Befragung des Kindes bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung: Fallstricke und Qualitätssicherung

  • Noeker M
  • Franke I
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Abstract

Ärzte und besonders Kinderärzte in Klinik und niedergelassener Praxis werden häufig als erste Professionelle mit dem Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung (sexuellen Missbrauch, körperliche Misshandlung, Vernachlässigung, Münchhausen-by-Proxy-Syndrom) konfrontiert. Ihnen kommt somit eine Schlüsselrolle für die frühzeitige Befundsicherung, Verdachtsabklärung und Weichenstellung für das weitere interdisziplinäre Prozedere zu. Die klinische Abklärung eines Verdachts stellt eine diagnostische wie kommunikative Herausforderung dar. Das Prozedere umfasst biomedizinische Diagnostik, strukturierte Anamnese in Anlehnung an standardisierte Untersuchungsbögen sowie eine forensische (investigative) Befragung der Bezugspersonen und vor allem des betroffenen Kindes. Die Aussagen des Kindes bei einer Befragung unterliegen verschiedenen Risiken der Verzerrung. Die psychische Verarbeitung des Geschehens kann den Umfang und die Qualität des Berichtes vielfältig modulieren und verfälschen. Erwartungen des Kindes, wie die Professionellen seine Informationen nutzen werden und welche Folgen daraus für die Familie erwachsen können, sowie resultierende Loyalitätskonflikte überlagern die Gesprächsbereitschaft und Ausgestaltung der Aussagen. Auch aufseiten des Interviewers bergen motivationale, affektive und kognitive Prozesse Risiken für eine suggestive Beeinflussung des Kindes sowie für die Objektivität bei der Durchführung des Interviews und der Interpretation der Befunde. Vielschichtige Fallstricke gefährden so die Validität und gerichtsfeste Verwertbarkeit der Interviewergebnisse. Zur Qualitätssicherung ihrer Befunde sind Interviewer daher unter anderem gefordert, eigene motivationale Tendenzen und implizite Hypothesen achtsam zu registrieren und zu reflektieren, suggestive Frageformulierungen zu kennen und zu vermeiden und zur Durchführung eines Interviews sich möglichst standardisierter Interviewprotokolle zu bedienen.

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Noeker, M., & Franke, I. (2018). Befragung des Kindes bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung: Fallstricke und Qualitätssicherung. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 61(12), 1579–1586. https://doi.org/10.1007/s00103-018-2837-5

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