Abstract
Flexible Arbeitszeitmodelle gewinnen in der modernen Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Vielfach wird in Frage gestellt, ob bestehende Regelungen des Arbeitszeitgesetzes den Wandel der Arbeitswelt noch angemessen berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund wurde auch eine Diskussion über die gesetzliche Mindestruhezeit von elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen angestoßen. Dieser Beitrag zeigt auf Basis der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2017 ( n = 6136 Vollzeitbeschäftigte), dass die Verkürzung von Ruhezeiten, über alle Berufe hinweg, negativ mit psychosomatischen Beschwerden und Work-Life-Balance assoziiert ist. Zudem kann gezeigt werden, dass der vielfach bestätigte negative Zusammenhang zwischen täglichen Arbeitszeiten bzw. Überstunden mit Gesundheit und Work-Life-Balance zum Teil auf verkürzte Ruhezeiten zurückzuführen ist. Aus den Analysen wird deutlich, dass bereits eine gelegentliche Unterschreitung der elfstündigen Mindestruhezeit mit Risiken für Gesundheit und einer schlechteren Work-Life-Balance einhergeht. Praktische Relevanz: Verkürzte Ruhezeiten zeigen negative Zusammenhänge zu Gesundheit und Work-Life-Balance. Die gesetzlichen Ruhezeiten stellen aus Sicht des Arbeitsschutzes daher einen notwendigen Mindeststandard dar, dessen Einhaltung für eine gesunde Arbeitszeitgestaltung für alle Tätigkeiten maßgeblich ist. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, in Form einer Absenkung der Mindestruhezeit, ist aus arbeitswissenschaftlicher Sicht abzulehnen. Darüber hinaus sollten die bestehenden Ausnahmeregelungen kritisch reflektiert werden. Bei der Gestaltung und Bewertung von Arbeitszeiten sollte neben der Länge der Arbeitszeit stets auch die Ruhezeit berücksichtigt werden. Eine Unterschreitung der Mindestruhezeit sollte in jedem Fall vermieden werden. Flexible working time arrangements are becoming increasingly important in the modern world of work. It is often questioned whether existing working time regulations adequately consider the changes in the working world. Against this background, statutory minimum rest periods of eleven hours between two working days are challenged. Based on the BAuA Working Time Survey (2017) of n = 6136 full-time employees, this article shows that the shortening of rest periods (quick returns) is negatively associated with psychosomatic health complaints and work-life balance across all occupations. The negative correlation between daily working hours or overtime with health and work-life balance is also partly attributable to quick returns. The analyses show that even occasional violations of the 11-hour minimum daily rest period are associated with health risks and a poor work-life balance. Practical Relevance: Quick returns show negative correlations with health and work-life balance. Hence, minimum daily rest periods represent a necessary minimum standard for occupational safety and health. Flexibilisation of working hours, which shortens or interrupts the minimum daily rest periods, should be rejected to ensure organizational safety and health. Moreover, the existing derogations might also be revisited. When designing and evaluating working times, the length of rest periods should be taken into account in addition to working time duration. Quick returns should be avoided as far as possible.
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Backhaus, N., Brauner, C., & Tisch, A. (2019). Auswirkungen verkürzter Ruhezeiten auf Gesundheit und Work-Life-Balance bei Vollzeitbeschäftigten: Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2017. Zeitschrift Für Arbeitswissenschaft, 73(4), 394–417. https://doi.org/10.1007/s41449-019-00169-8
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