Windkraft und Fledermausschutz im Wald – eine kritische Betrachtung der Planungs- und Zulassungspraxis

  • Veith M
  • Lindemann C
  • Kiefer A
  • et al.
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Abstract

Der Ausbau der Windenergie findet zunehmend im Wald statt, da hier häufig windhöffige und damit ökonomisch attraktive Standorte zu finden sind. Allerdings ist hier der Konflikt mit dem Artenschutz im Allgemeinen und dem Fledermausschutz im Speziellen besonders hoch. In diesem Beitrag beleuchten wir vor dem Hintergrund des gesetzlich vorgegebenen normativen Rahmens den artenschutzrechtlichen Teil der Windkraftplanung im Wald mit Bezug auf Fledermäuse – von der Untersuchungsplanung über die eingesetzten Methoden bis zur Bewertung. Bezogen auf Fledermäuse stehen hier insbesondere die Vermeidung der direkten Tötung sowie die Verminderung der Beeinträchtigung ihres Lebensraums im Fokus der Betrachtung. Bundesland-spezifische Arbeitshilfen stecken den Untersuchungsumfang, die einzusetzenden Erfassungsmethoden und den räumlichen und zeitlichen Untersuchungsrahmen ab. Sie empfehlen zudem Maßnahmen zur Kompensation potenziell negativer Auswirkungen eines Eingriffs. Ihr Effekt auf die methodische Qualität der Fachbeiträge zu Fledermäusen ist jedoch gering. Meist kommen im Rahmen der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung zu Fledermäusen die Quartierbaumsuche, Netzfang, unterschiedliche Varianten des akustischen Monitorings (aktiv und passiv) sowie die Radiotelemetrie zum Einsatz. Insbesondere bei der bevorzugt empfohlenen akustischen Erfassung mindern zahlreiche methodische Probleme auf der technischen und der analytischen Ebene die Aussagekraft. Auch der Erfolg des Fangs von Fledermäusen mit Netzen hängt von zahlreichen Parametern ab. Die Quartierbaumerfassung lässt sich in ihrem Erfolg deutlich durch die Radiotelemetrie verbessern. Zur sinnvollen Quantifizierung des Lebensraumanspruchs einer Fledermauspopulation jedoch werden mittels Radiotelemetrie in der Regel zu wenige Tiere zu kurz untersucht. Die Bewertung der erhobenen Daten, hier gezeigt anhand akustisch ermittelter Aktivitätsdichten, erfolgt subjektiv, da Bewertungskriterien fehlen. Die am häufigsten empfohlenen und somit umgesetzten Methoden der Konfliktvermeidung und -minimierung sind CEF- (= Continued Ecological Function) und FCS-Maßnahmen (= Favourable Conservation Status) sowie das Gondelmonitoring und die selektive Abschaltung der WEA. Auch diese Maßnahmen entfalten z. T. Schwächen; die Bewahrung und Entwicklung von Waldstandorten als/zu ökologisch wertvollen Lebensräumen sowie die Verminderung der Schlagopferzahl durch spezielle Algorithmen (ProBat-Tool) sehen wir jedoch als sinnvoll an. Abschließend formulieren wir Anregungen zur Verbesserung und Objektivierung der Eingriffsplanung von WEA im Wald.

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Veith, M., Lindemann, C., Kiefer, A., & Koch, M. (2023). Windkraft und Fledermausschutz im Wald – eine kritische Betrachtung der Planungs- und Zulassungspraxis. In Evidenzbasiertes Wildtiermanagement (pp. 149–197). Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-65745-4_7

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