Abstract
Hintergrund und Fragestellung Die chirurgische Versorgung leidet unter einem großen Personalbedarf, der sich einerseits aus einer Überalterung aktu-ell tätiger Chirurgen (dem sog. Ersatz-bedarf), andererseits aber auch aus der demographischbedingtenSteigerungder Patientenzahlen (dem sog. Mehrbedarf) zusammensetzt. Aktuell sind 30 % der ambulant und 11 % der stationär tätigen Chirurgen 60 Jahre oder älter und nur rund 2 % (ambulant) bzw. 21 % (stationär) 40 Jahre oder jünger [23, 24]. Gleichzeitig sind die stationären chirurgischen Behand-lungsfälle in den vergangenen Jahren von 3.565.377 (2005) um knapp 12 % auf 3.992.185 (2016) gestiegen [25]. Der zunehmenden Überalterung der chirurgischen Ärzteschaft und den stei-genden chirurgischen Fallzahlen steht nur ein geringes Interesse potenzieller Berufsanfänger gegenüber: Obwohl die Begeisterung für das Fach Chirurgie in den ersten Semestern noch hoch ist (40-60 % der Medizinstudenten können sich in den ersten Semestern eine chir-urgische Berufslaufbahn vorstellen), hat nach Abschluss des praktischen Jahres nur noch eine einstellige Prozentzahl Die vorliegende Arbeit ist in der Klinik für Orthopädie und Tumororthopädie des Universi-tätsklinikums Münster angefertigt worden. von Medizinstudenten Interesse an ei-ner chirurgischen Facharztweiterbildung [16]. VielechirurgischeKlinikeninDeutsch-land leiden so unter einem massiven Bewerbermangel. In einer aktuellen Stu-die mit dem Titel "Nehmen wir jetzt jeden?-eine Umfrage in deutschen chirurgischen Kliniken" geben 80 % aller Umfrageteilnehmer (715 chirurgische Chefärzte und [leitende] Oberärzte) an, einen numerischen Bewerbermangel wahrzunehmen. 94 % geben sogar an, einen qualitativen Mangel zu bemerken, sodass 90 % ihre Einstellungskriterien bereits herabgesenkt haben. 47 % freuen sich, "überhaupt Bewerbungen zu be-kommen", und 27 % geben an, aufgrund fehlender harter Ausschlusskriterien "jeden Bewerber einzustellen, der sich meldet". Insgesamt 88 % erklären, dass der aktuelle Bewerbermangel sich ne-gativ auf die Versorgungsqualität in chirurgischen Kliniken in Deutschland auswirkt [17].
Cite
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Schneider, K. N., Masthoff, M., Gosheger, G., Schopow, N., Theil, J. C., Marschall, B., & Zehrfeld, J. (2020). Generation Y in der Chirurgie – der Konkurrenzkampf um Talente in Zeiten des Nachwuchsmangels. Der Chirurg, 91(11), 955–961. https://doi.org/10.1007/s00104-020-01138-2
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