Abstract
Stadt ist für Soziologen eine soziale Tatsache, die sich räumlich formt. Die soziale Tatsache, die in der europäischen Stadt räumliche Gestalt gewonnen hat, ist die bürgerliche Gesellschaft. Hans Paul Bahrdt (1998) hat auch seiner Definition von Stadt Merkmale der bürgerlichen Gesellschaft zugrunde gelegt: die Tendenz einer Polarisierung des gesamten gesellschaftlichen Lebens in eine öffentliche und eine private Sphäre, die sich als Polarität öffentlicher und privater Räume in der europäischen Stadt zur dominanten räumlichen Struktur ausgeformt hat. Bahrdt hat damit bewusst keine universell gültige Definition der Stadt vorgelegt, sondern die einer historisch spezifischen Ausprägung von Stadt: der europäischen Stadt der bürgerlichen Gesellschaft. Jede gesellschaftliche Formation schafft sich ihre besondere Stadt. Nur eines ist allen Städten gemeinsam: Städte können erst dann entstehen, wenn die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung mehr Lebensmittel herstellt, als sie für ihren eigenen Unterhalt benötigt. Alles städtische Leben begann somit als ein Schritt der Befreiung aus dem Naturzwang. Der erste Städter war der, der sich nicht mehr tagtäglich mit einer unkultivierten Natur ums eigene Überleben auseinandersetzen musste.
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Czaja, R. (2015). Die europäische Stadt. In Europäische Erinnerungsorte 2 (pp. 527–534). De Gruyter Oldenbourg. https://doi.org/10.1524/9783486704211-056
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