Abstract
Zur Beschreibung des kulturellen Wandels in postindustriellen Gesellschaf- ten wird in zunehmendem Maße auf die in den Vereinigten Staaten vor allem von Richard A. Pe- terson formulierte These von der Entwicklung des kulturellen Allesfressers (Cultural Omnivore) zurückgegriffen. Deren Kerngehalt ist die Annahme, dass eine ausschließliche Orientierung an der klassischen Hochkultur in gegenwärtigen Gesellschaften ihre soziale Funktion – z. B. im Bil- dungssystem und auf dem Arbeitsmarkt – verloren hat und dass an diese Stelle eine Vorliebe für die kulturelle Vielfalt getreten ist, die neben der Hochkultur auch Elemente der populären Kultur einschließt. In diesem Aufsatz werden erstens drei verschiedene Interpretationen dieses Phäno- mens vorgestellt, zweitens die bisherige empirische Evidenz zur Übertragbarkeit des Konzepts auf Deutschland kritisch diskutiert und drittens eine eigene empirische Analyse auf der Basis einer Umfrage unter Kinobesuchern dargestellt. Obwohl die Sparte des Films eigentlich dem Phänomen der kulturellen Allesfresserei besonders entgegenkommt, ergibt sich nur eine schwache Evidenz für die Verwendbarkeit des Konzepts in Deutschland.
Cite
CITATION STYLE
Rössel, J. (2006). Allesfresser im Kinosaal? Distinktion durch kulturelle Vielfalt in Deutschland. Soziale Welt, 57(3), 259–272. https://doi.org/10.5771/0038-6073-2006-3-259
Register to see more suggestions
Mendeley helps you to discover research relevant for your work.