Die Frau ohne Unterleib: Zu Judith Butlers Entkörperung

  • Duden B
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Abstract

Vor drei Jahren erschien in Amerika »Gender Trouble« von Judith Butler. Das Buch wurde schnell ins Deutsche übersetzt -jetzt wird es hier von Studentinnen aus den ersten Semestern teilweise begeistert aufgenommen. Ich habe mir das ehemals unterstrichene Exemplar vorgenommen, um Fragmente daraus zu kom-mentieren. Ich will kommentieren, nicht rezensieren. Ebensowenig will ich Butler in der innerfeministischen Debatte kritisch verorten. Ich lese Butler im Zusam-menhang der Körpergeschichte als Zeitdokument und nicht im Rahmen der femi-nistischen Theorien. Am Beispiel dieses Textes kann ich die Selbstwahrnehmung einer »postmodernen« Frau belegen, die mich befremdet, mit der ich mich aber intensiv befassen will, weil sie bei manchen meiner Studentinnen starken Wider-hall findet. Historische Quellen befremden. Ich halte Befremdung durch eine Quelle für ein Merkmal der ausdauernden historischen Praxis. Ich versuche meine Studen-tinnen in die distanzierte Befremdung der Historikerin vor gegenwärtigen wie vergangenen Zeugnissen einzuführen. Die Befremdung, die ich dem Butler'schen Text gegenüber beschreiben werde, wird durch meine Gewöhnung an die fachbe-stimmte Skepsis einer Historikerin bedingt und hat nichts mit psychologischem Deuteln zu tun. Die Disziplin (äskesis) der Körpergeschichte Durch meine Analyse des Butler'schen Schreibens will ich deutlich machen, warum ich mich -und wie -mit Körpergeschichte befasse. In zeitaufwendigen Quellenuntersuchungen habe ich versucht, die Körpererfahrung von Frauen vor zwei-und dreihundert Jahren zu entschlüsseln. Dabei habe ich immer wieder mit Frust erleben müssen, daß ihre Körpererfahrung nicht zu der eigenen paßt. Die Konstellation von Erlebnissen, die das Fleisch von Frauen in anderen Epochen bestimmt hat, ist der Konstellation meiner eigenen Autozeption so fremd, daß ich im Laufe meiner Exegese oft mehr Einsichten über mich und meine Zeit habe sammeln können als über die Frauen, die in meinen Quellen aufgetaucht sind. Diese fachbedingte »Unpäßlichkeit« ist im Vergleich mit der Seelenruhe des Feministische Studien 2/93

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Duden, B. (1993). Die Frau ohne Unterleib: Zu Judith Butlers Entkörperung. Feministische Studien, 11(2), 24–33. https://doi.org/10.1515/fs-1993-0204

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