Abstract
Erhöhte Transaminasen-Werte können auf eine hepato-zelluläre Schädigung oder eine Störung des Galleflusses hinweisen. Leberwerterhöhungen werden entweder bei Patienten diagnostiziert, deren Anamnese und Sym-ptome bereits eine Erkrankung des hepatobiliären Sys-tems suggerieren, oder aber sie sind ein unerwarteter, oft isolierter Befund bei Patienten, bei denen Laborunter-suchungen zur Abklärung unspezifischer Beschwerden oder im Rahmen eines Check-ups durchgeführt wur-den. Letztere Situation findet sich im klinischen Alltag häufig. Sie stellt den Arzt vor die Herausforderung, bei einem scheinbar gesunden Patienten die richtigen wei-teren Abklärungen einzuleiten – wobei einerseits un-nötige, kostenintensive Untersuchungen zu vermeiden sind, andererseits potentiell therapierbare Hepatopa-thien nicht verpasst werden dürfen. Dies ist insbeson-dere von Bedeutung, da viele chronische Lebererkran-kungen über lange Zeit asymptomatisch verlaufen und unbehandelt zu einer Leberzirrhose oder einem hepato-zellulären Karzinom führen können. Diese systemati-sche Übersicht soll den Kliniker bei der Interpretation von Leberwerterhöhungen und der Auswahl der geeig-neten weiteren diagnostischen Schritte unterstützen. Festlegung der Normwerte Um abnorme Laborwerte richtig interpretieren zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie Normwerte festgelegt werden. Üblicherweise wird der Normbereich (normal range) als Mittelwert (mean) innert ±2 Stan-dardabweichungen der «normalen» Referenzbevölke-rung definiert, entsprechend einer Gauss-Kurve. Somit haben 2,5% der «normalen» Bevölkerung «abnorme» Leberwerte, ohne dass eine Pathologie vorliegt. Es muss aber auch bedacht werden, dass die Grenzwerte für die Transaminasen vor ca. 30–40 Jahren festgelegt wurden. Damals wurde unter anderem kein Screening für virale Hepatitiden bei Blutspendern durchgeführt, und es be-stand wenig Bewusstsein für nichtalkoholische Fettle-bererkrankungen (NAFLD = nichtalkoholische Fettleber-erkrankung, NASH = nichtalkoholische Steato-Hepatitis). Es kann also davon ausgegangen werden, dass in der vermeintlich gesunden Referenzbevölkerung zahlreiche Personen mit Lebererkrankungen miterfasst wurden und somit die oberen Normbereiche für Transaminasen eher zu hoch angesetzt sind.
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Overbeck-Rezaeian, K., & Helbling, B. (2014). Transaminasen: wann bestimmen – wie interpretieren? Swiss Medical Forum ‒ Schweizerisches Medizin-Forum, 14(21). https://doi.org/10.4414/smf.2014.01918
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