Abstract
Vor 35 Jahren schrieb Butterworth in seinem berühm ten Artikel «They shouldn't be surprised to find a skeleton behind the first door they open» [1]. Damit be schrieb er erstmals auf markante Art und Weise das Problem der Mangelernährung im Krankenhaus. In der Schweiz sind etwa zwei Millionen Menschen überge wichtig oder leiden an Adipositas. Da mag es auf den ersten Blick befremdend anmuten, dass in unserem Land immer mehr von Mangelernährung gesprochen wird. Darüber zu sprechen allein genügt aber nicht. Da seit unseren zwei Artikeln über die Mangelernährung in dieser Zeitschrift [2, 3] gut zehn Jahre vergangen sind, wurden wir angefragt, ein Update über dieses wichtige Thema zu schreiben. Für eine ausführliche Diskussion verweisen wir auf die sehr lesenswerte Übersicht von Löser [4]. Untergewicht und Mangelernährung führen in der Grundversorgerpraxis oft zu Verunsicherung. Wenn Malignome und Hyperthyreose ausgeschlossen wurden, sind wir meist beruhigt, bzw. wir schwanken zwischen der Genugtuung, es für einmal nicht mit Übergewicht zu tun zu haben, und dem (Halb)Wissen, wonach auch Untergewicht ein relevanter Risikofaktor sein soll. Der Beitrag soll motivieren, auch in der ambulanten Praxis aktiver nach Untergewicht und Mangelernäh rung zu suchen und diagnostisch und therapeutisch anzugehen. Dazu brauchbare Screeninginstrumente zur Eingrenzung der klinischen Relevanz werden be sprochen. Fallbeschreibung Eine 88jährige Patientin wurde zur Abklärung eines möglichen CRESTSyndroms zugewiesen, welches sich in der Folge nicht bestätigt hat. Sie war ledig, lebte al lein zuhause, fuhr noch täglich Auto und kam gut zu recht. Anamnestisch war zu erfahren, dass sie schon jahrelang an diversen subjektiv empfundenen Nahrungs mittelunverträglichkeiten (Kohl, Salat, einige Obstsorten) mit Blähungen, Übelkeit und Magenbrennen litt. Seit etwa drei Jahren habe sie eine chronische Hyperazidi tätsproblematik und Stuhlinkontinenz, die zunehmend schlechter wurden. Drei Wochen vor Spitaleintritt war es zu einem Rektumprolaps gekommen, so dass die Patientin zur Abklärung hospitalisiert wurde. Sie war 160 cm gross und 46,4 kg schwer mit einem BMI von 18,1 kg/m 2 . Sechs Monate zuvor soll sie noch 56 kg ge wogen haben. Dies entspricht einem Gewichtsverlust von 17%. Aus der persönlichen Anamnese waren eine essentielle Hypertonie, ein Schlaganfall 2005, eine Handoperation 2005 sowie eine Cholezystektomie 1960 bekannt. Die klinische Untersuchung ergab ausser dem schlechten Ernährungszustand keine pathologischen Befunde. Hat diese Frau eine Mangelernährung/Unterernäh rung? Was hat das für eine Bedeutung? Muss, soll oder darf diese Frau ernährt werden? Definitionen
Cite
CITATION STYLE
Imoberdorf, R., Rühlin, M., Beerli, A., & Ballmer, P. (2011). Mangelernährung Unterernährung. Swiss Medical Forum ‒ Schweizerisches Medizin-Forum, 11(44). https://doi.org/10.4414/smf.2011.07663
Register to see more suggestions
Mendeley helps you to discover research relevant for your work.