Abstract
Ziel des Beitrags ist es, das Ausmaß der Schulverweigerung in Köln zu bestim-men und zu erklären. Aus klassischen Theorien abweichenden Verhaltens (Kontrolltheorie, Ano-mietheorie, Theorie der städtischen Subkultur) werden Hypothesen abgeleitet und empirisch über-prüft. Dies geschieht mit Daten aus einer Untersuchung von Kölner Schülern der achten bis zehn-ten Klassen aus dem Jahr 1999, die das Max-Planck-Institut für internationales und ausländisches Strafrecht in Freiburg durchgeführt hat. Die Ergebnisse zeigen, dass 7,9 Prozent aller Schüler und Schülerinnen den Schulverweigerern zuzurechnen sind, Jungen häufiger als Mädchen und ältere Schüler häufiger als jüngere. Wichtiger als Geschlecht und Jahrgangsstufe ist die Schulform: Massive Schulschwänzer sind vor allem bei den Haupt-und Sonderschülern anzutreffen. Die empiri-schen Analysen zeigen, dass zur Erklärung der Schulverweigerung mehrere Theorien herangezogen werden müssen. I. Problem Dem Phänomen des Schulschwänzens wird in der Öffentlichkeit und in der Wissen-schaft zunehmend Aufmerksamkeit gewidmet. So wird das Schulschwänzen sogar im Ersten Periodischen Sicherheitsbericht (BMI 2001) thematisiert, der von den Bundes-ministerien des Innern und der Justiz herausgegeben wurde. Schulschwänzen stellt im rechtlichen Sinne eine Ordnungswidrigkeit dar, da es die Schulpflicht verletzt. Kinder, die bis zum 30. Juni eines Jahres ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben, sind verpflichtet, die Schule kontinuierlich zu besuchen. Die Schul-pflicht beträgt gegenwärtig zwölf Jahre, davon in der Regel neun Vollzeit-und drei Teilzeitschuljahre. In vier Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Bremen, Brandenburg, Berlin) besteht eine Vollzeitschulpflicht von zehn Jahren. Bußgeldbescheide wegen Schulpflichtverletzungen sind in den 90er Jahren zum Teil drastisch angestiegen (BMI 2001: 575, Fn. 1819). Auch wenn viele Autoren meinen, dass das Schulschwänzen in Deutschland zugenommen habe (z.B. Schreiber-Kittl und Schröpfer 2002: 17), bleibt offen, ob diese Aussage richtig ist. Das Dunkelfeld ist der-art umfangreich, dass schon eine geringe Zunahme der Kontrolle durch Schulen, Be-hörden und Polizei zu hohen Steigerungsraten des registrierten Schulschwänzens führen sollte. Außerdem hängt die Zahl der Bußgeldbescheide von behördeninternen Regelun-gen ab, die sich auf die Meldepraxis der Schulen auswirken können (Habermalz 2001). In der PISA-Studie gaben 13 Prozent der 15-Jährigen in den alten und 11 Prozent in den neuen Bundesländern an, in den letzten zwei Schulwochen Stunden geschwänzt
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Wagner, M., Dunkake, I., & Weiß, B. (2004). Erratum zu: „Schulverweigerung. Empirische Analysen zum abweichenden Verhalten von Schülern“. KZfSS Kölner Zeitschrift Für Soziologie Und Sozialpsychologie, 56(4), 793–793. https://doi.org/10.1007/s11577-004-0141-x
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