Anschlußkommunikation und die kommunikative Verarbeitung von Medienangeboten. Ein Aufriß im Rahmen einer konstruktivistischen Theorie der Mediensozialisation.

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Die Ausdifferenzierung der Medienforschungen, die zunächst vor allem auf Medienwirkungen gerichtet waren, hat neue Gegenstandsbereiche ins Blickfeld der Analysen gerückt: Neben den mittlerweile recht breit untersuchten subjektiven Rezeptionsprozessen (vgl. Großmann 1999) sind hier insbesondere Prozesse der Anschlußkommunikation und kommunikativen Verarbeitung von Medienangeboten zu nennen (vgl. Charlton/Klemm 1998; Holly/Püschel 1993; Sutter/Charlton 1999). Diese Prozesse werden zwar allgemein seit Mitte der 70er Jahre, als eigenständiger Bereich der Aneignung von Medienangeboten aber erst wieder in den letzten Jahren eingehender erforscht. Wie sehen die Ausdifferenzierung der Medienforschung und die daraus resultierende Abgrenzung des genannten Gegenstandsbereichs aus? Eine Gegenüberstellung, die die Medienforschungen seit langem prägt, kann als medienzentrierte versus publikumszentrierte Perspektive beschrieben werden (vgl. Renckstorf 1989). Die medienzentrierte Perspektive wurde sowohl aus optimistischen als auch aus kulturkritischen Quellen gespeist: Faszinierend waren aus optimistischer Sicht über lange Jahre die Verheißungen direkter medialer Beeinflussungen von Wählern, Kunden usw. in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie Politik oder Wirtschaft (vgl. Schenk 1987). Diese Verheißungen hielten trotz aller sich aufdrängender Zweifel ein einfaches Modell der Medienwirkung aufrecht, das in vielen Varianten über Jahrzehnte modifiziert und verfeinert wurde, ohne die grundlegenden Mängel und Verkürzungen beseitigen zu können (vgl. Merten 1994a). Aus kulturkritischer Sicht wurden dagegen die Macht der Medien und die Ohnmacht der Medienrezipienten als Bedrohungen beschworen (vgl. Adorno 1996; Bourdieu 1998; Oevermann 1996). Auch wenn hier kein einfaches Medienwirkungsmodell zugrunde gelegt wurde, blieb die analytische Perspektive ganz auf die Medien selbst gerichtet, wobei die massenmediale Manipulation und Überwältigung des Publikums ohne eingehende empirische Überprüfung von Rezeptionsprozessen unterstellt wurde.

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Sutter, T. (2010). Anschlußkommunikation und die kommunikative Verarbeitung von Medienangeboten. Ein Aufriß im Rahmen einer konstruktivistischen Theorie der Mediensozialisation. In Medienanalyse und Medienkritik (pp. 43–58). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-92218-8_3

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