Abstract
Weiße Elefanten" werden in der Sprache der Entwicklungshilfe gescheiterte technische Großprojekte und Investitionsruinen genannt, die – analog zum alten Siam, in dem in Ungnade gefallene Höflinge vom König ein solch seltenes Tier zur Pflege erhielten – den "Beschenkten" durch aufwendige Unterhaltskosten ruinieren. Kaum ein politisches oder ökonomisches System des 20. Jahrhunderts konnte der Versuchung widerstehen, über Großprojekte der Energiegewinnung oder des Infrastrukturausbaus, über massive Eingriffe in die Natur oder die Anlage 'künstlicher' Lebenswelten (etwa von „Idealstädten“ auf der grünen Wiese) seine Macht zu demonstrieren. Das Buch, 1999 erschienen, stellt paradigmatische Projekte vor und gruppiert sie zu Ursachen- und Motivkomplexen. Zugleich dokumentiert es die weltweite Verbreitung hochmoderner und technokratischer Umgestaltungsversuche, die sich meist an zunächst relativ erfolgreich verlaufenden Vorbildern wie der frühen Sowjetunion oder dem Tennessee Valley Projekt der USA in den 1930er-Jahren orientierten. Dabei werden, wie einige Rezensionen kritisch anmerkten, sehr viele Vorhaben angerissen, aber nicht vertieft analysiert. Mir ging es jedoch zunächst darum, die ganze Breite und wechselseitige Beeinflussung auf dem Gebiet der Großplanung in Technik und Umwelt zu dokumentieren, um eine hochmoderne Ära der beherzten Transformierung natürlicher Ressourcen in eine „zweite Natur“ sichtbar werden zu lassen. Zum zweiten habe ich versucht, eine in sich kohärente und grenzüberschreitende Weltsicht von „Technokraten“ zu skizzieren. Für viele der planenden Ingenieure und Techniker bildeten politische und ökonomische Faktoren nur Randbedingungen. Politiker und Unternehmer konnten Verbündete, manchmal sogar Gegner solcher Projekte sein.
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Gall, A. (2000). Weisse Elefanten: Anspruch und Scheitern technischer Grossprojekte im 20. Jahrhundert. Technology and Culture, 41(3), 615–616. https://doi.org/10.1353/tech.2000.0098
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