Definition, Risikofaktoren und Klassifikationsmodelle von Pseudarthrosen

  • Braun K
  • Hanschen M
  • Biberthaler P
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Einleitung Die Knochenbruchheilung stellt einen deutlich längeren und komplexeren Heilungsprozess im Vergleich zu ande-ren Geweben im Körper dar. Die Besonderheit liegt in der Tatsache begründet, dass der Wiederaufbau des Kno-chens mit denselben biomechanischen und biochemi-schen Eigenschaften und ohne minderwertige fibröse Narbe stattfindet und somit eine Restitutio ad integrum möglich ist [1, 2]. Dieser Heilungsprozess ist ein Ineinan-dergreifen von unterschiedlichen zellulären Abläufen, die vereinfacht zusammengefasst beginnend mit dem Frak-turhämatom über nicht mineralisierten und mineralisier-ten Kallus bis hin zu kraftlinienorientiertem Remodeling abläuft. Eine zunehmende Belastungsstabilität ist i. d. R. nach 6 Wochen zu erwarten, wobei je nach frakturiertem Knochen und Lokalisation diese Heilungszeit deutlich va-riieren kann. (▶ Tab. 1) [3]. Die Knochenheilung muss als dynamischer Prozess gese-hen werden. Neben den klassischen Grundregeln der Knochenbruchheilung "je jünger, umso rascher" und "von oben nach unten" gelten die in ▶ Tab. 1 genannten ossären Konsolidierungszeiten daher nur als Richtwerte, um eine eventuelle verzögerte Knochenbruchheilung zu detektieren. Sie dürfen nicht als pauschale Heilungszeit missverstanden werden. Die Herausforderungen "wenn der Knochen nicht heilt" sind groß. In ca. 5-10 % aller Frakturen kommt es zu einer verzögerten Knochenbruchheilung mit Ausbildung einer Pseudarthrose, was allein für die BRD eine Fallzahl zwi-schen 40 000 und 80 000 Patienten bedeutet [4, 5]. Be-stehen individuelle Risikofaktoren beim Patienten, kann diese Rate rasch auf bis zu 30 % ansteigen (▶ Abb. 2) [6, 7]. Der Altersgipfel dieser schwerwiegenden Komplika-tion liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, was ne-ben der medizinischen vor allem die sozioökonomische Relevanz unterstreicht [5, 9, 10]. Die Behandlungsverlän-gerung durch eine verzögerte Knochenheilung stellt eine wesentliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar und verlängert die Krankheitsdauer entscheidend. Persistie-rende Belastungsschmerzen (insbesondere bei Biege-und Rotationsstress), Überwärmung und Überempfind-lichkeit der Haut auf Frakturhöhe sowie eingeschränkte Funktionstüchtigkeit müssen den behandelnden Arzt an eine fehlerhaft und/oder verzögert ablaufende Knochen-bruchheilung denken lassen. Im Folgenden soll auf die Begriffsverwirrung bei der Definition der verzögerten Knochenbruchheilung im deut-schen Sprachgebrauch eingegangen sowie die Risikofak-toren der Pseudarthrosenentstehung herausgearbeitet werden. Ferner werden die gängigen Klassifikationsmo-delle der verzögerten Knochenbruchheilung dargestellt, die aktuell jedoch nur bedingt eine therapeutische Kon-sequenz aufweisen. Definition Es gibt keine weltweite klare und vor allem exakte Definition der Pseudarthrose. Weder der Zeitpunkt, ab wann von einer verzögerten Knochenheilung ausgegangen wird, noch ab wann konkret von einer Pseudarthrose ge-sprochen wird, ist bisher einheitlich definiert. Insbeson-dere herrscht eine Begriffsverwirrung zwischen dem ang-loamerikanischen und dem deutschen Sprachgebrauch. Zeigt sich eine ausbleibende Knochenbruchheilung über einen Zeitraum von 4 bis 6 Monaten, so wird dies in Deutschland als verzögerte Knochenbruchheilung be

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Braun, K. F., Hanschen, M., & Biberthaler, P. (2019). Definition, Risikofaktoren und Klassifikationsmodelle von Pseudarthrosen. OP-JOURNAL, 35(03), 217–224. https://doi.org/10.1055/a-0889-1013

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