Chronifizierungsrisiko bei Rückenschmerzen einschätzen – STarT Back Tool

  • Luomajoki H
N/ACitations
Citations of this article
12Readers
Mendeley users who have this article in their library.

This article is free to access.

Abstract

Rückenschmerzen kommen zwar häufig vor, doch meist verschwinden sie innerhalb von zwei bis vier Wochen wieder-unabhängig davon, ob Therapie gemacht wurde oder nicht. Das ­ große­Problem­ist­jedoch­das­Chronifizierungsrisiko:­Zehn­Prozent­ der Patienten entwickeln chronische Rückenschmerzen und verursa­ chen 90 Prozent der Kosten, die bei Rückenschmerzen anfallen [1]. Nach heutigem Wissensstand sind vor allem psychosoziale Faktoren maßgeblich­an­der­Chronifizierung­beteiligt.­Dazu­zählen­unter­ande­ rem das Angstvermeidungsverhalten, das Katastrophisieren sowie Depressionen. Da chronische Rückenschmerzen die Gesundheitssys­ teme der westlichen Welt am meis­ ten finanziell belasten [1], ist es entscheidend, wie man Patienten mit­hohem­Chronifizierungsrisiko­ früh­identifizieren­kann.­­ Die Anamnese ist eine Möglich­ keit, die psychosozialen Faktoren aufzudecken. Ein validiertes As­ sessment wäre der Örebro Muscu­ loskeletal Pain Questionnaire (ÖMPQ). Er besteht aber aus 50 Fragen mit einem relativ komplexen Ratingsystem und ist daher vielen The­ rapeuten im Praxisalltag zu zeitaufwendig und umständlich. Der Punktescore zeigt das Chronifizierungsrisiko an → Alternativ lassen­sich­die­Risikofaktoren­für­eine­Chronifizierung­von­Rücken­ schmerzen mit dem STarT (Subgroups for Targeted Treatment) Back Tool erfassen. Das SBT ist ein einfaches, schnelles Assessment, das be­ reits in zwölf Sprachen validiert ist-seit 2015 auch in der deutschen Version [4, 5]. Eine englische Forschergruppe um Jonathan C. Hill an der Keele University in Großbritannien hat es im Rahmen einer Studie mit 850 Patienten mit Rückenschmerzen entwickelt [6]. Das SBT besteht aus neun Aussagen, denen der Patient zustimmt oder wider­ spricht. Stimmt der Patient allen Aussagen zu, erreicht er neun ­ Punkte,­was­dem­höchsten­Chronifizierungsrisiko­entspricht. Chronifizierungsrisiko bei Rückenschmerzen einschätzen STarT Back Tool Das STarT Back Tool ist ein einfacher und validierter Fragebogen, der das Chronifizierungsrisiko von Patienten mit Rückenschmerzen einschätzt. Das Tool teilt die Patienten in drei Risikogruppen ein und hilft Therapeuten bei der Entscheidung, welche Maßnahmen sie in der Therapie planen. Die ersten vier Aussagen beziehen sich auf die Rückenschmerzen und fragen ab, wie sehr sich der Patient durch sie im Alltag behindert fühlt.­Eine­Aussage­lautet­beispielsweise:­"Während­der­vergangenen­ zwei Wochen habe ich mich wegen der Rückenschmerzen langsamer als üblich angezogen." Die restlichen fünf Aussagen klären das Angst­ vermeidungsverhalten, die mögliche Katastrophisierung und eventu­ elle­Depressionen­über­Aussagen­wie­"Im­Allgemeinen­hatte­ich­keine­ Freude an den Dingen, die ich sonst gerne mache". Bei der neunten Aussage:­"Insgesamt,­wie­störend­waren­Ihre­Rückenschmerzen­in­ den­vergangenen­zwei­Wochen?",­gibt­der­Patient­"überhaupt­nicht",­ "wenig",­ "mäßig",­ "stark"­ oder­ "äu­ ßerst stark" an. Für eine der ersten drei Antworten erhält er keinen Punkt. Einen Punkt bekommt der Patient, wenn er eine der beiden letztgenann­ ten Antwortoptionen ankreuzt. Hat der Patient das SBT ausgefüllt, zählt der Therapeut die Punkte zusam­ men und ordnet den Patienten einer der drei Risikogruppen zu (SBT SCORING SYSTEM.). Behandlung nach dem SBT orientiert sich an Risikogruppe → Anhand­des­Chronifizierungsrisikos­kann­der­Therapeut­die­Behand­ lung planen. Bei Patienten mit niedrigem Risiko empfehlen Hill und Kollegen, dass der Therapeut sie physisch untersucht, die Befunde erklärt­und­sie­beruhigt­[2].­Zudem­soll­er­sie­darüber­informieren,­ dass der Rückenschmerz nichts Schlimmes ist, und ihnen empfehlen, den Alltag normal zu bewältigen und aktiv zu bleiben. Für eine schnelle Besserung genügt laut der Studie bei dieser Patientengruppe eventuell eine einmalige Beratung. Bei den Patienten mit mittlerem Risiko ist laut Hill und Kollegen hingegen eine Serie von bis zu sechs Mal evidenzbasierter Physiotherapie vorgesehen. Diese kann Manu­ elle­Therapie,­Übungen­und­individuelle­Beratung­beinhalten.­Ziel­ist­ es, dass der Patient Selbstmanagementstrategien erlernt. Bei Patien­ Patienten mit Rückenschmerzen und einem hohen Chronifizierungsrisiko müssen frühzeitig identifiziert werden.

Cite

CITATION STYLE

APA

Luomajoki, H. (2016). Chronifizierungsrisiko bei Rückenschmerzen einschätzen – STarT Back Tool. Physiopraxis, 14(05), 46–47. https://doi.org/10.1055/s-0042-104913

Register to see more suggestions

Mendeley helps you to discover research relevant for your work.

Already have an account?

Save time finding and organizing research with Mendeley

Sign up for free