Abstract
Im vorliegenden Artikel wird auf Basis unterschiedlicher Datenquellen in einem ersten Schritt die Belastung des Neusiedler Sees mit national oder gemeinschaftlich geregelten anthropogenen Spurenstoffen dargestellt. Darüber hinaus werden für ausgewählte Stoffe Eintragspfade in Wulka und Neusiedler See identifiziert und für weitere Stoffe wird ein mögliches Umweltverhalten im See dargestellt. Auch wenn derzeit ein umfassendes Monitoring von allen national oder gemeinschaftlich geregelten Spurenstoffen im Neusiedler See fehlt, kann für den überwiegenden Teil dieser Stoffe auf Basis von Untersuchungen in der Wulka bzw. Fischuntersuchungen im See eine Einhaltung der UQN angenommen werden. Für einzelne Stoffe ist eine Zielverfehlung geben oder anzunehmen. Für andere Stoffe ist zurzeit aufgrund analytischer Schwierigkeiten ein eindeutiger Befund nicht möglich. In Abhängigkeit vom Stoff und der Betrachtungsebene können sowohl Kläranlagenabläufe, landwirtschaftliche Erosion als auch die atmosphärische Deposition auf die Oberfläche des Sees die Einträge dominieren. Mit Bedachtnahme auf die große Zahl der in die aquatische Umwelt emittierten anthropogenen Spurenstoffe muss unabhängig von der Betrachtung von Einzelstoffen für den Neusiedler See eine ganz besondere Vulnerabilität für diese Form der Belastung diagnostiziert werden. Dies liegt vor allem an der Funktion des Sees als Stoffsenke. Persistente Spurenstoffe, die in den See gelangen, werden im Freiwasser aufkonzentriert oder in den Sedimentbereichen des Schilfs gespeichert, von wo sie allenfalls wieder mobilisiert werden können. Selbst wenn eine Vielzahl von schwer abbaubaren Spurenstoffen durch Ab- oder Umbau aus dem Freiwasser des Sees eliminiert wird, ist über die Endprodukte eines solchen Umbaus noch wenig bekannt bzw. sind diese aufgrund der Vielzahl möglicher Stoffe nicht gänzlich zu überwachen. Als Grundlage zur Entwicklung von Strategien für ein langfristiges und effizientes Management des Sees wäre ein regelmäßiges Monitoring von Spurenstoffen in See und Schilfgürtel deutlich zu verstärken, um Fehlentwicklungen im See frühzeitig erkennen zu können.In this paper, we first present the contamination of Lake Neusiedl with anthropogenic trace substances regulated at national or EU level. Second, we identify main emission pathways for selected substances into the River Wulka and Lake Neusiedl and identify the potential environmental behaviour of trace substances in the aquatic system. Even if a comprehensive monitoring of all regulated substances in the lake is at present still missing, we can assume the compliance with environmental quality standards for most of them based on measurements carried out in the River Wulka and from biota-monitoring in the lake. For some substances quality criteria are not or probably not met, for others a final diagnosis is currently not possible due to analytical constraints. Depending on the examined substance, effluents from waste water treatment plants, agricultural erosion or atmospheric deposition on the lake surface may be the dominant pathway of contamination into the River Wulka and Lake Neusiedl. Besides specific considerations for individual substances, taking into account the enormous number of anthropogenic trace substances that are released into the environment, Lake Neusiedl must be regarded as especially vulnerable to this kind of contamination. The high vulnerability mainly derives from the lake acting as a substance-sink. Persistent chemicals which enter the lake may concentrate in the water of the lake or may be stored in the sediments of the reed belt, from where they might be mobilized later on. Even if many of the highly persistent chemicals are removed from the lake water through degradation or conversion to metabolites, little is known about the end products of this conversion and they cannot be monitored completely because of their high number. As a basis for the development of strategies for a long-term and efficient management of the lake, a regular monitoring of trace substances in lake and reed belt should be reinforced considerably to detect any undesirable developments as early as possible.
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Zessner, M., Zoboli, O., Reif, D., Amann, A., Sigmund, E., Kum, G., … Wolfram, G. (2019). Belastung des Neusiedler Sees mit anthropogenen Spurenstoffen: Überlegungen zu Herkunft und Verhalten. Österreichische Wasser- Und Abfallwirtschaft, 71(11–12), 522–536. https://doi.org/10.1007/s00506-019-00623-1
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