Abstract
Das Integrationsniveau psychischer Struktur steht mit psychischer Krankheit, sowie den Bereichen Emotionserleben und Emotionsregulation in engem Zusammenhang. Es lassen sich hierin basale Dimensionen vermuten, deren differenzierte Betrachtung wichtig ist, um zwischen einem passageren Geschehen und strukturellen Defiziten entscheiden zu k{ö}nnen. Eine umfassende strukturelle Diagnostik w{ä}re im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Bereich w{ü}nschenswert, ist jedoch mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden, weshalb eine Umsetzung im klinischen Alltag oftmals nicht m{ö}glich ist. Ziel dieser Studie ist es, ein im klinischen Alltag {ö}konomisch durchf{ü}hrbares „Risiko-Screening`` zu erproben. So wurde anhand von 51 OPD-KJ Interviews mit Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren eine Einsch{ä}tzung des Strukturniveaus get{ä}tigt. Diese Jugendlichen f{ü}llten zus{ä}tzlich zwei Frageb{ö}gen aus: einen Fragebogen zum Emotionserleben und zur Emotionsregulation (EER) und den Fragebogen zur Pers{ö}nlichkeitsorganisation (IPO-16). In der vorliegenden Arbeit wurde getestet, ob durch die Ergebnisse der beiden Selbstbeurteilungsverfahren vorhergesagt werden kann, bei welchen Jugendlichen weiterf{ü}hrende Strukturdiagnostik indiziert ist. Die Ergebnisse zeigen, dass das reduzierte Erleben positiver Emotionen und die Neigung, auf subjektiv als schwierig erlebte Gef{ü}hle mit einem Blackout zu reagieren, knapp 60{\thinspace}{%} der strukturell beeintr{ä}chtigten Jugendlichen korrekt zuordnete. Vierzig Prozent der strukturell vulnerablen Jugendlichen blieben jedoch durch dieses Screening unerkannt. Aus den Ergebnissen ist zu schlie{ß}en, dass ein auf Selbstbeschreibungsverfahren beruhendes Screening im Rahmen einer ausf{ü}hrlichen Diagnostik zu Beginn der Behandlung im jugendpsychiatrischen Bereich nicht ohne zus{ä}tzliches klinisches Expertenurteil empfohlen werden kann.
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Huber, E., Bock, A., Hans, M., Wieser, E., Steinmayr-Gensluckner, M., Sevecke, K., & Benecke, C. (2017). Emotionserleben, Emotionsregulation und strukturelle Störung bei Jugendlichen. Psychotherapie Forum, 22(3), 48–62. https://doi.org/10.1007/s00729-016-0070-y
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