Abstract
Verglichen mit den europäischen Standardsprachen, an denen sich die traditionelle linguistische Begrifflichkeit entwickelt hat, weist das Irokesiche (eine Gruppe nordamerikanischer Indianersprachen) ein sehr fremdartiges Gepräge auf, das mit der herkömmlichen Terminologie nur ungenügend beschrieben und erklärt werden kann. Der Aufsatz geht von dem Leitgedanken aus, daß der Eigencharakter einer Sprache grundsätzlich von fundamentalen Prinzipien abhängig ist, die ihre funktionalen Gesamtzusammenhänge bestimmen, und daß das Verständnis fremdartiger Sprachsysteme wesentlich erleichtert wird, wenn man versucht, die individuelle Ausprägung solcher Prinzipien induktiv durch Konfrontation mit anderen Sprachen zu erkennen und daraus ein Erklärungsmodell für das Zusammenspiel grammatischer Einzelphänomene abzuleiten. Im Falle des Irokesischen läßt sich zeigen, daß der gesamte grammatische Aufbau aus dem wechselseitigen Verhältnis zwischen einem mit grundsätzlich zweistelligen Prädikaten operierenden Lexikon einer nicht-phrasalen Syntax erklärt werden kann. © 1988, Vandenhoeck & Ruprecht. Alle Rechte vorbehalten.
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Sasse, H. J. (1988). Der irokesische Sprachtyp. Zeitschrift Fur Sprachwissenschaft, 7(2), 173–213. https://doi.org/10.1515/ZFSW.1988.7.2.173
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