Abstract
Wörterbücher als Zeitenspiegel: Seit nunmehr 25 Jahren legen wir in einem Rhyth-mus von etwa 8 Jahren neue oder vollständig überarbeitete und erweiterte Auflagen des Wörterbuches Soziale Arbeit vor. So auch diese 5. Auflage, mit der wir den fach-lichen Stand und die Perspektiven der Sozialen Arbeit zu Anfang des 21. Jahrhunderts präsentieren. Wir haben durch diese lange Herausgeberzeit hindurch auch den Wechsel der Hauptthemen erlebt, die vielen sich abwechselnden, teilweise auch wieder vergehen-den Moden, Trends und Handlungsorientierungen, die Diskussionshits, die Flops und Irrtümer der Sozialen Arbeit in Deutschland-und inzwischen in Europa. Knapp gebündelt sind u. a. folgende-diesen Weg markierende-Begriffe zu nen-nen: "Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit" (der noch in zahlreichen Bei-trägen der 1. Auflage 1980 thematisiert wurde und dann "verging") und die "Plu-ralisierung von Lebenslagen/Individualisierung von Lebensführungen" (z. B. in der Kinder-und Jugendhilfe seit dem 8. Jugendbericht von 1990 eine zentrale Orientie-rung). Dann zeitlich dazwischen und danach die Begriffe "(fachliche) Reform" und "soziale Innovation" (prägend für die 1970er und 1980er Jahre) sowie schließlich die "Ökonomisierung der Sozialen Arbeit" (endgültig seit den 1990er Jahren das fach-liche Handeln stark beeinflussend bis dominierend). Was die 5. Auflage bestimmte: Die 5. Auflage ist in einer Zeit tief greifender sozial-politischer Veränderungen entstanden. Vor dem Hintergrund ökonomischer, politi-scher, demografischer Veränderungen (gekennzeichnet z. B. durch Begriffe wie Glo-balisierung und technologischer Wandel in immer schnelleren Zyklen) wird das uns bislang bekannte System Sozialer Sicherung verändert (im Wesentlichen gesteuert als Leistungsabbau). Die Wirkungen dieser Veränderungen erreichen zunehmend die Soziale Arbeit. Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer, immer mehr Men-schen werden in ihrer soziokulturellen und ökonomischen Existenz verunsichert, viele sind zur Sicherung ihres Lebens auf Leistungen der Sozialen Arbeit angewiesen, die aber ihrerseits wiederum erheblichen (finanziellen und politischen) Einschrän-kungen unterliegt. Nach unserer Auffassung wird dabei übersehen, dass Soziale Sicherung und So-ziale Arbeit in der BRD (vor und nach der Vereinigung) stets einen wesentlichen Bei-trag zur gesellschaftlichen Stabilität geleistet haben. Wir haben versucht, die Veränderungen in der Denklinie der Agenda 2010-also das, was sich im Kern hinter den Arbeitsmarkt-, Gesundheits-und Rentenreformen der letzten Zeit verbirgt-in zentralen Begriffen zu dokumentieren: unter Sozialstaat, Soziale Sicherung, Soziale Arbeit, Arbeitsförderung, Gesundheitsrecht (Gesundheits-© Dies ist urheberrechtlich geschütztes Material. Bereitgestellt von: FH Dortmund 16.06.2024 19:49 Uhr
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Hüttemann, R. (2021). Vorwort zur fünften Auflage. In Gemeinnützigkeits- und Spendenrecht (pp. V–V). Verlag Dr. Otto Schmidt. https://doi.org/10.9785/9783504387471-001
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