Abstract
für die Etablierung des menschlichen Mikrobioms ist der fetale Kontakt mit der mütterlichen Vaginalflora bei der Geburt. Bei einer primären Sectio kommen Neugeborene jedoch hauptsächlich mit Haut-und Umgebungsbakterien in Berührung. Daraus resultiert eine verzögerte Darmkeimbesiedelung. Diese wird mit Krankheiten wie Asthma, Zöliakie, Diabetes und Adipositas in Verbindung gebracht. Das Vaginal Seeding bietet hier möglicherweise einen Lösungsansatz. Dabei wird das Neugeborene nach der Sectio mit mütterlichem Vaginalsekret eingerieben. Hintergrund Die Sectio wird immer mehr zu einem zentralen Entbin-dungsweg in der Geburtshilfe. So ist es umso wichtiger, dass schwangere Frauen umfassend über die Vor-und Nachteile sowie die möglichen Folgen der Sectio infor-miert werden, insbesondere bezüglich der Langzeitfol-gen für das Neugeborene. Dazu gehört die Aufklärung und Sensibilisierung der Frauen für das noch eher unbe-kannte Gebiet der Darmgesundheit, respektive des Darmmikrobioms. Mikroben sind die ältesten Lebewesen der Erde. Pilze, Viren und Bakterien bilden zusammen das sogenannte Mikrobiom des Menschen. Sie stärken das Immunsys-tem, produzieren Vitamine und Enzyme und sind an der Verdauung beteiligt. Bereits im Mutterleib kommt der Fetus mit mütterlichen Bakterien in Kontakt. Ein entscheidender Moment in der Entstehung des mensch-lichen Mikrobioms ist, wenn der Fetus durch den Geburtskanal tritt und mit Bakterien der maternalen Vaginalflora besiedelt wird. Die Besiedelung des Darmes mit diversen Mikroorganismen bildet eine wichtige Basis für die Entwicklung der Gesundheit im menschlichen Körper [10]. Problemstellung Nach Radke (2012) hat die Sectio caesarea einen bedeutsamen Einfluss auf die Besiedelung des Darmes mit Bakterien. Dies begründet er mit dem fehlenden Kontakt mit der mütterlichen Vaginalflora. Das Neuge-borene kommt bei einer Sectio nur mit einer kleinen Menge Bakterien in Berührung, da es in einer nahezu sterilen Umgebung geboren wird. Daraus resultiert eine verzögerte bakterielle Darmtraktbesiedelung und eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora im Vergleich zu Neugeborenen, die vaginal zur Welt kom-men [15]. Gemäß Enders (2014) sind drei Viertel der Neugebore-nen, die an einer nosokomialen Infektion erkranken, Sectio-Kinder. Außerdem haben sie ein erhöhtes Risiko, Asthma oder Allergien zu entwickeln [6]. Einen neuen Lösungsansatz, dieses Risiko von Sectio-Kindern zu senken, bietet die Methode des Vaginal See-dings. Eine aktuelle Studie weist dem Vaginal Seeding erste positive Auswirkungen auf die Darmflora des Neu-geborenen nach [5]. Das menschliche Mikrobiom Madigan, Martinko, Stahl und Clark (2015) definieren das menschliche Mikrobiom-auch Mikrobiota genannt [7]-als die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den menschli-chen Körper bewohnen [11]. Dazu gehören die Mikroorga-nismen von Mund, Nasenöffnungen, Hals, Magen, Darm, dem Urogenitaltrakt und der Haut. In der Literatur von Madigan et al. wird die gesamte Anzahl der Mikroorganis-men auf ca. 100 Billionen (= 10 14) geschätzt. Die meisten dieser Mikroorganismen sind für den Menschen vorteilhaft, manche sogar lebensnotwendig, und haben einen direkten Einfluss auf den Gesundheitszustand des Menschen sowie auf dessen Anfälligkeit gegenüber Krankheiten. Bedingt durch die alltäglichen Aktivitäten und Interaktio-nen des Menschen mit seiner Lebensumgebung ist der Körper ständig einer Vielzahl von nicht pathogenen Mik-roorganismen ausgesetzt, die ihn besiedeln und auf ihm sowie in ihm wachsen [11]. Diese Mikroorganismen stel-len die normale Mikroflora dar [7].
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Lutz, F., & Gianom, M. (2018). Vaginal Seeding – Chance oder Risiko? Die Hebamme, 31(01), 45–53. https://doi.org/10.1055/s-0044-101138
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