Abstract
Insbesondere im Kontext der COVID-19-Pandemie sind Falsch- und Desinformationen in sozialen Medien zu einer Herausforderung für effektive Public-health-Maßnahmen geworden. Hier betrachten wir Einflussfaktoren auf das Glauben und Teilen von Falschinformationen auf individueller, sozialer und situativ-kontextueller Ebene und diskutieren Interventionsmöglichkeiten.Auf individueller Ebene spielen Wissensdefizite, mangelnde Kompetenzen und emotionale Motivation eine Rolle. Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz und bestimmten Überzeugungen sind anfälliger für Falschinformationen. Auf sozialer Ebene beeinflussen die Glaubwürdigkeit von Informationsquellen und soziale Normen das Teilen von Falschinformationen. Das Bedürfnis nach Status und Gruppenzugehörigkeit spielt ebenfalls eine Rolle. Auf kontextueller Ebene wirken Emotionen und die Wiederholung von Nachrichten auf das Glauben und Teilen von Falschinformationen.Interventionen auf individueller Ebene beinhalten Maßnahmen zur Verbesserung von Wissen und Kompetenzen. Auf sozialer Ebene können soziale Prozesse und soziale Normen angesprochen werden, um das Teilen von Falschinformationen zu reduzieren. Auf kontextueller Ebene wird die Regulierung von sozialen Netzwerken als wichtiger Ansatzpunkt betrachtet.Es wird darauf hingewiesen, dass soziale Ungleichheiten in der Exposition gegenüber Falschinformationen und im Umgang damit eine wichtige Rolle spielen. Es bleibt unklar, ob die Anfälligkeit für Falschinformationen eine generelle Tendenz oder kontextabhängig ist. Die Entwicklung von Interventionen muss daher vielfältige Einflussfaktoren berücksichtigen.Misinformation and disinformation in social media have become a challenge for effective public health measures. Here, we examine factors that influence believing and sharing false information, both misinformation and disinformation, at individual, social, and contextual levels and discuss intervention possibilities.At the individual level, knowledge deficits, lack of skills, and emotional motivation have been associated with believing in false information. Lower health literacy, a conspiracy mindset and certain beliefs increase susceptibility to false information. At the social level, the credibility of information sources and social norms influence the sharing of false information. At the contextual level, emotions and the repetition of messages affect belief in and sharing of false information.Interventions at the individual level involve measures to improve knowledge and skills. At the social level, addressing social processes and social norms can reduce the sharing of false information. At the contextual level, regulatory approaches involving social networks is considered an important point of intervention.Social inequalities play an important role in the exposure to and processing of misinformation. It remains unclear to which degree the susceptibility to belief in and share misinformation is an individual characteristic and/or context dependent. Complex interventions are required that should take into account multiple influencing factors.
Cite
CITATION STYLE
Schüz, B., & Jones, C. (2024). Falsch- und Desinformation in sozialen Medien: Ansätze zur Minimierung von Risiken in digitaler Kommunikation über Gesundheit. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 67(3), 300–307. https://doi.org/10.1007/s00103-024-03836-2
Register to see more suggestions
Mendeley helps you to discover research relevant for your work.