung steht. Hochgeschwindigkeitstraumata fiihren zu komplexen Mittelgesichtsverletzungen und irregularen Frakturmustern. Die CT-Diagnostik des Mittelgesichts und der Orbitae hat die konventionelle Bildgebung verdrangt. Knocherne Verletzungen der Orbitae konnen initial ohne wesentliche klinische Symptomatik einhergehen, weshalb erst in der Feinschichtcomputertomografie eine Fraktur der Orbita erkannt werden kann. Die Indikation zur operativen Versorgung einer Fraktur wird nach Beri.icksichtigung von klinischen und radiologischen Befunden gestellt. Doppelbildsehen ist ein wichtiges klinisches Kriterium für die Operation, kann aber nur von temporarer Dauer sein. Neben der Ausdehnung der Defektfraktur im CT (~ 3 cm2) ist ein Enophthalmus(~ 2 mm) der wichtigste klinische Parameter für die Entscheidung zur operativen Revision. Für die Rekonstruktion der Orbitawande werden heute mehrheitlich Titangitter mit spezifischem Design eingesetzt. In bestimmten klinischen Situationen (Rekonstruktion nach Tumorresektion) sind autologe Transplantate (tabula externa) immer noch zu favorisieren. Bezüglich Praz.i.sion und postoperativer Komplikationsrate bestehen keine Unterschiede zwischen autologen Transplantaten und Titanimplantaten. Die 3-dimensionale Planung und intraoperative Navigation hat sich v. a. bei den sekundaren Korrekturen von in Fehlstellung verheilten Mittelgesichtsverletzungen bewahrt. Die funktionellen Resultate nach sekundarer Korrektur eines Enophthalmus sind nicht ermutigend. Eine besondere Gewichtung erhalt deshalb die prazise klinische und radiologische Diagnostik, die korrekte lndikationsstellung und die primare sowie zeitnahe Versorgung von knöchernen Verletzungen der Orbita.
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Jaquiéry, C., Leiggener, C., Cornelius, C.-P., & Kunz, C. (2014). Aktuelle Behandlungsstrategien von knöchernen Verletzungen der Orbitae. OP-JOURNAL, 29(02), 136–146. https://doi.org/10.1055/s-0033-1350790
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